Winterthur

Überlastete Baupolizei entschuldigt sich

Wer ein Baugesuch einreichte, wartete zuletzt ungewöhnlich lange auf die Bewilligung. Das Baupolizeiamt hatte mit akuten Personalproblemen zu kämpfen, sieht nun allerdings Licht am Ende des Tunnels.

Im Superblock kündigten 2018 soviele städtische Angstellte, wie seit 2015 nicht mehr.

Im Superblock kündigten 2018 soviele städtische Angstellte, wie seit 2015 nicht mehr. Bild: Marc Dahinden

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Die Pläne stehen längst, das Material ist bestellt, doch auf die Baubewilligung wartet der Bauherr seit Wochen vergeblich. «Sie müsste längst da sein, das sieht man sogar beim Baupolizeiamt so», sagt der Projektleiter gegenüber dem «Landboten», der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Offenbar, so habe man ihm beschieden, bremsen Personalwechsel das Amt derzeit aus. So sehr, dass die Leiterin der Baupolizei sich auf der städtischen Webseite erklärt und «In eigener Sache» mitteilt: «Wir bedauern Sie darauf aufmerksam machen zu müssen, dass es uns zurzeit nicht möglich ist, Baugesuche innert der gesetzlichen Ordnungsfrist zu bearbeiten. Es ist mit deutlich längeren Behandlungsfristen zu rechnen. Grund dafür sind die äusserst knappen personellen Ressourcen.»

Zufällige Häufung?

Ein «kurzes ordentliches Bewilligungsverfahren» sollte in knapp drei Monaten erledigt sein. Wie drastisch die Verzögerungen in Wintertur zuletzt waren, kann man beim Bau auf Anfrage nicht sagen.

«Äusserst knappe personelle Ressourcen»: Beim Baupolizeiamt entschuldigte man sich auf der Webseite für die langen Wartezeiten Printscreen

Departementssekretär Lukas Mischler bestätigt aber, dass man beim Baupolizeiamt derzeit mit einem personellen Engpass kämpfe. Nirgends kündigten beim Bau mehr Leute. Letzes Jahr waren es über 18 Prozent und damit fast jede und jeder Fünfte der gut 40 Angestellten, siebenmal soviel wie im Jahr zuvor.

Knapp die Hälfte tat dies bereits in den ersten zwei Jahren nach Stellenantritt, der Rest aus privaten oder beruflichen Gründen, heisst es. Aus Sicht des Departements handelt es sich beim Aderlass um eine «ausserordentliche, aber zufällige Häufung» – die sich nota bene angekündigt hatte. 2019, so hiess es im letzten Geschäftsbericht, werde sich die personelle Situation beim Bauinspektorat aufgrund zweier Kündigungen, einem Krankheitsfall und einer längeren Vakanz in der Kanzleileitung verschlechtern.

Beim sonst ruhigen Baudepartement stieg die Kündigungsquote zuletzt besonders stark an.

Die Stellen sind inzwischen wieder besetzt. Doch das neue Personal, so Mischler, habe man einarbeiten müssen, was die Prozesse natürlich verlangsame. Von einer Kündigungswelle, ausgelöst durch die schlechte Stimmung oder Frust beim Personal könne nicht die Rede sein.

Auch das Gerücht, dass viel Personal nach Zürich abgewandert sei, zu Stadt oder Kanton, sei «komplett falsch». Einige hätten sich selbstständig gemacht, andere seien weggezogen und dritte hätten in die Privatwirtschaft oder zu kleineren öffentlichen Verwaltungen gewechselt. Beim Amt für Städtebau oder beim Vermessungsamt war die Fluktuationsquote sogar leicht rückläufig.

Auch ein Wahlkampf-Thema

Doch auch im aktuellen Stadtratswahlkampf wurde das Thema angeschnitten. SP-Kandidat Kaspar Bopp verwies am Wahlpodium des «Landboten», angesprochen auf seinen Führungsstil und angestrebte Personalpolitik, explizit auf das Beispiel eines langjährigen Angestellten beim Bau.

An einem Nachbarschaftsanlass habe dieser ihm gegenüber beklagt, wie sehr das Image der Verwaltung in den letzten Jahren gelitten habe. Früher sei man stolz gewesen, für die Stadt zu arbeiten, inzwischen müsse man sich dafür rechtfertigen, ja beinahe schämen. Die Verwaltung würde als Hürde wahrgenommen, statt als Hilfe, gerade beim Bau. «Dort ist die Aufgabenlast in den letzten Jahren gestiegen, während beim Personal abgebaut wurde», strich Bopp am Podium heraus.

Ein Blick in die Budgets der letzten Jahre zeigt: Im Zuge des Sparprogramms Balance wurden beim Bau zwischen 2015 und 2018 total 20 der einst 303 Vollzeitstellen gestrichen, knapp sieben Prozent. Für 2019 wurden dann wieder 3,7 zusätzliche Stellen bewilligt.

Stadtweit mehr Wechsel

Nicht nur beim Bau, auch beim Finanzdepartement, bei Departement Schule und Sport, bei den Technischen Betrieben gab es zuletzt mehr Kündigungen (siehe Grafik unten). Stadtweit war die Brutto-Quote (sämtliche Abgänge) mit 15,4 Prozent so hoch wie seit 2015 nicht mehr. Damals hatte das Sparprogramm Balance einen schrittweiser Stellenabbau zur Folge.

Beim städtischen Personalverband vermutet man, dass «Balance-Effekt» und die spürbare gestiegene Arbeitslast auch 2018 der entscheidende Treiber für die vielen Kündigungen war. Doch auch die anstehende Millionen-Sanierung der städtischen Pensionskasse verunsichere das Personal. Ende März war der Stadtrat mit seiner Sanierungs-Vorlage im Gemeinderat abgeblitzt.

«Die Stimmung beim Personal bleibt angespannt», sagt Präsidentin Katrin Kaufmann. Den städtsichen Angestellten drohen höhere Sanierungsbeiträge von bis zu vier Prozent. «Wir rechnen daher damit, dass es in diesem Jahr zu mehr Frühpensionierungen kommt», sagt Kaufmann.

Beim Baudepartement wiederum beteuert man, dass man die personelle Baisse bei der Baupolizei nun überwunden habe und das neue Personal eingearbeitet sei. Das «In eigener Sache» wurde gestern Nachmittag von der Webseite gelöscht.

Erstellt: 02.07.2019, 19:44 Uhr

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