Wülflingen

Wülflinger zahlen selber für den «gestohlenen» Brunnentrog

Gross war der Ärger, als der Nebentrog eines Brunnens im letzten Jahr zerbrach und die Stadt ihn nicht ersetzen liess. Nun ist der Ersatz bestellt – finanziert mehrheitlich von Anwohnern.

Beim Ersatz des alten Quartierbrunnens an der Wieshofstrasse  sparte die Stadt den angesetzten Sudeltrog weg (im Bild der neue Brunnen). Nun wird der Nebentrog nachträglich ergänzt, weil die Ortsansässigen bereit sind, 80 Prozent der Kosten selber zu übernehmen.

Beim Ersatz des alten Quartierbrunnens an der Wieshofstrasse sparte die Stadt den angesetzten Sudeltrog weg (im Bild der neue Brunnen). Nun wird der Nebentrog nachträglich ergänzt, weil die Ortsansässigen bereit sind, 80 Prozent der Kosten selber zu übernehmen. Bild: Marc Dahinden

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Es tönt nach einer Dorfposse, und ist doch eine hochpolitische Angelegenheit – nennen wir es politisches Theater. Der Plot: Die Stadt spart und will nicht zahlen, sodass am Ende die Bürger ins eigene Portemonnaie greifen. Im ersten Akt des Schauspiels zerbricht der Nebentrog des weit über 100-jährigen Quartierbrunnens, als er abtransportiert wird. Die Stadt, die das alte Werk durch ein neues austauschen will, stellt nur einen Haupttrog hin, den Nebentrog schenkt man sich. Auftritt wütende Anwohner: Brunnenklau! Grosses Drama dann im zweiten Akt: Immer trifft es uns, schreit das Volk von Wülflingen und erzählt vom Diebstahl der Sitzbänke an der Hohfurristrasse. Das Volk lügt, schimpft der Mann von Stadtwerk, und der Herr von der Denkmalpflege sagt: Was kümmerts mich, der Brunnen ist doch nicht geschützt.

Am Ende jedoch – haben sich alle wieder lieb. Das Volk steckt Geld in einen Topf, die Stadt­oberen tun auch noch etwas dazu und der Steinmetz beginnt mit seiner Arbeit. Vorhang fällt.

Ortstypisch oder bunt ­zusammengewürfelt?

15 000 Franken kostet der neue Trog, der im Frühling an der Wieshofstrasse 25, vom Frohsinnareal gesehen jenseits der Eulach, in den Ausmassen des Vorgängerwerks aufgestellt wird. Gegen 12 000 Franken haben Anwohner, Ortsverein und das Wülflinger Forum gespendet, berichtet Werner Stahel, Vorstandsmitglied des Letzteren, der Stadtrat sprach eine Summe von 3000 Franken. Ebenfalls bezahlt die Stadt den Unterhalt, sprich die Reinigung des Nebentrogs, der nach der Erstellung ganz in den Besitz der Stadt übergehen soll.

Gregor Frehner, der bekannte Steinmetz, dessen Werkstatt ebenfalls an der Wieshofstrasse steht, hat den Zuschlag erhalten. Den letzten Fehlbetrag von 500 Franken schoss er, der in der Stadt schon über 20 Brunnen baute und noch mehr renovierte, selber ein. «Die Geschichte des Brunnens hat mich beschäftigt», sagt er.

Der zweite Brunnentrog hat einen historischen Wert: Doppeltroge sind ortstypisch, sie zeugen vom kleinbäuerlichen Leben in Wülflingen. Für die Anwohner hat das Werk aber auch einen handfesten Nutzen: «Im Sudeltrog putzen wir unsere Stiefel und spülen unsere Blachen ab», sagt Werner Stahel, «und im Sommer haben wir mehr Platz zum Baden». Stadtwerk-Bereichsleiter Urs Buchs relativiert, es handle sich um kein wertvolles Ensemble, vielmehr seien die zwei alten Troge stilistisch und vom Alter her unterschiedlich, «zusammengewürfelt» gewesen. Auch werde der etwas versteckt gelegene Brunnen eher wenig gebraucht.

«Nicht wahnsinnig wichtig» – wenig Geld von der Stadt

Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) spricht von einem Kompromiss. Der zweite Trog sei an sich «nicht wahnsinnig wichtig», deshalb müsse der Kostenanteil derer, die den Brunnen nutzen, «viel höher» sein als derjenige der Stadt. Thomas Erhardt, Präsident des Wülflinger Forums, zeigt sich versöhnlich: «Mit ihrer Beteiligung honoriert die Stadt unsere Bemühungen.» Werner Stahel äussert aber auch Bedenken. «Man kann sich fragen, ob denn immer Private zahlen sollen und was der Auftrag der Stadt ist.»

In ganz Winterthur gibt es 130 Lauf- und Zierbrunnen – «sicher nicht zu wenige», meint Fritschi und macht klar, dass bei zusätzlichen Werken eine mehrheitliche Finanzierung durch Anwohner erwartet wird. Dies gilt etwa für einen Brunnen auf dem Unionsplatz im Vogelsang, den sich der lokale Quartierverein wünscht.

Epilog: Einweihung des neuen Trogs im April, eingeladen ist auch der Stadtrat. Um den Brunnen tanzen Kinder mit farbigen Bändern, und im Gebüsch spielt der eine oder andere Satyr auf ­seiner Flöte. (Der Landbote)

Erstellt: 03.12.2017, 15:21 Uhr

Besonderes Verhältnis

Die Wülflinger und ihre Brunnen

Die Wülflinger scheinen ein besonders inniges Verhältnis zu den 23 Brunnen in ihrem Stadtteil zu haben. An modernen Werken haben sie indessen wenig Freude: 1995 stiess ein vom lokalen Künstler Theo Spinnler entworfener Brunnen mit schlankem Betontrog und hoher Säule auf so grossen Widerstand, dass er wieder abgeräumt werden musste. Den Anwohnern missfiel das Werk unter anderem, weil sich daran keine Geranienkisten befestigen liessen. Spinnlers Brunnen, inklusive Wettbewerb 50 000 Franken teuer, verschwand in einem Schuppen. gu

Der alte Brunnen mit Nebentrog. (Bild: Winterthurer Glossar)

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