Winterthur

Winterthurer Schiffsmotoren geraten trotz Megakrise kaum ins Stottern

In der Krise der weltweiten Handelsschiffahrt behauptet sich der Schiffsmotorenhersteller Winterthur Gas&Diesel bisher besser als die Konkurrenz. Auch Dank Subventionen aus China.

Weil die Reedereien vor zehn Jahren im Rausch viel zu viele Containerschiffe bestellt haben und sich die Weltwirtschaft nach der Krise von 2007/08 nur langsam erholt,gibt es heute massive Überkapazitäten. Der Schiffsmotorenhersteller Winterthur Gas&Diesel behauptete sich 2016 bisher vergleichsweise gut. Bild: © Winterthur Gas&Diesel

Weil die Reedereien vor zehn Jahren im Rausch viel zu viele Containerschiffe bestellt haben und sich die Weltwirtschaft nach der Krise von 2007/08 nur langsam erholt,gibt es heute massive Überkapazitäten. Der Schiffsmotorenhersteller Winterthur Gas&Diesel behauptete sich 2016 bisher vergleichsweise gut. Bild: © Winterthur Gas&Diesel

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Die Schifffahrtbranche durchlebt die stürmischste Zeit seit 30 Jahren. Was mit der Finanzkrise von 2007 begann, zieht sich nun weiter. Die Weltwirtschaft schwächelt nach wie vor (2015, +3 Prozent) und wird sich gemäss Prognosen des Internationalen Währungsfonds nur langsam erholen. Weil rund 90 Prozent des globalen Handels über die Meere abgewickelt werden, trifft es die Containerschifffahrt besonders hart. Kommt hinzu, dass die Reedereien weltweit ihre Handelsflotten in der Euphorie vor dem grossen Knall der Lehman-Pleite von 2008 massiv aufgerüstet haben. Heute werden die Frachter aufgrund des Überangebots an Tonnage (Frachtraum) kaum mehr gechartert und die Preise dafür sind im Keller, auch wenn die Nachfrage wieder leicht anzieht. Südkoreas grösste Reederei Hanjin mit 142 Container- und Massengutfrachtern musste bereits Insolvenz anmelden, und gemäss der Fachpresse drohen weitere Pleiten.

Das trifft letztlich auch die Unternehmen am Ende der Kette, den Schiffsbau und deren Zulieferer, wie die Firma Winterthur Gas&Diesel (WinGD, Ex-Wärtsilä). Diese entwickelt in Winterthur unter anderem 2-Takt-Dieselmotoren für Mega-Containerschiffe.

Vom Kuchen bleiben ein paar Krümel

Weltweit sind die Bestellungen neuer Schiffmotoren in diesem Jahr um rund 70 Prozent eingebrochen, von über 1600 auf rund 500 grössere Handelsschiffe. WinGD, die Wärtsilä (30 Prozent) und der chinesischen Staatswerft CSSC (70 Prozent) vor zwei Jahren in einem Joint Venture gegründet haben, muss ebenfalls auch einen massiven Bestellungsrückgang verbuchen. Gegenüber der Konkurrenz konnte sie sich allerdings behaupten. «Unser weltweite Marktanteil ist um 15 Prozent gestiegen, auf rund 34 Prozent», sagt WinGD-CEO Martin Wernli. Geschäftszahlen veröffentlicht weder WinGD noch CSSC.

WinGD, so Wernli, profitiere derzeit davon, dass es breit aufgestellt und hochdiversifiziert sei. Die Palette reicht von sehr starken langsamen Motoren mit bis zu 100 000 PS bis zu kleinen mittelschnellen Motoren (zwischen 6 und 15 Megawatt Leistung, 80 bis 120 Umdrehungen pro Minute). Letztere werden in kleineren und mittelgrossen Tankern verbaut, die spezielle Güter wie Gas, chemische Stoffe oder Bitumen (Erdpech) transportieren und trotz Krise immer noch gebraucht und gebaut werden. Inzwischen macht WinGD in diesem Segment rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes.

Angekündigt hat WinGD bei seiner Gründung auch, dass es verstärkt auf die saubereren Gas-Motoren setzen will. Mit diesen wird vor allem in Gewässern mit besonders strengen Umweltauflagen gefahren, wie der Ostsee oder entlang der Küstenstreifen Nordamerikas. Der anhaltend tiefe Ölpreis drückt die Nachfrage nach sauberen Technologien allerdings. «Wir mussten daher einige Projekte sistieren», sagt Wernli. Aber man sei sich sicher, dass die Nachfrage nach effizienten Gas-Motoren weiter steigen werde. Von der derzeit boomenden Kreuzschifffahrt kann WinGD aber nicht profitieren. Deren riesigen Schiffe fahren vor allem mit dieselelektrischem Antrieb.

China sichert Winterthurer Arbeitsplätze

Vom Joint Venture mit CSSC versprach sich Wärtsilä unter anderem einen besseren Zugang zum chinesischen Markt, der derzeit ebenfalls brach liegt. «Hier liegen wir noch etwas hinter den Erwartungen», sagt Wernli. Gewachsen ist der Marktanteil von WinGD in den letzten zwei Jahren eher in Südkorea und Japan. Wärtsiläs Partner CSSC plane längerfristig.

Dank eines fünfjährigen vom chinesischen Staat finanzierten Förderprogramms bewegt sich WinGD auch in nächster Zeit in ruhigen Gewässern. In Winterthur, so Wernli, werde die Firma die aktuell rund 260 Vollzeitstellen in den nächsten Jahren sogar leicht aufstocken können. ()

Erstellt: 21.10.2016, 17:54 Uhr

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