Musikfestwochen

Zwölf Retouren und eine geliehene Gitarre

Das Festival geht ins letzte Wochende. Ob sich das Ganze auch finanziell lohnt, hängt vom Wetter ab.

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Gestern Abend hätte das letzte Gratiskonzert der diesjährigen Musikfestwochen über die Bühne gehen sollen. Eigentlich. Doch knapp ein Monat bevor es losging, kam die Hiobsbotschaft: Die Band Beirut kommt nicht.

Der Headliner musste wegen der Kehlkopfentzündung des Sängers absagen, worauf die Organisatoren den letzten Sonntag zu einem zusätzlichen Gratistag erklärten. «Wir rechnen mit Mindereinnahmen im fünfstelligen Bereich», sagt Laura Bösiger, Co-Geschäftsleiterin der Musikfestwochen. Wie sich dies auf die Gesamtrechnung auswirke, könne man aber noch nicht sagen.

«Wir bekommen viel Liebe von den Bands.»

Seither blieben die Musikfestwochen von weiteren Absagen verschont. Tickets gibt es nur noch für den Samstag, an dem die norwegische Band Madrugada spielt. Von den 3-Tages-Pässen fürs kommende Wochenende wurde nur ein Dutzend retourniert – und in weniger als einer Stunde neu verkauft. Der Grund heisst AnnenMayKantereit, der Hauptact von heute Freitag.

Die Tickets sind restlos ausverkauft, ebenso die Mehrtagespässe. Die Kölner sind ein Publikumsmagnet. Und ein Glücksfall: «Mittlerweile können wir uns die gar nicht mehr leisten», sagt Bösiger über die Band, die bereits 2014 an den Musikfestwochen spielte und im Gästebuch ihre Rückkehr ankündigte: «Es ist super, dass sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und zu diesem tollen Preis kommen.»

Konzert für die Helfer

Bösiger weiss, dass ihr das wechselhafte Wetter auch am letzten Wochenende noch einen Strich durch die Rechnung machen kann. Entsprechend vorsichtig ist sie mit Prognosen: «Vom Gefühl her kommen ähnlich viele Besucher wie im Vorjahr». Für ein Fazit sei es zu früh. Was ihr zum jetzigen Zeitpunkt an harten Zahlen fehlt, macht sie mit Geschichten wett. Sie erzählt vom Wiener Liedermacher Felix Kramer, der am Mittwoch auf dem Kirchplatz spielte und nach dem Konzert noch unplugged für die Helferinnen und Helfer spielte. Von der überwältigenden Akustik bei Lisa Morgensterns Konzert in der Stadtkirche.

Oder von Cat Clyde, die ohne Gitarre am Flughafen Zürich und kurz darauf im Winterthurer Musikfachgeschäft Backstage landete, wo sie sich die persönliche Gitarre von Besitzer Ivo Trachsel ausleihen durfte. Sie sei nicht die Einzige, die sich auf der Bühne überschwänglich bedankte, sagt Bösiger: «Wir bekommen viel Liebe von den Bands.»

Anonymer Spender

Dass nicht nur die Bands und die Fans ein Herz für die Musikfestwoche haben, zeigt diese Geschichte: Das Festival ist zwar für sein ökologisches Engagement (Mehrweggeschirr, Solarenergie) bekannt, doch kann es seinen eigenen Erwartungen nicht überall gerecht werden: «Wir müssen noch etwa ein Zehntel der Bands einfliegen lassen», sagt Bösiger.

Die Organisatoren bedauerten öffentlich, dass sie die Emissionen noch nicht kompensieren können. Kurz darauf meldete sich ein anonymer Spender, der die Kosten für die Klimakompensation – voraussichtlich zwischen 1000 und 3000 Franken – aufbringen will: «Das ist kein grosser Batzen, zeigt aber, dass man unser Engagement wahrnimmt.» Ein schöner Schluss für Laura Bösiger und Grégoire Guisolan, die nun die Co-Geschäftsleitung nach vier Jahren abgeben.

Warum gehen die Menschen an die Musikfestwochen? Und was ist hier so speziell? Video: Caroline Gloor

Erstellt: 16.08.2019, 08:00 Uhr

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