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Wo all die verlorenen Gegenstände landen

Sandra Loosli weiss, was die Leute verlieren. Handys, Klarinetten und Beinprothesender, sie hat alles schon gesehen.

Sandra Loosli mit dem Kasten voll verlorener Schlüssel.

Sandra Loosli mit dem Kasten voll verlorener Schlüssel. Bild: Heinz Diener

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«Das Kurioseste, was jemals bei uns auf dem Fundbüro gelandet ist, war eine Beinprothese, die der Finder in einem Gebüsch hinter dem Spital gefunden hatte. Später stellte sich heraus, dass sie einer Frau gehörte, die inzwischen verstorben war. Vielleicht wollte sie jemand günstig entsorgen und hat sie einfach ins Gebüsch geworfen. Stellen Sie sich das einmal vor!

Ansonsten bekommen wir um einiges normalere Gegenstände: Schlüssel, Portemonnaies oder Handys haben wir am häufigsten. Auch Velos stehen oft bei uns, denn seit Anfang 2018 sind wir für die Verwaltung der Veloordnung zuständig. Die Velos, die die Polizei eingezogen hat, weil sie zum Beispiel zu lange in der 48-Stunden-Zone abgestellt wurden, können bei uns wieder abgeholt werden. Funktionstüchtige Velos, die von niemandem mehr geholt werden, versteigern wir auf Ricardo oder spenden sie an die Hilfsorganisation «Velafrica».

«Leider wissen immer noch die wenigsten, dass das Fundbüro seit November 2016 durch die Brühlgut Stiftung geführt wird und sich hier an der Klosterstrasse 17 befindet.»

Der wertvollste Gegenstand, den wir je hatten? Da muss ich kurz überlegen, also sicher wertvoll ist diese Klarinette, die seit einer Weile bei uns im Büro auf ihre Besitzerin wartet. Ich habe in einem Musikgeschäft nach ihrem Wert gefragt – fast 4000 Franken kostet die! Auch Geld bekommen wir. Ja, es gibt durchaus Leute, die gefundene Geldbeträge bei uns vorbeibringen. Sehr oft gehen die Leute mit gefundenen Sachen aber zuerst zur Polizei. Leider wissen immer noch die wenigsten, dass das Fundbüro seit November 2016 durch die Brühlgut Stiftung geführt wird und sich hier an der Klosterstrasse 17 befindet. So kam ich nämlich auch zu meinem Job: Erst arbeitete ich noch im Café Wyden der Stiftung, danach in der Wäscherei und seit drei Jahren eben im Fundbüro, zusammen mit zwei Kollegen.

Wenn ein verlorener Gegenstand seinen Weg doch zu uns findet, tragen wir ihn, sagen wir zum Beispiel eine Perücke, im Online-Fundbüro «Easyfind» ein. Bestenfalls hat die Perückenbesitzerin ihren Verlust ebenfalls dort gemeldet – so sehen wir die Übereinstimmung und können Perücke und Besitzerin wieder zusammenbringen. So einfach kann es sein. Auf diesem Weg konnten wir bereits ein Handy und eine Handtasche, die zu uns gebracht wurden, wieder vermitteln.

« Das ist es, was ich den ganzen Tag mache. Verlorene Gegenstände entgegennehmen, erfassen, Besitzer suchen, Besitzer kontaktieren, Besitzer glücklich machen.»Source

Noch schneller geht es, wenn eine ID dabei liegt, dann können wir den Besitzer ganz einfach kontaktieren. Mit Handys ist das schwieriger geworden: Nach den neuen Regeln des Datenschutzes bekommen wir keine Auskunft mehr, wem das Handy gehört. Das ist es, was ich den ganzen Tag mache. Verlorene Gegenstände entgegennehmen, erfassen, Besitzer suchen, Besitzer kontaktieren, Besitzer glücklich machen.

Das ist es auch, was mir an diesem Job so gefällt: Mal abgesehen vom Überraschungseffekt – was bekommen wir wohl heute? – freue ich mich über die Reaktion der Leute, wenn sie etwas Verlorenes wiederfinden. Einmal hat uns ein Mann einen Champagner gebracht, weil er so dankbar war, dass wir sein Handy hatten. Das Gegenteil kenne ich aber auch: Ich wurde schon am Telefon angeschrien, weil ich jemandem nicht weiterhelfen konnte.»

Fundbüro Brühlgutstiftung, Klosterstrasse 17, (im Eingangsbereich) Tel. 052 208 13 98, fundbuero@bruehlgut.ch, www.bruehlgut.ch

Erstellt: 17.10.2019, 15:47 Uhr

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