Winterthur

Widerstand gegen Wasserkraftwerk

Beim Töss-Wasserfall an der Wespimühle plant die Baufirma L&B ein neues Kleinkraftwerk mit bedeutend mehr Leistung als die alte Anlage. Naturschützer befürchten aber, Landschaftsbild und Erholungsqualität könnten leiden.

Die Wespimühle am mittleren Tösswasserfall Winterthurs: Nun will sich die neue Besitzerin die Geländestufe zunutze machen.

Die Wespimühle am mittleren Tösswasserfall Winterthurs: Nun will sich die neue Besitzerin die Geländestufe zunutze machen. Bild: Marc Dahinden/Beat Märki

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Die Winterthurer Baufirma L&B, welche die Wespimühle nach deren Konkurs übernommen hatte, will zusammen mit der St. Galler Entegra Wasserkraft AG ein neues Kleinkraftwerk an der Töss bauen. Seit gestern liegen die Pläne auf. Die Werte, die im Baugesuch genannt werden, sind ver­lockend. Statt 35 Haushalte wie heute soll die Anlage zehnmal so viele Familien versorgen, statt 140 000 Kilowattstunden (Schnitt der letzten Jahre) 1,6 Gigawattstunden Strom produzieren.

Die Anlage könne wirtschaftlich betrieben werden, heisst es in den Unterlagen, obschon gegen vier Millionen Franken investiert würden. Grund ist die kostendeckende Einspeisevergütung – quasi eine Ökosubvention für 25 Jahre. Die Zusage sei schon da.

Initiantin Entegra überzeugt

Das Baugesuch verspricht zudem «Zugang zum Naturschauspiel Töss-Hochwasser» von einer Aussichtsplattform aus; auch von einem «Zugang ins Unterwasser des Absturzes» ist die Rede. Geplant ist ein Flusskraftwerk mit 5,4 Metern Fallhöhe; nicht mehr ein sogenanntes Ausleitkraftwerk wie das bestehende aus dem Jahr 1893. Und die neue Anlage soll auf dem anderen, linken Tössufer zu stehen kommen. Bei normalem Wasserstand wird davon allerdings kaum viel zu sehen sein, die Anlage wird überspült.

Sichtbar wird die Fischtreppe sein; eine solche gab es bisher nicht, wurde von den Fachleuten aber gewünscht – obschon die Fische den natürlichen Wasserfall früher nie passieren konnten.

Die Fischtreppe und ein dauerhaftes Befeuchten der Pflanzen und Tiere auf dem Wasserfall versteht Peter Eichenberger als ökologischen Ausgleich, der bei solchen Bauvorhaben immer geleistet werden muss. Eichenberger ist Projektleiter der Entegra, die zusammen mit L&B die neue Kraftwerk Wespimühle AG bilden soll. Er betont, das Projekt sei in enger Zusammenarbeit mit kantonalen Stellen entwickelt worden.

Stadtrat Lisibach verwundert

Bei der Stadt Winterthur allerdings ist man leicht düpiert, dass die Bauherrschaft nur mit dem Kanton Kontakt pflegte. «Ich wundere mich schon etwas, dass die Initianten nicht auch auf die Stadt zukamen», sagt Baustadtrat Josef Lisibach (SVP). Ausser einem Telefon vor Jahren habe es keinerlei Kontakte gegeben. Die Stadt werde das Baugesuch nun prüfen und sei gespannt, ob Einsprachen eingehen würden.

Vorbehalte und Befürchtungen hegt etwa die Naturschutzorganisation AquaViva, der frühere Rheinaubund. «Wir hatten noch keine Einsicht in die Unterlagen, sondern bekamen lediglich eine grobe Übersicht», sagt Andri Bryner, der als lokal verankertes Vorstandsmitglied für diese Sache zuständig ist. Sein erster Eindruck sei, so Bryner: «Das Landschaftsbild und die Naherholung werden zu wenig berücksichtigt. Und das Gewässer wird beeinträchtigt.» Der Wasserfall werde während eines Grossteils des Jahres keiner mehr sein. Bryner schätzt, dass der private Profit in der Wespimühle grösser sei als der öffent­liche und ökologische Nutzen.

Naturfotograf Märki besorgt

Und noch einen Naturfreund gibts, der das geplante Kraftwerk ablehnt: den Wülflinger Fotografen Beat Märki, der sich auf Natur- und Unterwasserfotografie spezialisiert hat und von dem auch das nebenstehende Bild ist. «Das ist nur eine der vielen Schönheiten dort unterhalb des Wasserfalls», sagt er und schwärmt vom sechs Meter tiefen Kolk. So nennen die Fachleute die natürliche Vertiefung unterhalb von Fällen, die sich über Jahrhunderte und Jahrtausende bilden. «Das würde aufgefüllt» ist Märki sicher. «Jetzt kühlen sich dort Schwärme von Forellen ab bei 10 Grad Wassertemperatur.»

Erstellt: 10.07.2015, 21:51 Uhr

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