Mini-Unternehmen

Winterthurs jüngste Unternehmer auf Erfolgskurs

Mit ihrem magnetischen Notizbuch räumte das Schülerunternehmen «Alternate» von der Kanti Büelrain am Wochenende gleich zwei Preise ab.

Die Jungunternehmen mit ihrem Notizbuch.

Die Jungunternehmen mit ihrem Notizbuch. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer schreibt heute eigentlich noch von Hand? «Ziemlich viele Leute, wie wir gemerkt haben», sagt Marco Abbatecola. Der 18-Jährige ist einer der vier Kantonsschüler am Wirtschaftsgymnasium Büelrain, die zusammen das Mini-Unternehmen «Alternate» gegründet haben. Das Produkt ist ein schlankes, in Leder gefasstes Notizbuch. Marco klappt es auf, zieht eine Seite heraus, blättert um, und wie von Zauberhand klebt sie wieder im Buch. Ein starker Magnet im Rücken des Buches macht's möglich. Die Seiten bestehen aus normalem Papier, das seitlich in einen dünnen Streifen Magnetband gefasst ist. Nur einen Zentimeter ist er breit, und doch so stark, dass die Seiten auch dann nicht herausfallen, wenn man das Buch kräftig schüttelt.

Das verblüffende Buch überzeugte die Jury. Aus 200 Unternehmen, die am «Young Entrepreneurs»-Wettbewerb für Schüler mitmachten, schafften es die vier Winterthurer bis ins Finale. Am Samstag räumten sie gleich zwei Preise ab: für die Beste Marke und die beste Innovation. Für den Gesamtsieg reichte es nicht ganz, der ging an ein Team aus Fribourg, das Fruchtsirup herstellt. Die Schüler-Unternehmer wurden nicht nur für ihr Produkt bewertet, auch die Businesspläne, Messeauftritte oder Verkaufszahlen wurden benotet.

Nützlich im Schulalltag

«Zuerst hatten wir auch an ein Getränk gedacht», sagt Robin Schellenberg. «Man muss ja bei einem Budget von 3000 Franken innert fünf Monaten ein fertiges Produkt haben.» Trotzdem war rasch klar: Am liebsten wäre ihnen etwas, was im Schulalltag nützlich ist. Beim Stöbern auf der chinesischen Versandseite Alibaba entdeckte Marco ein magnetisches Notizbuch und bestellte es. «Es war sehr billig verarbeitet und die Seiten hielten schlecht», erinnert sich Robin. Doch die Idee gefiel ihnen. Sie kontaktierten den Hersteller in China und schlugen Verbesserungen vor. Er antwortete.

So funktioniert das magnetische Notizbuch. Imagefilm: PD via Youtube

«Die Kommunikation auf Englisch war von ihrer Seite aus zum Teil recht holprig», sagt Marco. Er machte darum für alle Design- und Materialwünsche präzise Visualisierungen im Computerprogramm Adobe Illustrator. Vier Mal schickten die Chinesen einen Prototypen mit den gewünschten Verbesserungen,dann kam die grosse Lieferung: 500 Notizbücher, die Hälfte in schwarzem Leder, die Hälfte in rotem. «Wir hätten fast unseren ersten Messeauftritt verpasst, weil der Liefertermin sich mit dem chinesischen Neujahr überschnitt», sagt Marco. Es brauchte viele Anrufe und E-mails, doch zwei Tage vor dem grossen Tag stand die Palette vor Robins Garage.

Ein kleines Wunder der Globalisierung! «Dass wir als Mini-Unternehmen in Winterthur so etwas machen können, hätte vorher keiner von uns gedacht», sagt Robin. «Wir hatten auch einen Buchbinder in der Schweiz angefragt, aber die Mindestbestellmenge wäre ein Vielfaches unseres Budgets gewesen.»

Rund die Hälfte ihrer 500 Bücher haben die vier Kanti-Schüler schon an die Kundin oder den Kunden gebracht, etwa an Messen. Viele Exemplare bezogen Lehrer und Mitschüler und nicht wenige gingen über den Online-Shop weg. Dort kostet es 39.90 Franken, inklusive Versand.

Und wie benutzen die Kunden das Buch? «Unsere Mitschüler sagen, sie ordnen so ihre Notizen nach Fächern», sagt Marco. Eine Lehrerin sammle darin Kochrezepte – mit dem Magneten hält das Buch am Kühlschrank.

Auflösen und Neustart

Mehrere Stunden Arbeit pro Tag haben Marco, Robin und ihre Mitstreiter Aymen Honegger und Jonas Zaugg für ihr Projekt aufgewendet. Nun müssen sie es auflösen – so schreiben es die Regeln des YES-Wettbewerbs vor. Doch für sie ist klar: «Wir machen weiter!» Nach der Auflösung wird «Alternate» neu gegründet. Schliesslich fange es gerade an, Spass zu machen. Seit dieser Woche ist das Notizbuch in der Papeterie Schoch ausgestellt. Und der Online-Shop muss ohnehin weiterlaufen: Wenn das Buch voll ist, kann man hier Ersatzpapier kaufen.

Erstellt: 27.05.2019, 16:10 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben