Altstadt

«Wieso geht es denn in Zürich und hier nicht?»

Der Präsident der Untertor-Vereinigung wollte die Gassen im Bereich Untertor beflaggen lassen. Doch der Stadtrat erteilt dem Anliegen eine Absage.

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Urs Schoch, der umtriebige Präsident der Untertor-Vereinigung, spazierte eines Tages im letzten Sommer in Zürich die Storchengasse entlang und freute sich über die Beflaggung der Gasse. Wenig später war eine Idee geboren: Weshalb nicht auch das Untertor und die Nebengassen mit Flaggen schmücken?

Schoch wandte sich für Abklärungen an die Vereinigung Storchengasse Strehlgasse in Zürich, liess Offerten sowie eine Visualisierung erstellen und wandte sich schliesslich Anfang Dezember letzten Jahres schriftlich mit einem Gesuch an den Stadtrat. Die Vereinigung bemühe sich um eine Attraktivitätssteigerung im Untertor. Die vorgesehene Beflaggung würde den Gassen ein freundliches, farbiges und einladendes Erscheinungsbild geben, heisst es im Schreiben.

Flaggen statt leere Lokale

Auf eine Antwort musste Schoch warten. Schliesslich hakte er im Februar nochmals nach. Die Vereinigung würde die Beflaggung gerne im Frühjahr umsetzen. Auch um ein positives und sichtbares Zeichen für den Detailhandel in der Stadt zu setzen – im Moment würden ja leider eher die leer stehenden Ladenlokale das Bild der Innenstadt prägen. Man bitte um schnelle Antwort.

Mitte März kam diese. Der Stadtrat antwortete, man schätze zwar das Engagement, sehe in einer Beflaggung jedoch kein geeignetes Mittel zur Unterstützung des Detailhandels. In der recht ausführlichen Antwort erklärt er, weshalb. Eine temporäre hoheitliche Beflaggung des öffentlichen Luftraumes weise in Winterthur in der Regel auf ein Fest oder ausserordentliches Ereignis hin. «Mit einer dauerhaften Beflaggung würden Winterthur-Besuchende keinen Zusammenhang mehr zu einem zeitlich aktuellen Ereignis erkennen.»

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Zudem gebe es andere Interessen, die zu gewichten seien. So würden etwa Reklameschilder von anderen Läden in den Hintergrund treten und die Gasse sehe schnell überfüllt aus. Aber auch die Sicherheit wird als Argument gegen das Vorhaben aufgeführt. Bei einem Brand wäre etwa die Feuerwehr bei der Arbeit behindert.

«Persönliche Niederlage»

Urs Schoch ist über die Absage enttäuscht. «Ich betrachte das als persönliche Niederlage», sagt er. Er habe schon alles vorbereitet, um das Beflaggen bei der nächsten Versammlung der Untertor-Vereinigung genehmigen zu lassen. 25000 Franken hätte das Vorhaben gekostet, inklusive Einweihungsfest. In Untertor, Münzgasse und Bosshardengässchen hätte man rund 25 Flaggen mit den Massen 1,5 Meter mal 1,5 Meter aufhängen lassen, und zwar im Wechsel Schweiz- und Winterthur-Fahnen.

Geschlagen gibt sich Schoch jedoch noch nicht. «Ich verstehe nicht, weshalb das in Zürich möglich ist, nicht aber bei uns.» Dazu wolle er eine Erklärung. Die dortigen Flaggen hängen freilich nicht das ganze Jahr, sondern nur Sommer bis Herbst. Laut Schoch ist es auch keineswegs zwingend, dass das Untertor ganzjährig beflaggt ist. «Falls die Untertor-Vereinigung mitzieht, werde ich dem Stadtrat vorschlagen, die Flaggen zweimal jährlich für eine beschränkte Zeit auszuhängen.»

Die Chancen, dass der Stadtrat umschwenkt, scheinen klein. Denn er will mit einer Bewilligung auf keinen Fall ein Präjudiz schaffen. «Das kann nicht im Interesse der Altstadtverbände, der Bewohnenden und der Stadt sein», heisst es abschliessend.

Erstellt: 26.03.2019, 15:54 Uhr

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