Zum Hauptinhalt springen

«Wir versuchen, den dementen Menschen dort abzuholen, wo er gerade ist»

Vor zehn Jahren wurde das Altersheim in der alten Villa auf dem Heiligberg in ein Wohnheim für Menschen mit Demenz umgewandelt. Am Samstag ist Tag der offenen Tür.

In der alten Villa werden Menschen mit Demenz betreut.
In der alten Villa werden Menschen mit Demenz betreut.
Marc Dahinden

m Mittelpunkt stehe der Mensch mit seiner Lebensgeschichte, seinen Bedürfnissen und seinen Erwartungen, heisst es im Leitbild des Wohnheims. Dass das nicht nur schöne Worte sind, spürt man sofort, wenn man das Haus betritt. In den getäferten Räumen herrscht eine liebevolle Atmosphäre. Im Entree, das als Aufenthaltsraum dient, legt gerade eine junge Pflegerin mit Rossschwanz einem Herrn im Rollstuhl, der sehr unruhig wirkt, ihre Hand auf den Arm und setzt sich neben ihn. Sanft redet sie mit ihm, der Mann entspannt sich sichtlich. Tigi, die Heimkatze, dreht vor den beiden eine Runde und entschliesst sich, in den Essraum zu gehen. Dort sitzen zwei Bewohnerinnen am Tisch und schälen Rüebli fürs Mittagessen. Jeder Handgriff sitzt, wahrscheinlich haben die beiden Frauen das in ihrem Leben schon tausendmal gemacht. Das Gemüse hat ihnen der Koch gebracht, wie alle anderen Arbeitskräfte im Haus ist auch er besonders im Umgang mit Menschen mit Demenz geschult. «Niemand macht hier nur einfach seinen Job, alle Mitarbeitenden ziehen am gleichen Ende des Stricks», sagt Pflegedienstleiterin Margaretha Furrer. Zusammen mit Heimleiter Philippe Delannoy führt sie den Sonnenberg, dessen Träger die Stiftung Hülfsgesellschaft Winterthur ist: «Wir haben beide die gleiche Philosophie.» Eines der Zauberworte im Umgang mit Dementen heisst integrative Validation. Das bedeutet, dass man sich in die Lage des Menschen versetzt und versucht, ihn zu verstehen. «Wenn jemand mitten in der Nacht aufsteht und meint, jetzt sei es Zeit zum Mittagessen, dann bekommt er etwas zu essen», sagt Philippe Delannoy. «Wir streiten nicht mit ihm oder versuchen zu erklären, dass jetzt Nacht ist. Im Kühlschrank stehen für solche Fälle immer kleine Portionen parat, die jederzeit warm gemacht werden können. Wir versuchen nicht, den Filmriss zu flicken, sondern die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade sind.» «Wenn beispielsweise jemand sehr aufgeregt ist, weil er unbedingt zum Bahnhof oder zum Einkaufen will, dann macht sich halt jemand mit ihm auf den Weg», sagt Furrer. Spätestens am Parkausgang würden die meisten dann eh umkehren, weil es zu anstrengend oder zu unbekannt sei: «Wir sind da für unsere Bewohner; wenn es für sie stimmt, stimmt es auch für uns.»

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.