Winterthur

«Wir zelebrieren hier die Vertikale»

Im Interview erklären die Geschäftsführer des neuen Lokals im Roten Turm, warum «Wald und Wiese» auf dem Teller funktioniert und was ihre Küche auslösen soll.

Samuel Frey (rechts) und Marco Nisoli eröffnen diesen Sommer im obersten Stockwerk des Roten Turms die  Restaurant-Bar Fritz Lambada. Das Interieur wird komplett neu gestaltet, «schlicht und puristisch».

Samuel Frey (rechts) und Marco Nisoli eröffnen diesen Sommer im obersten Stockwerk des Roten Turms die Restaurant-Bar Fritz Lambada. Das Interieur wird komplett neu gestaltet, «schlicht und puristisch». Bild: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit dem Fritz Lambada wollt Ihr den Roten Turm wachküssen und die lokale Gastroszene aufrütteln. Wie kam es zum Projekt?
Samuel Frey: Marco und ich spielten schon etwa zwei Jahre mit dem Gedanken, gemeinsam etwas aufzuziehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber es sollte etwas Spezielles sein. Als uns im letzten Frühling zu Ohren kam, dass die Location im Roten Turm frei wird, trafen wir uns auf einen Kaffee und wälzten die ersten Ideen.

Marco Nisoli: Ein Lokal in 90 Metern Höhe mit Blick auf die Stadt, das ist speziell, definitiv. Anfangs dachten wir an einen reinen Barbetrieb, geplant mit kleinen Snacks aus der Küche.

Wann stiess der neue Küchenchef Simon Schneeberger dazu?
Frey: Er ist ebenfalls ein Winterthurer und ist seit Anfang Jahr mit im Boot. Da arbeitete er aber noch immer als Küchenchef in Kopenhagen. Mit ihm wurde das Essen in unserem Konzept natürlich wieder zentraler.

Die neue nordische Küche?
Nisoli: Ja, dessen Prinzip «Regional, Häppchen, experimentell, gemüselastig» wird unser Angebot sicher prägen. Ständig und à la carte wird es aber nur die Häppchen geben. Ansonsten bieten wir alle zwei Wochen je einen neuen 3- und 5-Gänger an.

5-Gänger? Das tönt sehr feudal.
Frey: Gar nicht, es geht um die ­Abwechslung auf dem Teller und darum, die Experimentierfreude anzuregen, auch bei unseren Gästen. Preislich bewegen wir uns im Mittelfeld.

Mit Wurzeln, Blüten, Holz und Samen wird im Norden abgeschmeckt. Funktioniert das auch im Rösti- und Raclette-Land?
Nisoli: Es ist neu und damit schon mal interessant. Wir spüren grundsätzlich auch in Winterthur eine sehr grosse Offenheit und Neugierde gegenüber neuen Gastroideen und -konzepten. Nehmen wir das Les wagons auf dem Lagerplatz, das von Anfang an sehr gut lief ...

… und vor allem sehr viel Bescheidenheit ausstrahlt ...
Frey: Das Fritz Lambada wird definitiv kein abgehobener Yuppie- oder Hippsterschuppen, aber speziell. Keine Angst, wir sind schön geerdet, auch wenn wir im 23. Stock wirten. Jeder ist willkommen. Wir gehen hier zwar ein gewisses Risiko ein, aber nehmen das Ganze nicht so bierernst. Diese Botschaft soll auch der Name transportieren.

Nisoli: Wir sind nur insofern exklusiv, als wir etwas Neues bieten. Neben dem Clouds im Zürcher Prime Tower sind wir schweizweit eines der ganz wenigen Lokale im obersten Stockwerk eines Hochhauses, zu Fuss in wenigen Minuten von der Altstadt erreichbar.

Was wird es denn nun? Bar? Restaurant? Club?
Nisoli: Bar- und Restaurantbetrieb gehen ineinander auf. Man kann an der Bar essen oder am Tisch mit Gedeck. Es wird auch mal etwas lauter werden und vielleicht ein paar DJ-Sets geben. Stier wird es hier oben jedenfalls nicht. Das Lokal soll leben und lange geöffnet sein, aber ein Club? Nein, das nicht.

Frey: Auch mit unseren Drinks und Getränken werden wir etwas abheben, mit schwachen oder ungeschwefelten Naturweinen zum Beispiel: Nicht so teuer wie Champagner, aber geschmacklich genau so interessant. Aber wir bleiben flexibel. Floppt das Konzept, passen wir es an.

Wie wird die neue Einrichtung? Nordisch-kühl?
Nisoli: Puristisch-schlicht auf jeden Fall. Bei den Materialien und am Farbkonzept müssen wir uns alle noch etwas finden. (grinst)

Frey: Aber es wird sicher radikal anders als heute. Nächsten Montag fängt der Umbau an. Wir reissen alles raus, bis auf den Grundausbau, und strukturieren den Raum komplett neu.

Nisoli: Bar und Küche bilden einen langen Riegel, mit halb offener Küche, sodass man bei der Anrichte zusehen kann. Dann ziehen wir im vorderen Bereich über der Bar einen Zwischenboden für das Fumoir ein. Im unteren Teil der ausgetischten Ebene zelebrieren wir nochmals die Vertikale und schaffen einen sieben Meter hohen Raum.

Gibt es weitere Gastroideen aus Dänemark oder Skandinavien, die einfliessen?
Frey: Nicht direkt. Offenbar aber ist die Begeisterung und das Interesse am Essen, an Qualität, neuen Produkten und Kreationen et cetera dort drüben besonder ausgeprägt. Auch die Jungen ernähren sich oft sehr bewusst und setzen sich mit dem Essen auseinander. Diesen Funken wollen auch wir zum Zünden bringen, unter anderem mit offenem und gut geschultem Personal. Die Crew ist so gut wie komplett. (Der Landbote)

Erstellt: 29.04.2016, 21:41 Uhr

Chefkochs Abstecher nach Kopenhagen

Simon Schneeberger bringt im «Fritz Lambada» die Neue Nordische Küche nach Winterthur

Chefkoch und Mitglied der Geschäftsführung des «Fritz Lambada» wird der Winterthurer Simon Schneeberger (31). In Winterthur kochte er in der Akazie, war Küchenchef im Zürcher Rosso und arbeitete zuletzt in der Wetziker Räucherei «Das Pure», die sich mit ihrer Küche mit Schlachtnebenprodukten und Innereien wie Leber und Herz einen Namen machte.

2014 ging Schneeberger nach Kopenhagen, wo er sich in verschiedenen Restaurants in die «Neue Nordische Küche» einführen liess. Kurz: regional, viel Fisch und Meeresfrüchte, saisonal, einfach, aber experimentell mit Beeren, Blüten, Wurzeln und Samen. «Unsere Küche wird gemüselastig, aber es gibt auch Fleisch ‹from nose to tail›. Alles wird verarbeitet», sagt Schneeberger. In Sternequalität, aber im mittleren Preissegment will er kochen. In Kopenhagen machte er unter anderem im Noma ein Praktikum, das von der Fachpresse viermal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde.

Schneeberger, Samuel Frey und Marco Nisoli teilen sich die Geschäftsleitung. Frey und Nisoli übernehmen vor allem das Management. Diesen Sommer ist Eröffnung.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare