Winterthur

Zwei Pünten direkt vor der Haustür

Gerda Niederhäuser hat gleich zwei Pünten gepachtet. Durch die unmittelbare Nähe zu ihrem Haus an der Storchenbrücke ist der grosse Garten mit den zwei gemütlichen Sitzplätzen quasi eine Erweiterung ihrer Wohnstube.

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Man kann es nicht anders sagen: Gerda Niederhäuser gärtnert in Traumlage. Wenn sie aus ihrer Terrassentür kommt, muss sie nur ein paar Meter nach links den Hang hoch gehen und schon ist sie in ihrem Gartenreich.

Vor sechs Jahren konnte sie die erste Pünt pachten, als kurze Zeit später der angrenzende Garten frei wurde, hat sie die Gelegenheit genutzt. «Schon wegen des kleinen Häuschens musste ich ihn unbedingt haben.» Kürzlich ist sie auf ein hübsches Gedicht von Konrad Wyler aus dem Jahr 1937 gestossen, das sie an ihr kleines Püntenhäuslein erinnert:

«Mis Hüsli staht im Vogelsang
Möchts niene-n-anderscht ha.
Es gränzt an grüene Wiesehang,
Chomm use und luegs a!»

«Auch wenn die Wiesenhänge nicht mehr so grün sind wie damals, versuche ich, mit meinem Garten ein Stücklein ‹Paradies› im Vogelsang zu erhalten», sagt Gerda Niederhäuser.

Die Anlage gehört der Stadt und wird vom Püntenpächterverein verwaltet. Es gibt zwar ein Reglement, wie die Gärten zu pflegen sind, aber das einzuhalten sei nicht besonders schwierig. Die Pünten im Vogelsang sind begehrt. In den letzten Jahren seien immer mehr junge Paare und Familien dazugekommen.

Es gebe nur noch ein paar ältere Leute, zumeist Italiener oder Portugiesen, die schon lange dabei sind. «Es sind alles lässige Leute bei uns im Verein.» Wie viele andere Püntiker auch, stellt Gerda Niederhäuser Frühjahr unten am Weg einen Kasten auf, mit überzähligen Gemüse- und Blumensetzlingen auf. Hier dürfen alle geben und nehmen.

Inspirationen im Quartier

Als sie die Pünten übernommen hat, sei alles überwachsen gewesen. «Das war mir grade recht.» So konnte sie alles nach ihrem Gusto herrichten.» Den Garten gestalten, das macht sie am allerliebsten. Hier und dort einen Bogen oder eine selbstgeflochtene Beeteinfassung aus Weide aufstellen.

Mal ein paar Glassteine mit Holz kombinieren und zwischen den Blumen aufgehängen. Alles besteht aus natürlichen Materialien und harmoniert miteinander. Inspiration holt sie sich in den Nachbargärten. «Ich laufe gern durchs Quartier.»

«Ich habe eine Idee und dann überlege ich mir, wie ich sie mit vorhandenen Materialien umsetzen kann.»Gerda Niederhäuser

Gerda Niederhäuser geniesst ihren Garten wann immer möglich. «Ich habe schon einmal eine Pünt gehabt, aber damit bin ich kläglich gescheitert.» Das lag vor allem daran, dass der Garten weit entfernt vom Haus lag und die drei Kinder noch klein waren. Die sind inzwischen gross.

Wenn mal etwas schweres erledigt werden muss, helfen ihr schon mal der Sohn oder die Tochter. Die jüngste Tochter (14) interessiert sich eher weniger für den Garten, isst dafür sehr gerne die vielen verschiedenen Beeren.

Das meiste macht Gerda Niederhäuser selber, mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. So hat sie eigenhändig das Grundstück mit Brettern terrassiert, in dieser Hanglage unerlässlich. «Ich habe eine Idee und dann überlege ich mir, wie ich sie mit vorhandenen Materialien umsetzen kann.»

Das letzte Projekt ist eine selbst gebaute Pergola, die ist noch nicht ganz fertig: «Ich hinke immer ein bischen hinterher und würde gern mehr Zeit investieren.» Sämtliches Holz, dass sie für ihre Projekte braucht, kauft sie bei «wiederverwerkle», einer kleinen Firma in Töss, die recycling-Holz verkauft.

Ein schöner Hingucker sind die verzinkten Regentonnen. «Das sind Behälter für Gasmasken vom Militär». Die hat sie im Internet entdeckt und inzwischen stehen einige davon im Garten verteilt.

Die Pflanzen dürfen wachsen wie sie möchten, eine purpurfarbene Cosmea hat beschlossen, halb auf dem Weg zu blühen. Ein schöner Anblick, genau wie das das Mutterkraut, auch als falsche Kamille bekannt, dass durch den Garten vagabundiert, und da und dort einen weissen Blickfang setzt.

Fenchel für die Raupen

Kunstdünger und Gift hat sie aus dem Garten verbannt, Gemüse pflanzt sie nach den Prinzipien der Mischkultur an. Und dazwischen immer wieder Blumen. Die dunkelroten Blütenstände des Amaranth passen perfekt zu den violetten Astern, Cosmeen und Phlox.

Jetzt in der zweiten Septemberwoche blüht alles in kräftigen Herbstfarben um die Wette . «Es ist mir wichtig, dass alles zusammen ein schönes Bild gibt», sagt Gerda Niederhäuser.

Natürlich pflanzt sie auch Gemüse an, dieses Jahr waren es Kefen, Karotten, Zwiebeln, Tomaten, Auberginen, Kartoffeln, Gurken, Zucchetti, Kürbisse, Radiesli, Spinat, Kohlrabi und dazu viel Salat. «Ich liebe es, mein eigenes Gemüse zu ernten.» Wenn aber einmal etwas nicht gedeiht, wie sie es gerne hätte, findet sie das nicht weiter schlimm, da sie ja nicht davon leben muss.

So lässt sie beispielsweise den Fenchel bewusst aufschiessen: «Den pflanze ich nur für die Raupen des Schwalbenschanz.» Schmetterlinge und Vögel sollen sich wohlfühlen, genau so wie Igel, Blindschleichen und Eidechsen.

«Ich bin einfach gern draussen und schaffe gern mit den Händen». Der Garten sei für sie pure Erholung, der perfekte Ausgleich für die Arbeit am Computer. Gerda Niederhäuser arbeitet bei den Sozialen Diensten Winterthur und hat dort viel Kundenkontakt.

Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof im Kanton St. Gallen. «Der Garten war der Sachen Mutter, wir Kinder mussten zwar auf dem Feld helfen. Aber so richtig hat mich das nicht interessiert.»

Erstellt: 02.10.2018, 15:25 Uhr

Menschen und ihre Gärten

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