Winterthur

Zu heiss für Bier

Die Hitze der letzten Wochen führte dazu, dass weniger Bier und mehr Wasser getrunken wird. Die optimale Temperatur für Bier sei überschritten, sagt der Experte — trotzdem ziehen die Brauereien eine positive Bilanz.

Am besten verkauft sich Bier, wenn es draussen um die 27 Grad warm ist.

Am besten verkauft sich Bier, wenn es draussen um die 27 Grad warm ist. Bild: Shotshop

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jörg Schönberg, Leiter Vertrieb und Partner bei Doppelleu weiss nicht so recht, ob er sich über das schöne Wetter freuen soll. «Ein Sommer ist für uns dann gut, wenn die Wochenenden schön sind, die Leute draussen sitzen und ein kühles Bier geniessen», sagt er.

«Aber es kann auch zu heiss werden für Bier.» Wenn das Thermometer mehr als 30 Grad anzeige, würden vermehrt Getränke ohne Alkohol konsumiert. Auch Daniel Reichlin, Euelbräu-Gründer, spürt die Hitze: «Aufgrund der hohen Temperaturen trinken viele seit Mitte Juli vermehrt Alkoholfreies.»

Christoph Lienert, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schweizer Brauerei-Verband bestätigt: «Die ideale Temperatur für den Bierkonsum liegt bei etwa 27 Grad.» Zahlen für die Beliebtheit einzelner Getränke habe er keine, die Erfahrungswerte zeigten jedoch: Die Konsumenten bestellen in der Hitze öfters ein Panaché oder alkoholfreies Bier.

Ein guter Sommer für Brauer

Trotzdem sind die Winterthurer Brauer mit dem Sommer zufrieden. Sie profitierten vor allem von der Fussball-WM im Juli. «Im Gesamten ist es ein sehr guter Sommer», sagt Schönberg von Doppelleu.

«Aufgrund der hohen Temperaturen trinken viele seit Mitte Juli vermehrt alkoholfreie Getränke.»Daniel Reichlin, 
Gründer Euelbräu

«Während der WM haben wir viel Umsatz im Einzelverkauf gemacht. Fussball und Bier passen einfach gut zusammen.» Reichlin von Euelbräu ist ebenfalls zufrieden: «Wir hatten von April bis Mitte Juli überdurchschnittliche Verkäufe.» Auch bei Stadtguet läuft es, wie Geschäftsleiter Reinhard Müller sagt: «2018 entwickelt sich bis jetzt gut.»

Der Brauerei-Verband bestätigt, dass die letzten schönen Monate den Bierkonsum angekurbelt haben. «Wir rechnen gesamthaft mit einem Wachstum von zwei bis drei Prozent», sagt Lienert. Und dies, nachdem der Pro-Kopf-Konsum in den letzen Jahren stetig abgenommen hat. «Wenn das Wetter weiterhin hält, wird es ein gutes Jahr für Bier.»

Keine Engpässe wie im Ausland

In England sorgte im Juli ein akuter Mangel an Kohlensäure für Unruhe unter den Biertrinkern. Viele Grossbrauereien versetzen dort ihrem industriell gebrauten Bier zusätzlich Kohlensäure.

Und auch in Deutschland gibt es Probleme: Wegen des anhaltend guten Wetters ist der Bierkonsum so hoch, dass einzelne Brauereien zu wenig Leergut haben, um neues Bier in Flaschen abzufüllen. Die Brauereien haben ihre Kunden bereits dazu aufgerufen, die leeren Flaschen so schnell wie möglich zurückzubringen.

Könnte es auch in der Schweiz zu einem Lieferengpass kommen? Experte Lienert entwarnt. Ein Leergutmangel wie in Deutschland ist in der Schweiz praktisch unmöglich. Grund dafür ist ein anderes Flaschensystem.

Während in Deutschland der grösste Teil der Bierflaschen ein Pfand hat — die leeren Flaschen werden von den deutschen Brauereien mit frischem Bier befüllt — machen Bier-Mehrwegflaschen in der Schweiz nur knapp 15 Prozent aus.

Was jedoch Einfluss auf die nächste Biersaison haben könnte, ist die anhaltende Trockenheit. «Diese könnte die Hopfenernte bedrohen», sagt Schönberg. Das würde sich auf die Geschmacksqualität des Biers auswirken. «Wir beziehen unseren Hopfen jedoch von vielen verschiedenen Orten und werden das sicherlich auffangen können», sagt Schönberg.

Erstellt: 14.08.2018, 16:48 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!