Städtebau

Wo ist Winterthur dicht, und wo nicht?

Ein Online-Tool des kantonalen Statistikamtes zeigt auf, wo das Verdichtungspotenzial in der Stadt am grössten ist. Zwei Quartiere stechen aus unterschiedlichen Gründen heraus, doch der neue Stadtbaumeister relativiert.

Viel Verdichtungspotenzial:  Seen und Mattenbach, von der (bald überbauten) Florenstrasse aus gesehen.

Viel Verdichtungspotenzial: Seen und Mattenbach, von der (bald überbauten) Florenstrasse aus gesehen. Bild: mad

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Erhalten, entrümpeln, verdichten. Diese drei Aufgaben hat eine europäische Stadt im 21. Jahrhundert, so zumindest brachte es der Architekt und emeritierte ETH-Professor Vittorio Lampugnani auf den Punkt. Verdichten, das heisst, Siedlungen um- statt auszubauen. Und für eine Grossstadt ist Winterthur tatsächlich nicht ganz dicht.

Mit 22 600 Kubikmeter überbaute Bauzone pro Hektare lag die Garten- und Einfamilienhäuschenstadt 2016 zwar klar über dem kantonalen Schnitt. Doch Schlieren, Dietikon und Wallisellen sind dichter gebaut, die Stadt Zürich sowieso. Mit dem zweiten modernen Stadtzentrum Neuhegi wird Winterthur in den nächsten Jahren nochmals verdichtet (2006-2016: +13,5 Prozent).

Doch in welchen Quartieren sonstwo ist das Um- und Neubaupotenzial am höchsten? Ein Blick auf eine interaktive Karte des kantonalen Statistikamtes zeigt wenig überraschend: Vor allem entlang der Siedlungs- und Stadtränder, dort, wo heute Pünten stehen, wie an der Unteren Vogelsangstrasse.

Seen rot, Mattenbach blau, je dunkler, desto höher das Verdichtungspotenzial. Gemäss Online-Tool des Statistik-Amtes wäre Seen vor allem von der aktuellen Nutzung geeignet, Mattenbach von der Struktur her.

Besonders günstig, das zeigt die sogenannte Potenzialhinweiskarte an, wären die Bedingungen beispielsweise auch entlang der Mattenbach- und Endlikerstrasse, in Veltheim entlang der Rütihofstrasse oder in Seen entlang der Etzberg und Arbergstrasse.

Warum? Weil dort die Baulandreserven vergleichsweise hoch sind und der sogenannte Dichte-Nutzungs-Grad wiederum tief ist. Das Gebiet gilt als potenziell unternutzt.

Seen rot, Mattenbach blau

Ein zweiter Indikator, mit dem das Tool neben dem Dichte/Nutzungs-Grad arbeitet, ist die Struktur eines Quartiers: Je höher der Anteil alter Häuser und älterer Bewohner und je tiefer gleichzeitig der Anteil Eigentumswohnungen und Haushalte mit Schulkindern, desto besser die Voraussetzungen, Häuser abzureissen und neu zu bauen.

Winterthur wird sich in den nächsten Jahrzehnten hauptsächlich auf bereits überbautem Gebiet weiterentwickeln.

Auf der Online-Karte zerfällt Winterthur in einen rot-blauen Flickenteppich. Rot steht für Dichte/Nutzung, blau für die Struktur. In zwei Quartieren scheint allerdings auf grösseren Flächen doppelt Potenzial vorhanden zu sein. In Seen vor allem wegen der Nutzung, in Mattenbach wegen der Struktur (siehe Grafik oben).

Was auch klar ist, dass Winterthur in den nächsten Jahrzehnten hauptsächlich auf bestehendem überbautem Gebiet weiterentwickeln wird. So schreibt es das revidierte Raumplanungsgesetz und die kantonale Raumplanungsstrategie vor.

«Quartiere sind heterogen»

Auch die Winterthurer Stadtplaner nutzen die digitale Potentialhinweiskarte. Der neue Stadtbaumeister Jens Andersen warnt jedoch vor Verallgemeinerungen. Die Aussagekraft des Tools sei beschränkt, weil es beispielsweise Sanierungen älterer Gebäude nicht berücksichtige.

In Mattenbach zum Beispiel seien im Talgut- oder Eisweiherquartier ganze Strassengevierte bereits renoviert worden. Und in Seen sei der Ausbaugrad in Arealüberbauungen wie am Etzberg oder der Waserstrasse schon heute sehr hoch. Andersen betont: «Beide Quartiere sind grossräumig und heterogen.»

Wo Winterthur bis 2040 wachsen soll und wird, eruieren die Stadtplaner bis im Sommer 2018. Eine Fachgruppe setzt mit «raumrelevanten Themen» die Prioritäten. Darauf und auf Basis der bipolaren Stadt baut später die Testplanung externer Projektteams auf, die bis im Sommer 2019 läuft.

Ein aktuelles Beispiel für Verdichtung ist ein Neubau in der Breite, wo bald ein Einfamilienhaus abgerissen und ersetzt wird (siehe Kasten rechts).

(Der Landbote)

Erstellt: 22.11.2017, 12:02 Uhr

Verdichtung im Breite-Quartier

Wohnungen ersetzen Einfamilienhaus

Das Breite-Quartier wäre gemäss Online-Tool des statistischen Amtes vor allem aufgrund seiner Struktur für eine Verdichtung geeignet, mit seinen eher älteren Einfamilienhäusern, älteren Bewohnern, tiefen Anteil an Eigentumswohnungen und wenige Haushalten mit Schulkindern.

An der Hochwachtstrasse 29, unweit der Stadtgärtnerei entfernt, wird wohl bald ein Einfamilienhaus mit Anbau aus den 1950ern abgerissen. Es wird um zwei zweistöckige Mehrfamilienhäuser mit je drei Wohnungen ersetzt.

Damit verdoppelt sich der Ausbaugrad, und mit dem künftigen Bauvolumen von total 2100 Kubikmetern wird die maximale Ausnützungsziffer (in Prozent) praktisch erreicht. «Heute geht man bei Neubauten praktisch immer an die obere Grenze», sagt der zuständige Architekt. Dies, im Sinne einer massvollen inneren Verdichtung. Ein weiterer Faktor ist die höhere Rendite.

Locker angeordnet sind die zwei neuen Mehrfamilienhäuser aber gleichwohl und schliessen damit direkt an die Siedlung an der Hochwachtstrasse an.

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