Gastronomie/Schulen

Zu eisig für das Szene-Restaurant

Das ­Zugrestaurant Les ­Wagons macht kurzfristig zu: ­Leitungen gefroren, zu ­hohe Heizkosten. Auch andernorts friert man ganz schön.

Zu hoch sind die Heizkosten für «Les Wagons». In den kalten Tagen ist das Restaurant am Lagerplatz geschlossen.

Zu hoch sind die Heizkosten für «Les Wagons». In den kalten Tagen ist das Restaurant am Lagerplatz geschlossen. Bild: Marc Dahinden

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Winterthur bibbert – bei diesen Temperaturen bleibt man lieber drinnen. Doch auch dort ist es nicht überall warm, wie ein kurzer Rundgang durch Gaststätten im Zentrum zeigt.

Am heftigsten wirkt sich der Temperatursturz für das aus ­Wagen der Uetliberg-Bahn bestehende Restaurant am Lagerplatz aus. In der Nacht auf Montag sind im Les Wagons die Wasserleitungen gefroren. Am Montag entschied man: «Wir machen für die nächsten Tage zu. Wenn es dermassen kalt ist, sind die Heizkosten so hoch, dass wir sie mit dem Umsatz nicht wieder einspielen können», sagt Wirt Florian Moser. Und: Die Leitungen könnten jede Nacht wieder gefrieren. «Es geht ins Geld, wenn wir jeden Tag den ­Sanitär rufen müssen.» Darum will man erst am Donnerstag ­wieder öffnen – für das zumeist gut besuchte Vier-Gang-Dinner.

Unser Tipp an die Gäste: warm anziehen! Die Bahnwagen, Baujahr 1923, verfügen kaum über Isolation, für die Eröffnung des Restaurants brauchte es Spezialbewilligungen. Zwar sind die ­Radiatoren unter den Sitzen auf Höchstleistung ausgelegt, dennoch kann es dauern, bis es etwas wärmer wird im luftigen Gefährt.

Heizung wird über Nacht lieber abgestellt

«Morgens lassen wir jeweils alle Küchenmaschinen laufen, backen Brötchen auf und so», sagt Anja Holen­stein, die zusammen mit Moser den Betrieb führt. Die Heizung über Nacht oder an Schliesstagen laufen lassen will man wegen der Heizkosten nicht.

«Am Morgen schalten wir alle Maschinen ein, damit es wärmer wird. Brötchen ­aufbacken hilft.»Anja Holenstein, Wirtin Les Wagons

Angesichts der Tiefsttemperaturen verschob das Wirtepaar seine Lagebesprechung am Montag in die Portier-Bar – ihrerseits nicht gerade ein molliges Stübchen. Mehrere Gäste behalten hierdie Kappe an, den Pulli sowieso, «wenn alle Maschinen laufen und mehr Leute kommen, bessert es jeweils», sagt Rita vom Service.

Nicht nur am Lagerplatz kämpft man mit der Kälte. Auch in manchem Altstadthaus ist die Heizung am Anschlag. Kühl bleiben etwa die Fensterplätze im Widder, wo sich die Heizung im hinteren Bereich befindet.

Kaltes Lehrerzimmerin altem Schulhaus

Auch die Flure älterer Schul­häuser lassen sich offenbar nicht auf Zimmertemperatur bringen, hier misst man teilweise 15 oder 16 Grad (siehe Grafik). In den Klassenzimmern erreiche man die Zieltemperatur von 21 Grad in aller Regel, versichert Urs Borer, Bereichsleiter Zentrale Dienste im Schuldepartement. Esther Wottle, Co-Leiterin des kühlen Geiselweid-Schulhauses, ist da nicht sicher. Sie fragt: «21 Grad mit Schulkindern oder ohne?» Besonders kalt sei das Lehrerzimmer mit nur einem Heiz­körper. An mehreren Schulen beschwerten sich die Lehrer auch, dass die Heizungen nach Unterrichtsende gleich abgestellt würden. Borer seinerseits berichtet von einem Ausfall der Holzschnitzelheizung im Wülflinger Sekundarschulhaus Hohfurri, der letzte Woche aber innert ­Tagesfrist behoben worden sei.

Lehrer und andere werden sich in den nächsten Tagen mit der Kälte arrangieren müssen. Etwas milder wird es laut Prognose am Freitag – (fast) termingerecht zum Dinner in der Uetliberg-Bahn. Dann sei ja auch schon März, also bestimmt frühlingswarm, scherzt die Wirtin. (Landbote)

Erstellt: 27.02.2018, 08:20 Uhr

Innentemperaturen ­­ ge­messen gestern von 9 bis 13 Uhr in der Nähe des Eingangs, bei Schulhäusern im Flur (links). Aussenwerte von Meteo Schweiz,­ ­Messstation: Aadorf-Tänikon (rechts). (Bild: Gestaltung: ak)

Kältewelle in der Schweiz und in Europa

Autobatterien entladen, Handschuhe ausverkauft

Obdachlose: In verschiedenen Städten der Schweiz werden ­zusätzliche Notschlafstellen eingerichtet. In Zürich ist das Café Yucca der Stadtmission zusätzlich geöffnet. In Genf ist die Bevölkerung aufgerufen, die Nummer 144 anzurufen, wenn eine Person auf der Strasse schläft.

Schneefrei: Glück für die Schulkinder in Rom, sie bekamen gestern kurzerhand frei, weil erstmals seit sechs Jahren in der Ewigen Stadt Schnee fiel. Einige Zentimeter reichten, um das ­öffentliche Leben lahmzulegen.

Autopannen: Rund ein Drittel mehr Autopannen gab es in den letzten Tagen. Das erklärte der TCS auf Anfrage. Hauptgrund waren alte Batterien, die wegen der Kälte den Geist aufgaben. Ein Gerücht räumte TCS-Sprecher Daniel Graf aus: Diesel gefriert bei diesen Temperaturen noch nicht im Tank. Dazu bräuchte es mindestens –22 Grad.

Am kältesten: Die tiefste Temperatur der Schweiz wurde gestern in Buffalora GR beim Ofenpass gemessen: –27,9 Grad.

Milder Winter: Trotz der aktuellen Kältewelle wird der Winter 2017/2018 voraussichtlich als «zu mild» in die Statistiken eingehen. Denn der Januar war viel wärmer als im Durchschnitt.

Seen bleiben offen: Die aktuelle Kältewelle ist im Vergleich zu Frostperioden in Vorjahren eher kurz. Am Freitag soll das Thermometer wieder in den Plus­bereich wandern. Das reicht nicht, damit Seen zufrieren.

Profiteure: Über die Kälte freuen können sich die Produzenten von Vogelfutter. Tierfreunde kaufen seit Beginn des Frosts laut Coop doppelt so viele Körner ein. In den Kleidergeschäften waren zudem die Handschuhe teilweise ausverkauft.

«Russenpeitsche»: Erfunden hat das Wort wahrscheinlich ein deutscher Wetterdienst 2012, um damit einen raschen Vorstoss von Kaltluft in einem schmalen Korridor aus dem Osten zu bezeichnen. Seither erkennen Medien bei Frost gerne eine «russische Peitsche» auf der Wetterkarte, auch wenn dazu teils Fantasie nötig ist. (sda/bä)

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