Auswandern

«Wir wollen mehr Sonne und Meer»

Erst vor Kurzem haben sie die Gastro-Szene Winterthurs mit aufgemischt. Jetzt zieht es die Köchin Tamara Nietlispach und den Pizzaiolo Paolo Sommavilla weiter, an einen wärmeren Ort. Zukunftsängste kennen die beiden nicht.

Paolo Sommavilla und Tamara Nietlispach im «Les Wagons». Sie kocht hier noch bis Ende Monat.

Paolo Sommavilla und Tamara Nietlispach im «Les Wagons». Sie kocht hier noch bis Ende Monat. Bild: Johanna Bossart

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Sie arbeiten im Kern der jungen Winterthurer Gastro-Szene, und sie sind ein Paar: Er, Paolo Sommavilla (28) ist Pizzaiolo im «Don Camillo»; sie, Tamara Nietlispach (31), ist Köchin im «Les Wagons» auf dem Lagerplatz. Jetzt allerdings, nach eineinhalb Jahren in Winterthur, werfen die beiden das Handtuch. Im April wandern sie aus nach Valencia. «Wir wollen mehr Sonne und Meer», sagt Sommavilla, der heute in Winterthur zum letzten Mal am Holzofen steht.

Ein Beruf für Weltenbummler

Die Anziehungskraft des Mittelmeers ist nicht einzige Grund für die beiden, die Stadt zu verlassen. «Ich wollte schon immer einmal im Ausland arbeiten», sagt Nietlispach. Die 31-Jährige mag Sprachen und andere Kulturen. «Und mit Paolo habe ich meinen perfekten ‹partner in crime› gefunden», sagt sie und lacht. Für Sommavilla ist das Auswandern und Umsiedeln nichts Neues. Der 28-Jährige ist in Norditalien aufgewachsen, in Bergamo, und hat seine Stellen bisher mindestens einmal jährlich gewechselt. «Im Don Camillo hatte ich meine bisher längste Anstellung», sagt er.

«Natürlich werden wir streiten und auch mal die Welt hassen»

Das Herumziehen sei man sich als Pizzaiolo gewöhnt. «Das gehört dazu, das weiss auch meine Familie in Bergamo», sagt Sommavilla. Zwar habe seine Mutter gehofft, dass er und seine Freundin sich für seine alte Heimat entscheiden würden, wenn sie schon in den Süden wollten. «Sie war vielleicht ein bisschen enttäuscht», sagt er. «Aber jetzt ist sie sowieso beschäftigt: Die Frau meines Bruders erwartet Zwillinge.»

Eine eigene Familie ist für Sommavilla und Nietlispach im Moment kein Thema. «Deshalb probieren wir das Auswandern ja auch jetzt und verschieben es nicht auf später», sagt er. Ein Paar sind sie seit zwei Jahren.

Boom-Stadt am Mittelmeer

Wie viele andere, haben sie sich bei der Arbeit kennengelernt, in der Küche eines Zürcher Restaurants. Sie wüssten, dass sie zusammen funktionierten, sagt Sommavilla. «Wir sind aber nicht naiv. Natürlich werden wir streiten und auch mal die Welt hassen, weil in einem Moment einfach nichts klappen will», sagt sie. «Aber wir wissen auch, dass wir damit umgehen können.»

In Valencia, dem Ziel ihrer Auswanderung, waren die beiden noch nie. Trotzdem haben sie sich nicht leichtfertig für die Stadt entschieden. «Valencia sagt man für die nächsten drei Jahre einen Wirtschaftsboom voraus», sagt Nietlispach. Zudem habe ihr das spanische Konsulat mitgeteilt, dass es ziemlich realistisch sei, dort als Koch innert drei Monaten eine Stelle zu finden. «Und sonst gehen wir eben für einen Tag über die Grenze, damit unsere Touristenvisa für Spanien erneuert werden», sagt sie.

In Valencia pulsiert das Leben nicht nur saisonal, sondern das ganze Jahr über. «Es gibt mindestens 300 Sonnentage im Jahr, und weil es immer windet, ist es nie mehr als 40 Grad», sagt sie – eine Feststellung, die auch auf ihren Partner gemünzt ist. Sommavilla hat in der Schweiz die kalten Winter nicht gut vertragen. «Ich war ständig krank», sagt er. Als Pizzaiolo arbeite er immer bei ungefähr 40 Grad und trinke zehn Liter Wasser pro Tag. «Im Winter habe ich mich erkältet, weil ich nach der Arbeit mit einem Temperatursturz von mindestens 40 Grad klarkommen musste.» Auch deshalb arbeite er lieber im Sommer.

Ganz ohne Wehmut verlässt das Paar Winterthur aber nicht. Beide mögen ihre Stelle sehr und haben hier Freunde gefunden. «Irgendwann kommen wir zurück», sagt Nietlispach, die in Luzern aufgewachsen ist. In Valencia geben sich die beiden eine Probezeit von einem halben Jahr. Das Ziel sei natürlich, zu bleiben.

Schulterzucken

Haben sie keine Existenz- oder Zukunftsängste? Sommavilla und Nietlispach machen ein gelangweiltes Gesicht. «Das bringt doch nichts», meint sie, und er zuckt mit den Schultern. «Falls es nicht funktioniert, ändern wir den Plan», sagt sie. Und er sagt: «Wir haben Glück, sie ist so herzlich, sie findet überall gleich Anschluss.» Natürlich werde es Leute geben, die Angst hätten, dass sie als Ausländer den Einheimischen die Arbeit wegnehmen könnten. «Wir müssen Valencia halt von uns überzeugen», sagt Nietlispach, und es klingt wie ein Kinderspiel.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.03.2017, 14:45 Uhr

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