Immobilien

Wo die Stefanini-Stiftung Land besitzt

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte besitzt in der Stadt nicht nur viele Liegenschaften.

Die Stefanini-Stiftung könnte in Wülflingen, Iberg und in Seen bauen, zum Beispiel auf der Parzelle zwischen Waldegg- und Heinrich-Bosshard-Strasse.

Die Stefanini-Stiftung könnte in Wülflingen, Iberg und in Seen bauen, zum Beispiel auf der Parzelle zwischen Waldegg- und Heinrich-Bosshard-Strasse. Bild: Till Hirsekorn

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Dass Bruno Stefanini ein exzentrischer Sammler von Preziosen, Kunst und Krempel ist allgemein bekannt. Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) inventarisiert das Mega-Konvolut von schätzungsweise 80'000 Stücken gerade. Was man auch weiss ist, dass Stefanini über die Jahre als Immobilien-Tycoon schweizweit ein Imperium schuf, mit Schlössern, aber vor allem mit Mehrfamilienhäusern.

Alleine in Winterthur liegen über 200 «Stefanini-Häuser», verteilt über die ganze Stadt. Was allenfalls weniger Leute wissen: Stefanini investierte auch viel Geld in Land, in unbebaute Grundstücke, von kleinen Spickeln bis zu weitläufigen, teils gut gelegenen Landstücken in der Wohnzone. Und im Grünen kaufte er Wald, Bauernhöfe und Äcker.

Diese Karte zeigt, wo die SKKG in Winterthur Land besitzt. Klicken Sie auf die Symbole, um mehr zu erfahren. Für eine seitenfüllende Kartenansicht klicken Sie hier...

80 Prozent der Grundstücke liegen im Kanton Zürich, davon knapp die Hälfte in der Stadt Winterthur. Eine unvollständige Übersicht zeigt, wo die SKKG in Winterthur dereinst bauen könnte - und welches Land sie aus rechtlichen Grünen bald verkaufen muss.

Drei Goldgruben...

Stadtweit liegen fünf grössere unbebaute Grundstücke in der Wohnzone, drei davon in Seen. Dort liegt das meiste Potenzial brach, zum Beispiel am Fusse des Sonnenbergs. Zwischen Bahngleisen und Landvogt-Waser-Strasse erstreckt sich eine Wiese beinahe so gross wie zwei Fussballfelder.

Mit über 17'000 Quadratmeter die grösste Parzelle in der Wohnzone: Die Wiese unterhalb der Landvogt-Waser-Strasse. Bild: hit

Dort hätte eine mittelgrosse neue Wohnsiedlung mit drei-geschossigen Mehrfamilienhäusern Platz. Gelegen wäre sie zwar nur mittelmässig (Lageklasse 4 von 7), aber die Nachfrage nach günstigem Wohnraum ist bekanntlich gross.

Ruhiger gelegen (Lageklasse 3), aber nur einen Bruchteil so gross, ist die Parzelle Ecke Waldegg-/Heinrich-Bosshard-Strasse, mitten im Wohnquartier. Platz hätte es dort für mindestens drei Wohnblöcke.

Abgeschieden-idyllisch wiederum ist das rund 5000 Quadratmeter grosse Landstück in der Aussenwacht Iberg gegenüber der Reihenhaussiedlung an der Mulchlingerstrasse: Lageklasse 3! Möglich wären in dieser zweigeschossigen Wohnzohne ebenfalls Reihenhäuser.

...zweimal B-Klasse

Zwei Grundstücke in der Wohnzone fallen aufgrund ihrer Lage etwas ab. Noch eher attraktiv (Klasse 4), da recht zentral, ist eine etwa 100 Meter langes und 50 Meter breite Parzelle in Oberwinterthur, gleich hinter der Migros beim Römertor. Dazu gehören der Parkplatz und der angrenzende Teil an verbuschtem Land. Möglich wären auch hier dreigeschossige Wohnblöcke.

Lageklasse 5, da an der Autobahneinfahrt gelegen: Das Grundstück am Maienriedweg. Bild: hit

So auch am Rande Wülflingens auf einem gut 9000 Quadratmeter grossen, aber als fünftklassig eingestuften Stück Land zwischen dem Maienriedweg und der Salomon Hirzel-Strasse. Die Wiese ist am Fusse eines kleinen Hanges gelegen, eingegrenzt von einer hohen Lärmschutzwand. Direkt nebenan liegt die Einfahrtsschlaufe zur Autobahn. Die zweite Hälfte des Landstreifens entlang der Salomon Hirzel-Strasse ist ebenfalls unbebaut. Sie gehört der Stadt Winterthur.

...und viel Landluft

Neben den erwähnten Grundstücken mitten in der Wohnzone, hat Bruno Stefanini auch Gehöfte, Ackerland und Wald am Stadtrand gekauft, teilweise mitten im ländlichen Idyll. Zwei eher unspekakuläre Beispiele befinden sich in Wülflingen. Zum einen ein Streifen Ackerland an der Wülflingerstrasse auf Höhe Strickhof, zum andern zwei Blätze stadtauswärts entlang der Riedhofstrasse, im Lantig, auf Höhe der Pünten beim Sporrer.

Hübsch gelegen ist der Munti-Hof, ein sympatischer kleiner Bauernhof am Ortsrand von Seen, den man zur rechten Hand sieht, wenn man das Quartier über die Bollstrasse in Richtung Ganzenbühl verlässt. Zum Hof gehört auch ein kleines Stück Land.

Das grösste zusammenhängede Landstück besitzt die Stefanini-Stiftung im Weiertal entlang der Rumstalstrasse. Eine über sieben Hektar grosse Wiese schmiegt sich um den Kulturort Weiertal herum, wo jedes Jahr eine Skulpturen-Ausstellung stattfindet.

Wunderschön gelegen, aber in der Landwirtschaftszone, um muss daher bald verkauft werden: Das Grundstück im Weiertal. Bild: hit

Doch damit nicht genug. Der Stöcklirüti-Bauernhof samt kleinem Gestüt oberhalb des angrenzenden Rebbergs gehört ebenfalls der Stiftung, von wo sich ein wunderbares Panorama über das Rumstal und in Richtung Neuburg auftut. Und auf dem Waldhügel, auf dem die Ruinen des Kloster Beerenbergs liegen, erstreckt sich das Stefanini-Gebiet auf über 16 Hektare.

Der Stöcklirüti-Hof mit kleinem Pferdegestüt, hoch über dem Weiertal. Bild: hit

Ihr Landwirtschaftsland muss die SKKG alsbald verkaufen. Denn gemäss bäuerlichem Bodenrecht, muss der- oder diejenige, die landwirtschaftlich genutztes Land erwirbt, dieses auch selber bewirtschaften. Mit dem Übertrag von Stefaninis Privatbesitz gingen auch Äcker und Höfe an Stiftung. Doch diese hat bekanntlich einen anderen Zweck als zu bauern, sondern namentlich «abendländische, insbesondere der schweizerischen Kunst-, Kultur- und Geschichtswerte» zu pflegen.

Dass auf den fünf grösseren und kleineren Parzellen in der Wohnzone bald gebaut wird, ist unwahrscheinlich. Die Terresta, bei der Stiftung zuständig für das Immobilien-Portfolio, fährt eine andere Strategie. Zunächst werden die bestehenden Liegenschaften renoviert, prioritär ganze Siedlungen wie diejenige an der Burgstrasse in Wülflingen, aber auch einzelne Häuser in der Altstadt. Dafür will die SKKG laut eigenen Angaben in den nächsten zehn Jahren rund 400 Millionen Franken investieren.

Wohlwend wollte Überblick

Bruno Stefanini hatte während seiner Lebzeiten Immobilien und Grundstücke verteilt über das gesamte Stadtgebiet gekauft. Da schienen auch die Behörden den Überblick irgendwann verloren zu haben. 2009 bestellte der damalige Stadtpräsident beim Vermessungsamt deshalb höchstpersönlich eine Übersichtskarte, die auch dem Landboten vorliegt. «Verwendungszweck: Persönlicher Gebrauch für Stadtpräsident Ernst Wohlwend.» Rückblickend erklärt Wohlwend: «Wir brauchten einen Gesamtüberblick, um die Stadtentwicklung planen zu können. Wer ist bei welchen Immobilien und Landreserven der Ansprechpartner? Das wollten wir wissen. Vorher diskutierten wir im luftleeren Raum, und es kursierten viele Gerüchte.»

Baufällige Stefanini-Häuser in der Altstadt mit gefährlich lottrigen Dachziegeln seien damals ein grosses Thema gewesen. Doch der damalige Bausekretär Fridolin Störi habe Bruno Stefanini letztlich überzeugen können, zumindest einige Dächer neu decken zu lassen.

Erstellt: 11.02.2020, 17:42 Uhr

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