Petardenwurf

«Wir konnten als Verein ein Zeichen setzen»

Der Matchbesucher, der letzten Mai einen Knallkörper auf die «Schützi» geworfen haben soll, übernimmt einen Teil der Verbandsbusse. Der FCW hat sein Ziel erreicht, sagt Geschäftsführer Andreas Mösli und erklärt, warum der Regress gegen Zuschauer in Winterthur nicht zum Regelfall wird.

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Der FC Winterthur hat sich mit dem mutmasslichen Petardenwerfer vom Mai 2017 auf eine Schadenersatzzahlung geeinigt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ausgang der Verhandlungen?
Andreas Mösli: Ich habe keine einschlägigen Erfahrungen, so gesehen fehlen mir die Vergleiche. Aber es war für mich im Rückblick eine gute Erfahrung, mit dem Stadionbesucher Kontakt aufzunehmen und diese Gespräche zu führen. Es ist erfreulich, dass wir uns aussergerichtlich einigen konnten.

Die Details der Einigung bleiben unter Verschluss, beide Seiten haben Stillschweigen vereinbart, warum eigentlich?
Wir haben eine Lösung gefunden, die für beide Seiten akzeptabel ist. Stillschweigen auszuhandeln ist in solchen Fällen normal.

Die ursprüngliche Forderung des FC Winterthur belief sich auf 11 900 Franken, sie entsprach also der gesamten Busse (plus Gebühren), welche die Swiss Football League gegen den FCW ausgesprochen hatte. Nun wird der Club einen Teil davon selber tragen.
Das ist so. Wir haben einen Kompromiss geschlossen, auch aus Rücksicht auf die finanziellen Verhältnisse des Matchbesuchers. Es war ja nie unser Ziel, dieser Person finanziell zu ruinieren, wir haben eine Lösung gesucht, die für alle Seiten machbar und tragbar ist.

«Wir haben eine Fankultur und Freiheiten im Stadion zu verteidigen»Andreas Mösli, FCW-Geschäftsführer

Erwarten Sie, dass der Fall mit dem Ausgang, den er jetzt genommen hat, in der Schweiz eine Signalwirkung entfaltet?
Das wird sich zeigen.

Wäre es dafür nicht besser gewesen, vor ein Gericht zu gehen?
Es ist nicht die Aufgabe eines kleinen Vereins wie des FC Winterthur, ein Urteil in diesem Rechtsfeld zu erzwingen. Diese Kapazitäten haben wir weder finanziell noch personell. Es wäre wenn, dann Sache der grossen Vereine, mit einem exemplarischen Fall bis vor Bundesgericht zu gehen.

Dass der FCW auf einen Stadionbesucher Regress nimmt, ist auf ein grosses Medienecho gestossen. Gab es auch Rückmeldungen von anderen Vereinen?
Ja, es gab zwar keine Fragen zur Sache selbst oder so, aber viel ideelle Unterstützung – auch aus Fankreisen.

Wird der Regress auf der Schützenwiese jetzt zur Hauspolitik?
Wenn wir das Gefühl haben, es sei etwas Ungerechtes passiert, werden wir uns sicher wieder wehren. Aber eine Regel aus einem Einzelfall zu machen, ist immer gefährlich. Man muss in jedem Einzelfall die Verhältnismässigkeit im Auge behalten.

Reden wir noch vom Petardenwerfer selbst: Wie hat sich der junge Mann vor dem Friedensrichteramt gegenüber dem FCW verhalten?
Er war mit seinem Anwalt dort wie wir auch. Es war eine konstruktive und sachliche Verhandlung. Ich will dazu nur so viel sagen: Er ist nicht rechtlich verurteilt, sondern wir haben eine Einigung gefunden.

Gegen ihn wurde letztes Jahr eine Stadionsperre verhängt. Wird diese nun aufgehoben?
Das Stadionverbot ist noch in Kraft. Wenn er die Stadionsperre aufheben will, kann er einen schriftlichen Antrag stellen und begründen. Das ist aber kein Gegenstand der Einigung und wurde auch nicht diskutiert.

Hat es denn so etwas wie eine Versöhnung oder Aussprache gegeben?
Wir haben vor dem Friedensrichter diskutiert und unsere Ansichten dargelegt. Dass es eine Einigung gegeben hat, kann man vielleicht als eine Art Versöhnung deuten. Aber es geht nicht um die Einzelperson. Wichtig ist uns, dass wir als Verein ein Zeichen setzen konnten. Das ist uns gelungen. Wir haben eine Fankultur zu verteidigen und wir haben Freiheiten im Stadion zu verteidigen. Das war für uns in dieser Sache massgeblich. (Landbote)

Erstellt: 03.04.2018, 18:37 Uhr

Andreas Mösli, FCW-Geschäftsführer

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