Winterthur

«Wir sind kein Mädchenmagazin»

Lynn Vellacott und Lea Oberli brechen in ihrem Magazin «Like A Girl» Tabus. Viele bewundern sie dafür, haben aber nicht den Mut, selbst mitzumachen.

Lea Oberli (r.) und Lynn Vellacott treffen sich oft in der Winterthurer Altstadt, um an ihrem Magazin «Like A Girl» zu arbeiten. Bild: Johanna Bossart

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«Tu nicht so wie ein Mädchen» heisst meist: Zeig keine Schwäche. «Etwas wie ein Mädchen zu tun, ist bei uns oft negativ konnotiert», sagt Lea Oberli. Sie und ihre Freundin Lynn Vellacott kreieren seit letztem Februar gemeinsam das Magazin «Like a Girl», zu Deutsch «Wie ein Mädchen».

Mit dem Titel wollen die beiden darauf aufmerksam machen, dass es keine Beleidigung sei, etwas wie ein Mädchen zu tun. «Es sollte weder negativ noch positiv bewertet werden», sagt Oberli.

Feminismus ist eines der zentralen Themen, die im Heft behandelt werden. «Dabei geht es uns vor allem darum, die Feminität in unterschiedlichen Facetten zu zeigen», sagt Lynn Vellacott. Weiblichkeit oder typisch weibliche Eigenschaften seien nicht Frauen vorbehalten. «Wir möchten, dass sich niemand für diese Charakterzüge schämen muss, weder Mann noch Frau», sagt Vellacott.

Ein Widerspruch

Mit ihrem Magazin wollen die beiden Frauen Tabus brechen. «Es sollen Dinge zu sehen sein, die man eigentlich nicht macht», sagt Oberli und macht beim Wort «man» mit den Händen Gänsefüsschen in die Luft. In der ersten Ausgabe von «Like a Girl» ist eine Fotostrecke zu sehen, in der Frauen oben ohne in typisch männlichen Haltungen posieren.

«Es sollen Dinge zu sehen sein, die man eigentlich nicht macht»

Auf einem Bild steht eine Frau aufrecht und wird von hinten umarmt, ohne die Zärtlichkeit zu erwidern. «Wir haben uns dafür von Parfümwerbungen mit männlichen Models inspirieren lassen», sagt Vellacott, die selbst als Model vor der Linse stand. Es sei aber gar nicht so einfach gewesen, Frauen zu finden, die sich für die Öffentlichkeit ablichten lassen. «Die Reaktionen sind meist gleich: Megamutig, dass ihr das macht. Aber ich will nicht diejenige sein», sagt Vellacott.

Deshalb sei es umso wichtiger, mit gutem Beispiel voranzugehen. «Es braucht mehr mutige Leute», sagt Vellacott. Lea Oberli stand selbst noch nie für ein Shooting vor der Kamera. «Ich weiss schon, dass ich selbst ein Widerspruch bin, weil ich eigentlich dafür kämpfe, dass man alle Körperformen akzeptiert», sagt sie.

Bis jetzt hatte sie zwar nie den Mut, sich ablichten zu lassen, mit ihren Texten und Illustrationen gibt sie ihrer Haltung jedoch Raum. «Wir wollen eine Plattform bieten, über Themen wie Feminismus, Politik, Geschichte oder Kunst zu schreiben», sagt Oberli.

Während die Studentinnen die Illustrationen und das Design ihres Magazins selbst gestalten, sind sie für Texte von anderen Autorinnen und Autoren offen. «Wenn jemand Lust hat, für uns zu schreiben, kann er oder sie sich gerne bei uns melden», sagt Vellacott.

Zurzeit seien es vorwiegend Frauen, die ihnen ihre Texte zur Verfügung stellten. «Vor allem über mehr männliche Autoren würden wir uns freuen», sagt sie weiter.

120 Exemplare

Die beiden 21-Jährigen werden oft gefragt, ob denn auch Männer ihr Heft lesen dürfen. «Wir sind kein Mädchenheft», sagt Oberli. Es gehe ihnen darum, alle anzusprechen und neue Inhalte zu liefern.

«Momentan ist es unser Hobby. Mal sehen, was noch daraus wird»


Die Idee für das Magazin kam daher, dass sich die beiden Frauen in keinem Heft am Kiosk wiederfanden. «Ich fand bei vielen Zeitschriften manches gut, aber keines entsprach mir komplett», sagt Oberli.

Dreimal jährlich erscheint «Like a Girl», das zurzeit noch in keinem Shop, dafür über die Instagram-Seite der beiden bezogen werden kann. «Wer kein Insta-Profil hat, kann uns auch eine Mail schreiben», sagt Vellacott. 120 Exemplare verkaufen sie im Schnitt. Ihre Startinvestitionen hätten sie damit aber noch nicht wieder eingenommen. «Momentan ist es unser Hobby. Mal sehen, was noch daraus wird», sagt Vellacott. Ihre Kollegin stimmt ihr zu: «Unser Ziel ist es, nicht damit aufzuhören.»

Gerade ist die fünfte Ausgabe des Hefts erschienen. Die Titelseite zieren zwei männliche Models, die grell geschminkt vor einer Skulptur posieren. «Die Themen der jetzigen Ausgabe sind Fashion, Identität und Pop-Kultur», sagt Vellacott. Es dreht sich um die Frage, inwiefern wir tragen, was wir mögen oder ob wir bloss von Trends beeinflusst werden.

«Like a Girl»: Das Magazin von Lynn Vellacott und Lea Oberli erscheint dreimal jährlich und ist auf ihrer Instagram-Seite oder per Mail erhältlich: lag.magazin@gmx.ch

Erstellt: 22.08.2019, 16:46 Uhr

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