Winterthur

Zerwürfnis in der Fabrikkirche – Gugger tritt ab

Der reformierte Kirchgemeindeverband hat die Leistungsvereinbarung mit der Fabrikkirche gekündigt. Gründer Nik Gugger quittiert den Dienst.

Hat genug: Nik Gugger, ­Kirchenleiter und EVP-Nationalrat.

Hat genug: Nik Gugger, ­Kirchenleiter und EVP-Nationalrat. Bild: Marc Dahinden

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Die Fabrikkirche, untergebracht zuerst in einem nun abgerissenen Gebäude auf dem Areal Werk 1/Lokstadt, gilt als Erfolgsprojekt der Landeskirche. Doch seit dem Umzug ins Restaurant Akazie ist man beim Verband der reformierten Kirchgemeinden nicht mehr zufrieden mit der alterna­tiven Kirche.

«In der Fabrik lief es irrsinnig gut und alle waren begeistert», sagt Verena Bula vom Verband. Doch in der Akazie, in der preiswerte Menüs verkauft und Gäste auf Wunsch seelsorgerisch begleitet werden, stimme die Bilanz womöglich nicht mehr. Man wisse es schlicht nicht, sagt Bula – trotz mehrfacher Anfragen habe man nie Angaben dazu erhalten, wie gut das Restaurant besucht wird.

«Ich habe erkannt, dass sich meine Vision von jener der Verbandsvorstandsleitung unterscheidet»Nik Gugger

Auch ein konkretes Konzept habe gefehlt. Auf Nachfrage habe der Kirchgemeindenverband, der immerhin 240 000 Franken jährlich einschiesst, nur unpräzise Angaben erhalten. Auch bei der Gastronomie war man sich offenbar nicht einig. Die Menüs kosten 18 Franken – Bula fragt: «Ist das wirklich günstig?»Schliesslich kündigte man die Leistungsvereinbarung per Ende 2018 – mit dem Angebot, eine neue aufzusetzen, wie Bula betont.

Die alte Vereinbarung sei ­unkonkret gewesen, eine «Carte blanche», was auch okay gewesen sei, solange das Projekt augenscheinlich gut funktioniert habe.

Zu einer neuen Vereinbarung mit dem Leiter und Gründer der Fabrikkirche kam es nicht: Nik Gugger tritt bereits per Ende Juni ab, wie der Kirchgemeinden­verband heute in einer Medienmitteilung festhält.

Mit dem EVP-Nationalrat reichten auch drei Vorstandsmitglieder der Kirche den Rücktritt ein. Gugger teilt schriftlich mit, die Vereinbarungskündigung habe bei ihm «zur Erkenntnis geführt, dass sich meine Vision der zukünf­tigen Ausgestaltung von jener der Verbandsvorstandsleitung unterscheidet». Daher habe er ent­schieden, sein Amt niederzulegen.

Provisorischer Weiterbetrieb

Die Zukunft der Fabrikkirche scheint ungewiss. Der Betrieb in der Akazie soll «während mindestens eines Jahres» weitergeführt werden, so heisst es; im Herbst 2019 läuft der Mietvertrag aus. Vorderhand übernimmt Renato Pfeffer, bisher theologischer Mitarbeiter, die Leitung interimistisch.

Man wolle einem «innovativen Kirchenort eine Chance geben», versichert Bula, in bestehender oder auch in anderer Form ohne die Akazie. Gesucht wird nun ein «Kirchenvisionär», der die Fabrikkirche «neu denken» soll. Die Arbeit der neuen Kirche soll laufend evaluiert werden.

Mit dem kürzlich genehmigten Kredit für das Jugendprojekt Friendship in Town (Fit) habe der Entscheid zur Fabrikkirche nichts zu tun, sagt Bula. Kritiker hatten moniert, das neue Jugendcafé und die Fabrikkirche seien zwei allzu ähnliche Projekte.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.06.2018, 18:02 Uhr

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