Winterthur

«Wir stellen das Leben und Wirken der Prinzessin in Töss in den Vordergrund»

Der Gottesdienst von Katholiken und Reformierten am Sonntag dreht um das ehemalige Kloster, um Jan und um Bethli.

Das Leben der Prinzessin von Töss im 14. Jahrhundert steht im Mittelpunkt des Gottesdienst.

Das Leben der Prinzessin von Töss im 14. Jahrhundert steht im Mittelpunkt des Gottesdienst. Bild: Screenshot

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Frau Bretscher, wie kommt eine Prinzessin in den Ökumenischen Gottesdienst in Töss?
Die Prinzessin lebte im 14. Jahrhundert als Nonne im Kloster Töss. Das ehemalige Kloster ist ja im Moment wieder präsent, wegen der archäologischen Grabungen auf dem Areal der Firma Rieter und wegen dem Projekt «Heiliges Winterthur». Der katholische Pfarrer Jacek Jeruzalski schlug deshalb vor, das Kloster zum Thema des ökumenischen Familiengottesdienstes vom kommenden Sonntag zu machen. Als wir uns fragten, wie wir das Kloster den Kindern näher bringen könnten, kam uns die Idee mit der Prinzessin.

Die Geschichte von Prinzessin Elisabeth von Ungarn ist tragisch. Sie verlor früh die Eltern, ihr Stief-Grossvater wurde ermordet und sie mit 16 Jahren ins Kloster Töss gesteckt. Eignet sich diese Geschichte für einen Familiengottesdienst?
Wir probieren es (lacht). Wir haben uns mit der Geschichte auseinandergesetzt, das Buch «Der Schleier der Prinzessin» von Robert Heinrich Oehniger gelesen und uns mit der in Dättnau wohnhaften Historikerin Silvia Volkart ausgetauscht. Wir stellen nicht die Geschichte der Prinzessin in den Vordergrund, sondern ihr Leben und Wirken in Töss.

Ist den Tössemerinnen und Tössemern das Kloster noch ein Begriff, das schon Anfang des 19. Jahrhunderts der Rieter-Fabrik weichen musste?
Es gibt in Töss wahrscheinlich viele Leute, die wenig vom Kloster wissen. Für mich als Ur-Tössemerin war es immer präsent. Mein Vater und meine Mutter arbeiteten bei Rieter. Zudem spendete der Industrielle Heinrich Rieter in den 1950er-Jahren einen namhaften Beitrag an den Bau der heutigen reformierten Kirche, weil seine Firma die Klosterkirche zur Fabrik umgenutzt hat.

Wie wurde aus der Idee mit der Prinzessin die Geschichte für den Gottesdienst?
Bisher stand immer ein fertiges Bilderbuch im Zentrum. Als wir uns entschieden, diesmal eine eigene Geschichte zu erzählen, war uns klar, dass wir uns viel zumuteten. Monika Imhof erklärte sich bereit, eine Geschichte zu schreiben und Ludka Widmer, eine studierte Restauratorin, machte sich daran, Bilder zu malen. Ludka Widmer ist Polin, was darum interessant ist, weil in Polen – wo auch Pfarrer Jacek Jeruzalski herkommt – die Geschichte von Prinzessin Elisabeth nach wie vor bekannt ist, da deren Mutter aus Polen stammte.

Die Bilder werden im Gottesdienst gezeigt. Worum geht es?
Als Jan, ein Bub aus der heutigen Zeit, hört, dass es in Töss einmal eine Prinzessin gab, wird er «gwundrig». Er geht zur alten Mühle wo einst das Kloster stand. Er tritt durch die Türe der Mühle, steht plötzlich im Kloster und begegnet dem Mädchen Bethli. Diese Szene ist auf der Einladung für den Gottesdienst abgebildet. Die Bilder werden an eine Leinwand projiziert und Monika Imhof wird mit der Puppe Jan den Einstieg in die Geschichte spielen und vom Leben im Kloster erzählen.

Das steckt aber viel Arbeit in dem Familiengottesdienst!
Ja es ist ein Riesenaufwand. Aber es macht uns Freude. Wie kam es zur Zusammenarbeit von Katholiken und Reformierten in Töss?
Vor etwa 25 Jahren interessierte sich eine Gruppe von katholischen und reformierten Frauen für die Familienarbeit und wollte das Gemeinsame der beiden Kirchen suchen und bestärken. So entstand die ökumenische Familienrunde und aus dieser ganz viele Angebote. Es gab regelmässig Mittagessen mit bis zu 60 Gästen. Den Englisch-Konversationskurs zum Beispiel gibt es heute noch. Seither kam es zu vielen personellen Wechseln und die katholische Kirche hat sich leider etwas zurückgezogen. Mittlerweile hat die reformierte Kirche alle noch laufenden Projekte übernommen. Damit sind es offiziell keine ökumenische Angebote mehr, aber sie stehen weiterhin auch Katholiken offen.

Feiern Katholiken und Reformierte am Sonntag gemeinsam Abendmahl?
Nein. Es wird kein gemeinsames Abendmahl geben. Wir wollen niemandem Hürden in den Weg stellen. Alle sollen an dem Familiengottesdienst teilnehmen und anschliessend die Angebote der Begegnung nutze können.

«Die Prinzessin von Töss», Ökumenischer Familiengottesdienst, Sonntag, 10. November, 10 Uhr, Katholische Kirche St. Josef, Nägelseestrasse 46. Mit dem ökumenischen Kinder- und Jugendchor Corolino. Anschliessend Spaghetti-Plausch im Pfarreizentrum.

Erstellt: 08.11.2019, 14:12 Uhr

Verena Bretscher hilft seit 25 Jahren mit, den Familiengottesdienst vorzubereiten.Foto: PD.

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