Burckhardt

«Wir dürfen nicht zufrieden sein»

Schlechte Zahlen und Kurzarbeit erklärt der Burckhardt-Chef Marcel Pawlicek mit der schwachen Marktlage. Dass innerhalb der Firma Arbeitsplätze nach China abwandern, verneint er.

Marcel Pawlicek, CEO Burckhardt Compression an der Bilanzmedienkonferenz zum Geschaeftsjahr 2016.

Marcel Pawlicek, CEO Burckhardt Compression an der Bilanzmedienkonferenz zum Geschaeftsjahr 2016. Bild: Keystone

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Herr Pawlicek, ohne Zukäufe gerechnet, gingen bei Burckhardt Compression ein Viertel weniger Bestellungen ein. Die Marge im Neumaschinengeschäft hat sich halbiert. Damit können Sie unmöglich zufrieden sein.
Marcel Pawlicek: Nein, absolut nicht, das dürfen wir nicht. Und wenn wir noch den Ausblick für 2017 ansehen, erst recht nicht.

Wo hakt es?
Wenn man die Zahlen anschaut, ist ganz klar das Neumaschinengeschäft betroffen. Und dort merkt man, dass das Marinegeschäft, bei dem wir in der Vergangenheit immer sehr hohe Margen erzielten, weggebrochen ist. Das Raffineriegeschäft hingegen, das tiefe Margen hat, ist im Moment sehr interessant, es boomt. Für uns heisst das, wir müssen uns darauf fokussieren, Kosten einzusparen.

«Es hat keinen Sinn, dass wir für die ganze Welt den Service von Winterthur aus machen.»Marcel Pawlicek, 
CEO Burckhardt Compression

Die derzeit wachsenden Märkte werden gerade nicht von Winterthur aus bedient, sondern aus Indien, China und Korea.
Unsere grössten Prozessgaskompressoren für Raffinerien bauen wir nur in Winterthur.

Aber die viel öfter verkauften kleineren Modelle nicht.
Stimmt. Diese haben wir schon vor fünf, sechs Jahren nach Indien ausgelagert, weil die Kosten der Ingenieursstunden im Missverhältnis zu den Kosten der gesamten Maschine stehen. Unsere Dual-Fuel-Kompressoren, die auf Tankschiffen sich verflüchtigende Gase in Treibstoff verwandeln, werden wir auch in Winterthur bauen, da das Werk in Korea so gut ausgelastet ist.

Diese Technologie ist also ein grosser Hoffnungsträger?
Ja. Wir hatten hohe Entwicklungskosten und werden nochmals hohe Markteinführungskosten haben, aber mit diesem Produkt sind wir nach wie vor zuversichtlich. Zwar wird in diesem Gebiet derzeit Konkurrenz aufgebaut, aber technologisch sehe ich uns derzeit im Vorteil.

Als Burckhardt Compression 2016 die chinesische Shenyang Yuanda Compressor übernahm, fürchtete man in Winterthur eine Verlagerung von Stellen. Und prompt wurden Ende Jahr 50 Stellen gestrichen und Kurzarbeit beschlossen. Gibt es einen Zusammenhang?
Unsere Standorterweiterung hat nichts mit Winterthur zu tun. Dass hier Stellen abgebaut und Kurzarbeit eingeführt wurde, hat vielmehr mit der Marktsituation zu tun. Shenyang Yuanda ist primär ein chinesischer Lieferant für den chinesischen Markt, welcher teilweise andere Ansprüche hat als der Rest der Welt. Und wenn wir Shenyang Yuanda als internen Zulieferer für Gussteile aufbauen, statt sie bei Fremdfirmen einzukaufen, ändert das in Winterthur auch nichts.

«Auch CO2 ist ein Gas. Der Klimawandel bedeutet für 
Burckhardt neue Gelegenheiten.»
Marcel Pawlicek, 
CEO Burckhardt Compression

Sie sagten heute selbst, dass sich bei Burckhardt nicht mehr alles um Winterthur drehen solle.
Winterthur wird immer unser Hauptsitz bleiben, da dürfen Sie mich nicht falsch verstehen. Aber vor allem im Service-Bereich müssen wir näher zu den Kunden. Es hat keinen Sinn, dass wir Service von Winterthur aus machen. Wir werden zudem auch in Indien ein Engineering-Center aufbauen. Wir müssen uns ein Stück weit vom Gedanken lösen, dass sich die ganze Öl-und-Gas-Welt von Burckhardt in Winterthur abspielt.

Derzeit gilt in Oberwinterthur für 200 Mitarbeiter Kurzarbeit. Wie lange noch?
Über die Sommermonate werden wir sie aufheben, weil wir eine Welle an Arbeit kommen sehen. Für die Zeit danach müssen wir die Marktentwicklung abwarten.

Kurzfristig ist der Ausblick wie gesagt trüb. Wo sehen Sie mittel- und langfristig Chancen?
Im Marinegeschäft, das wird sich sicher erholen. Da müssen wir einfach Geduld haben, unsere Kosten im Griff behalten und uns fit machen für die Zukunft.

Und sonst, wo kann Burckhardt Compression noch wachsen?
Bei den alternativen Energien. CO2 ist auch ein Gas, und wenn man es speichern oder weiterverarbeiten will, wie ein ETH-Spinoff macht, muss man es mit Kompressoren verflüssigen. Auch wenn aus Klimaschutzgründen mehr Erdgas als Erdöl zum Einsatz kommt oder wenn Treibstoffe entschwefelt werden, ist das gut für uns. Der Klimawandel bedeutet für Burckhardt neue Gelegenheiten. (Landbote)

Erstellt: 06.06.2017, 16:23 Uhr

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