Winterthur

Zu hohe Ozonbelastung– Stadt überprüft Aktionsplan

Die Stadt räumt ein, dass die Massnahmen zur Luftreinhaltung im Bereich Verkehr zu wenig bewirken. Das ist mit ein Grund, warum man den Aktionsplan nun überprüfen will. Derweil wird der Ozon-Grenzwert immer häufiger überschritten.

Die Ozonbelastung in Winterthur ist zu hoch: Zeigen Fahrverbote den richten Weg an im Kampf gegen den Klimawandel?

Die Ozonbelastung in Winterthur ist zu hoch: Zeigen Fahrverbote den richten Weg an im Kampf gegen den Klimawandel? Bild: Madeleine Schoder

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Das schöne Wetter der letzten Wochen hat Folgen für die Luftqualität in Winterthur – der Sommersmog akzentuiert sich: Der Grenzwert für Ozon von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde im laufenden Jahr in der Stadt bereits an mehr Tagen überschritten (50 Tage) als während des gesamten Vorjahres (39 Tage).

Laut Bund dürfte dies jedoch nur einmal pro Jahr passieren. Kommt dazu: Von allen fixen Stationen der Luftschadstoffmessungen in der Ostschweiz (Ostluft) und im Fürstentum Liechtenstein weist diejenige in Winterthur zusammen mit jener in Zürich Heubeeribüel und in Vaduz die meisten Ozon-Grenzwertüberschreitungen auf.

Berechtigte Frage

Wie die Winterthurer Behörden bereits 2017 ausführten, stammt zwar etwa die Hälfte der Ozonbelastung aus dem gesamtschweizerischen und dem internationalen Umfeld.

Dennoch sei die Frage berechtigt, ob der 2010 in Winterthur in Kraft gesetzte Massnahmenplan zur Luftreinhaltung noch ausreichend Wirkung zeige, sagt Josef Hunkeler, Bereichsleiter Umwelt- und Gesundheitsschutz im Departement Sicherheit und Umwelt.

«Der Handlungsbedarf im Bereich Verkehr ist sehr gross und könnte sich mit dem Klimawandel noch verschärfen»

Zwar konnten offenbar in der Vergangenheit gerade dank dieses Massnahmenplans Emissionen aus Heizungen, insbesondere Holzheizungen, stark eingedämmt werden.

«Im Bereich des Verkehrs konnten die städtischen Massnahmen zur Luftreinhaltung aber in der Tat zu wenig bewirken, was mit ein Grund ist, weshalb wir derzeit eine Teilrevision des Massnahmenplans prüfen», sagt Hunkeler.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass 64 Prozent der Stickoxide (ein zentraler Schadstoff zur Bildung von Ozon) in Winterthur aus dem Strassenverkehr stammen.

«Der Handlungsbedarf im Bereich Verkehr ist deshalb sehr gross und könnte sich mit dem Klimawandel noch verschärfen», meint Hunkeler. Der Bereich Umwelt- und Gesundheitsschutz prüft deshalb momentan auch, welche Herausforderungen der Klimawandel für die Luftreinhaltung mit sich bringen wird.

Arzt und Grüne für Fahrverbot

Die Stadt will sich aber noch nicht zu allfällig neuen Instrumenten zur Bekämpfung des Sommersmog äussern. Hausarzt Peter Kälin hingegen schon. Der Präsident der Organisation Ärztinnen und Ärzte für den Umweltschutz hält Temporeduktionen und Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuge für geeignete Massnahmen, um die Ozonkonzentrationen auch in Winterthur besser in den Griff zu bekommen.

«Wenn die Zahl dauernd steigt, wird es auch immer mehr Menschen mit Asthmaproblemen geben»

«Denn die Zahl der Autos wird weiter zunehmen.» Er weist in diesem Zusammenhang vor allem auf die gesundheitlichen Gefahren hin. Ozon habe eine entzündungsfördernde Wirkung.

«Wenn die Zahl der Tage, an denen die Grenzwerte überschritten werden, dauernd steigt, wird es auch immer mehr Menschen mit Asthmaproblemen geben», sagt Kälin. Auch Kreislauferkrankungen und Herzinfarkte würden weiter zunehmen. «Denn unser Schutzsystem ist mit der Zeit überfordert.»

Auch die Grünen fordern jetzt ein Fahrverbot für die Stadt – sehr zum Ärger der Bürgerlichen.

(Landbote)

Erstellt: 19.07.2018, 16:27 Uhr

Umweltschutz

Grüne für Fahrverbote – Bürgerliche lehnen dies ab

Angesichts der erhöhten Ozonwerte in der Stadt, fordert Reto Diener, Co-Präsident Grüne Winterthur, auch Fahrverbote. Dem Beispiel Italiens folgend, will er nur noch die Hälfte der Autos auf die Strassen lassen.

Wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung gehe, dürfe es keine Tabus mehr geben, sagt Reto Diener bestimmt. Der Co-Präsident der Grünen ist überzeugt, dass es aufgrund des Klimawandels immer wärmer wird und dass deshalb auch in Winterthur die Zahl der Tage mit Ozon-Grenzwertüberschreitungen weiter zunehmen wird. Es bestehe deshalb «absolut dringender Handlungsbedarf», sagt Diener.Kein Zweifel besteht bei ihm auch, wer für die aktuelle Entwicklung die Hauptschuld trägt. «Es ist klar, dass der motorisierte Verkehr der Hauptverursacher von Ozon ist», sagt Diener. Und genau dort will er nun ansetzen. Einerseits erachtet der Winterthurer Gemeinderat weitere Temporeduktionen als eine mögliche Massnahme, um die Luftbelastung zu verringern. «Sie genügt aber nicht», ist sich Diener sicher. «Es benötigt auch Verkehrsbeschränkungen.» Allerdings weniger im Sinne von Fahrverboten für gewisse Dieselfahrzeuge, wie in Deutschland.

Nummernschild entscheidet

«Praktikabler und vor allem überprüfbarer erachte ich hingegen jene Fahrverbote, wie sie beispielsweise in Italien angewendet werden», sagt Diener. «Ich könnte mir also gut vorstellen, dass auch in Winterthur eines Tages Auto mit einer ungeraden Endziffer auf dem Nummernschild in Stosszeiten nicht fahren dürfen. Und dass am darauf folgenden Tag jene Wagen mit geraden Ziffern stehenbleiben würden.»

Gegen Verbote

Bei den bürgerlichen Parteien stösst der Vorschlag der Grünen jedoch klar auf Ablehnung. FDP und SVP lehnen Fahrverbote ganz grundsätzlich ab, wie sie auf Anfrage mitteilen. Vertreter beider Parteien zweifeln überdies daran, ob kurzfristige Massnahmen im Bereich der Luftreinhaltung wirklich etwas bringen.

«Wir glauben zudem, dass der Nutzen einer grossflächigen Temporeduktion – also beispielsweise durchgehend Tempo 30 im Stadtverkehr – eher klein ist», sagt Stefan Feer, Chef der FDP-Gemeinderatsfraktion. Kurzfristig könne man nur an die Eigenverantwortung der Bevölkerung appellieren und dazu auffordern, vermehrt das Velo oder den öffentlichen Verkehr zu benutzen. So oder so dürfe aber die Umweltproblematik nicht negiert werden, sagt Feer. «Winterthur wächst und damit auch der motorisierte Verkehr.» Mit Blick auf die längerfristigen Massnahmen fordert er deshalb eine Forcierung der 4. ZVV-Ausbauetappe. Zudem begrüsst er es, dass die Stadt eine Teilrevision des Massnahmenplans zur Luftreinhaltung in Betracht zieht.

Auch Gemeinderat Daniel Oswald, Chef der SVP-Fraktion, nimmt den Bereich «Luftreinhaltung» ernst. «Doch das Thema ist hochkomplex.» Es bringe deshalb nichts, Schnellschüsse zu fabrizieren. Erst recht nicht auf lokaler Ebene, sagt Oswald. Die Problematik sei viel mehr auf Bundesebene anzugehen. «Nur langfristige Massnahmen können eine Änderung herbeiführen.»

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