Generationenwechsel

Zwei Jungpolitikerinnen, eine Meinung – zumindest fast immer

Mit Sarah Akanji und Nina Wenger ziehen zwei Jungpolitikerinnen in den Kantonsrat. Wofür stehen die beiden ein?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jung, links, grün: Wenn man die neu gewählten Kantonsrätinnen und Kantonsräte zwischen 18 und 32 Jahren auf der politischen Landkarte verortet, bildet sich ein enges Sechsergrüppchen am linken äusseren Rand mit vier SPlern und zwei Grünen.

Abseits, in der liberalen Ecke, steht einzig Corina Gredig (31), die Co-Präsidentin der Grünliberalen. Die zwei Winterthurer Jungpolitikerinnen Sarah Akanji (SP, 25) und Nina Wenger (Junge Grüne, 20) hingegen reihen sich ein. Beide wurden glänzend gewählt. Akanji holte stadtweit die meisten Stimmen von sämtlichen Kandidatinnen und Kandidaten: 8557. Wenger kam auf 4507 Stimmen und zog an Co-Präsidentin Renate Dürr vorbei.

Die Jungen wollen gehört werden im Parlament, da sind sich die zwei jungen Kantonsrätinnen einig. Doch mit welchen Anliegen? Ein Vergleich der Smartvote-Fragebögen von Akanji und Wenger zeigt: Die beiden politisieren praktisch auf einer Linie.

Legalize it!

Zum Beispiel in der Gesundheitspolitik: Beide befürworten höhere Krankenkassenverbilligungen und einen Ausbau ambulanter Pflegeangebote wie der Spitex. Sozial- und familienpolitisch sind sie gegen die Erhöhung des Rentenalters, für mehr familienergänzende Angebote wie Tagesschulen und für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub.

«Wir müssen die Probleme in Europa gemeinsam lösen.»Sarah Akanji (25), 
Kantonsrätin, SP

Akanji würde allerdings das Modell Elternzeit bevorzugen, bei dem Vater und Mutter den Urlaub frei einteilen können. Beide sind hingegen «eher» dagegen, dass man aus religiösen Gründen dem Unterricht fernbleiben darf. Akanji würde bei Feiertagen eine Ausnahme machen.

Die Frühförderung von Kindern würden Wenger und Akanji ausbauen und auch Nachhilfegutscheine für sozial schwächer gestellte Kinder ausstellen lassen. Cannabis legalisieren? Beide sagen Ja, auch in anderen gesellschaftspolitischen Fragen wie der Homo-Ehe oder zur Norm, dass Unternehmen die interne Lohngleichheit nachweisen müssen, um öffentliche Aufträge zu erhalten.

«Als Konsument sollte man die lokalen Produzenten unterstützen.»Nina Wenger (20) 
Gemeinde- und Kantonsrätin, Junge Grüne

Eine kleine Differenz haben sie beim Thema Vandalismus im öffentlichen Raum: Wenger würde solchen nur «eher» nicht härter bestrafen, Akanji sicher nicht. Darin, dass es nicht mehr Polizei auf den Strassen braucht, sind sie sich wieder einig, ebenso darin, dass das Waffenrecht verschärft werden sollte.

Beide befürworten zudem das Ausländerwahlrecht nach zehnjährigem Aufenthalt. Wenger ist nur «eher» und nicht ganz dagegen, dass man bei der Einbürgerung die Messlatte bei der Sprache erhöhen sollte.

Grün in grün sind sich die zwei dann wieder beim Thema Verkehr und Umwelt: Mehr Velowege, weniger Parkplätze und keine Pistenverlängerung für den Flughafen fordern sie und befürworten eine CO2-Abgabe auf Benzin und Diesel. Ausserdem sollen nur noch Bauern Subventionen erhalten, die ökologisch produzieren.

Is Tüütsche go poschte?

Zumindest ein Konsumthema könnte zwischen den beiden etwas zu reden geben: Soll die Schweiz den Einkaufstourismus strenger regulieren? Wenger: «Eher ja», Akanji: «Eher nein». Sie sagt: «Ich bin gegen isolationistische Massnahmen. In Europa müssen wir die Probleme gemeinsam lösen.»

Für rund 10 Milliarden Franken pro Jahr kaufen die Schweizer ennet der Grenze ein. Die Zollfreigrenze liegt aktuell bei 300 Franken. Wenger findet: «Es wäre erstrebenswert, lokal einzukaufen und so lokale Produzenten zu unterstützen und zu fördern.»

Erstellt: 26.03.2019, 09:05 Uhr

Artikel zum Thema

Doppelt Gewählte müssen sich entscheiden

Doppelmandate Fünf Gemeinderätinnen und -räte wurden am Sonntag in den Kantonsrat gewählt. Noch ist für die meisten unklar, ob sie ein Amt abgeben wollen. Mehr...

Der Wahlsonntag im Überblick

Wahlen Martin Neukom (Grüne) erobert Sitz im Regierungsrat auf Kosten der FDP +++ Grüne und GLP gewinnen, Schlappe für SVP und BDP im Parlament +++ Drei Regierungsräte aus Winterthur Mehr...

Bürgerliches Klimadebakel

Kommentar Benjamin Geiger zum Ausgang der Wahlen im Kanton Zürich. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.