Winterthur

«Wir sagen Bogey, Par und Birdie, wie im Golf»

Julia Burkhardt (39) organisiert das Disc-Golf-Turnier «Winterthur Open» auf dem Grüzefeld. Wir haben mit ihr über den aussergewöhnlichen Sport gesprochen.

Mit der Disc in den Korb: Am Wochenende findet auf dem Grüzefeld das «Winterthur Open» statt.

Mit der Disc in den Korb: Am Wochenende findet auf dem Grüzefeld das «Winterthur Open» statt. Bild: Axel Lenoir/Archiv

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Frau Burkhardt, darf man Ihr Sportgerät «Frisbee» nennen, oder ist das ein Sakrileg?
Julia Burkhardt: Doch, das darf man. Es ist ja Frisbee-ähnlich. Wir sagen Disc.

Und damit spielen Sie Golf. Was ist Ihr Handicap?
Ein Handicap wie im Golf gibt es im Disc-Golf nicht. Die Spielstärke misst sich am PDGA-Rating.

Und wo stehen Sie da?
Ich habe 848 Punkte. Der weltbeste Spieler, ein Amerikaner, hat 1047 Punkte. Zum Vergleich, der Präsident unseres Vereins Disc Dimension, Stephan Müller, ist seit Jahren der beste Schweizer Spieler und hat 1012 Punkte.

«Man spielt in erster Linie gegen sich selbst»

Was hat Disc-Golf denn eigentlich mit Golf gemeinsam?
Beides ist ein Einzelsport. Man spielt in erster Linie gegen sich selbst. Und wir nutzen die gleichen Begriffe: Par, Bogey, Birdie...

Nur spielen sie auf Körbe statt Löcher.
Ja. Während der Golfplatz schön exakt und eben sein muss, sind bei uns Hindernisse sehr willkommen.

Und beim Golf kostet die Mitgliedschaft in einen Club schon mal über 20 000 Franken und die Jahresgebühr dann nochmal 3000. Wie viel ist es bei Ihnen?
Bei unserem Verein sind Sie mit 100 Franken Jahresbeitrag dabei, darin inbegriffen ist bereits die Turnierlizenz. Eine Disc gibt es ab 15 Franken zu kaufen.

Und wie viele davon nehmen Sie mit ans Turnier?
Etwa 15 Stück. Es gibt drei Grundarten. Den «Driver» für Weitwürfe, das ist eine sehr flache Scheibe. Der «Putter» für kurze Würfe hat dagegen einen hohen Rand. Und für mittlere Distanzen gibt es die Mid-range Scheiben.

«Es ist verpönt während des Abwurfs zu reden oder im Weg zu stehen.»

Ihr Verein trainiert im Grüzefeld und führt dort am Wochenende auch das Turnier durch. Ist es ein einfacher oder schwieriger Kurs?
Ein einfacher. Die Distanzen sind relativ kurz und es gibt wenige Hindernisse. Es gibt auch Disc-Golf-Turniere in den Bergen oder waldigen Gebieten, das ist kniffliger. Wir haben neun feste Körbe, vier stellen wir zusätzlich auf.

Ist Disc-Golf eigentlich ein Spiel oder ein Sport?
Ein Sport. Es ist enorm technisch. Beim Abwurf braucht es eine hohe Konzentration, und vor dem nächsten Wurf muss man sich neu einstellen auf die geänderte Situation. Turniere dauern bis zu sechs Stunden, das ist ziemlich anstrengend.

Wie oft trainieren Sie?
Unser Verein hat einmal pro Woche ein festes Training, daneben übt jeder so, wie er Zeit hat. Bei mir sind es drei- bis fünfmal pro Woche.

Auch wenns regnet?
Klar. Wir spielen sogar wenns schneit. Einfach nicht mit weissen Discs.

Wie viele Discs verlieren Sie ­jedes Jahr in Tümpeln, Mais­feldern oder Hundemäulern?
Dieses Jahr habe ich erst eine verloren, meist sind es drei bis vier pro Jahr. Die Hunde sind weniger das Problem, die geben die Discs in der Regel wieder her.

«Jugendliche zu finden, ist schwierig»

A propos gut erzogen: Gibt es auch für Disc-Golf-Spieler einen Benimmcode, wie beim Golf?
Oh ja! In den Spielregeln des Weltverbands sind auch Benimmregeln dabei. So ist es zum Beispiel verpönt während des Abwurfs zu reden oder im Weg zu stehen. Auch Fluchen und Schimpfen ist unerwünscht.

Findet Disc-Golf genügend Nachwuchs?
Jugendliche zu finden, ist schwierig, weil wir derzeit niemanden haben, der ein Nachwuchstraining leiten könnte. Aber es kommen immer wieder Neumitglieder im Alter von 20 bis 35 Jahren dazu. Viele haben Disc-Golf über die Spielkonsole Wii kenengelernt. Oder sie waren in den USA im Austausch, wo Disc-Golf viel populärer ist. In der Schweiz gibt es eher wenige markierte Parcours, es fehlt die Abwechslung.

Wie kamen Sie selbst dazu?
Ein Bekannter wollte einen Frisbee für seinen Hund kaufen und beim Stöbern im Internet bin ich auf Disc-Golf gestossen. Das war vor etwa zehn Jahren. Mein Partner spielt schon seit 1991. Er kam über Ultimate-Frisbee drauf.

Wie viele Leute spielen in der Schweiz Disc-Golf?
Registrierte Spieler sind es rund 100, aber dazu kommen viele, die nicht wettkampfmässig spielen, sondern als Hobby. Die Körbe sind ja für alle frei zugänglich.

Ihr Sport besteht aus viel Spazieren an der frischen Luft. Klingt eigentlich ideal für nach der Pensionierung!
Tatsächlich kenne ich Spieler, die bis weit über 80 aktiv bleiben.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.09.2018, 10:54 Uhr

Julia Burkhardt, Verein Disc Dimension

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