Winterthur

«Wir helfen auch gerne beim Online-Suchauftrag»

Ab Dienstag ist das Fundbüro nicht mehr im Polizeiposten, sondern bei der Brühlgutstiftung in Töss. Die drei Mitarbeitenden mit Beeinträchtigung haben sich intensiv darauf vorbereitet. «Wir sind bereit», sagt Abteilungsleiter Michael Lötscher.

Michael Lötscher und sein Team sind bereit für den Umzug nach Töss.

Michael Lötscher und sein Team sind bereit für den Umzug nach Töss. Bild: Heinz Diener

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Beim alten Fundbüro wusste jeder, wo es ist: auf dem Polizeiposten. Wie finden die Leute ab Dienstag das neue Fundbüro?
Michael Lötscher: Wer bei der Bushaltestelle Töss aussteigt, sieht schon unsere Schilder. Wir sind im dritten Stock der Klosterstrasse 17. Der Ort ist auch auf unserer Website und beim Polizeiposten angeschrieben.

Dort stehen Finder auf verlorenem Posten?
Nein, man kann ausserhalb unserer Öffnungszeiten auch weiterhin Fundsachen bei der Polizei abgegeben. Unser interner Fahrradkurier bringt sie dann her.

Etwas verloren ist es ja schon, hier in Töss.
Wer in Oberwinterthur oder Seen wohnte, musste doch auch heute schon in den Bus steigen, um ins Fundbüro zu kommen.

Am Dienstag geht’s los – sind Sie bereit?
Ja. Wir hatten eine etwa dreimonatige Einarbeitung und haben viele Testfälle durchgespielt. Claude Lachat der das Fundbüro der Stadtpolizei leitete und Ende Jahr pensioniert wird, hilft die ersten Wochen mit.

Bei Ihnen arbeiten Menschen mit Behinderungen. Was können die alles selbstständig machen?
Alles! Das Ziel ist so wenig Betreuung wie möglich. Herr Pellegrino wird das dreiköpfige Team am Anfang führen, aber wir gehen davon aus, dass er sich schrittweise zurückziehen kann.

«Ich bin in der Firma vermutlich der, der am meisten Dinge verliert.»

Michael Lötscher,
Abteilungsleiter Fundbüro

Wie kam die Stadtpolizei überhaupt dazu, die Brühlgut Stiftung zu fragen?
Wir arbeiten seit Jahren mit «Velo für Afrika» und den Velo-Auktionen zusammen und konnten so das Vertrauen erarbeiten. Die Verantwortlichen der Stadtpolizei sagten: Wir machen es mit euch oder mit niemandem.

Was wird eigentlich am meisten abgegeben?
Natels, Schlüssel und Portemonnaies. Seit Stadtbus nicht mehr mitmacht, sind es weniger Taschen, Jacken und Schirme.

Warum ist Stadtbus denn nicht mehr dabei?
Das müssen Sie die Stadt fragen. Soweit wir wissen, hätte Stadtbus sich finanziell am Fundbüro beteiligen müssen. Sie entschieden sich, stattdessen mit der SBB zusammenzuarbeiten.

Aber wenn ich im Bus einen Schirm finde, kann ich ihn trotzdem ins Fundbüro bringen?
Selbstverständlich.

Und die Polizei hat mit Fundsachen nichts mehr am Hut?
Doch, wir bleiben in Kontakt. Bei Portemonnaies müssen wir zum Beispiel entscheiden: Fundsache oder Deliktware? Meistens ist es ein «Delikt», also zum Beispiel Taschendiebstahl. Dann melden wir es der Polizei.

Aber woran erkennen Sie das?
Wenn das Geld fehlt und das Portemonnaie verdreckt oder durchnässt ist, weil es irgendwo in ein Gebüsch oder einen Kübel geworfen wurde.

Bekomme ich einen Finderlohn?
Sie werden beim Abgeben gefragt, ob Sie Finderlohn möchten oder nicht. Wenn Bargeld gefunden und abgeholt wird, erhalten Sie 10 Prozent. Wenn jemand aus Dankbarkeit freiwillig Finderlohn zahlt, leiten wir das weiter.

Es heisst, man solle seinen Suchauftrag zuerst im Internet einreichen. Gerade älteren Personen dürfte das schwer fallen.
Wer damit Mühe hat, soll einfach bei uns vorbeikommen; wir helfen hier gerne.

Wann haben Sie selbst das letzte Mal etwas verloren?
Ich bin in der Firma vermutlich der, der am meisten Dinge verliert. Von Schlüssel über Brille bis zum Ehering. Böse Zungen in der Firma behaupten darum, dass ich das Fundbüro deshalb hergeholt habe, weil ich selbst am meisten verliere. (lacht)

(Der Landbote)

Erstellt: 28.10.2016, 15:53 Uhr

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