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Winterthurer Telefonfirma zieht Rentner über den Tisch

Vorsicht bei Anrufen der Firma Datenschutzzentrale.ch: Wer falsch reagiert, erhält eine Rechnung. So funktioniert die Masche.

Über ein Dutzend Beschwerden über die Winterthurer Firma sind bekannt.
Über ein Dutzend Beschwerden über die Winterthurer Firma sind bekannt.
Keystone

Die Winterthurer Firma Datenschutzzentrale (DSZ) verspricht Schutz vor unerwünschten Werbeanrufen. Dabei gehen ihre Telefonmarketing-Agenten selber recht unzimperlich vor, wenn sie bei potenziellen Kunden anrufen. Wer nicht aufpasst, hat am Ende eine Rechnung im Briefkasten: Ein Jahresabo «Werbeschutz Basic» für 98 Franken. Ein Produkt, das viele Betroffene, oft sind es Rentner, nie wissentlich bestellt haben.

Ein neuer Fall zeigt, mit welchen Tricks die Verkäufer vorgehen. Auf der Aufnahme eines Verkaufsgespräch ist laut «Blick» zu hören, wie der Telefonagent Fragen stellt, die nur mit Ja beantwortet werden können. «Heissen Sie Irma H., sind Sie volljährig, wohnen Sie in Zürich?» Dazwischen mischt er die Frage, ob sie einen Werbeschutz buchen möchte. Irma H., 86 Jahre alt und mit körperlichen sowie geistigen Gebrechen, sagt Ja. Ohne es zu merken, hat sie einen Vertrag abgeschlossen.

Über ein Dutzend Fälle

Hinter der Firma steht P.F., Mitte zwanzig und wohnhaft in Winterthur. Der junge Unternehmer ist Gründer, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der DSZ GmbH. Bereits im Alter von 20 Jahren gründete er die Swiss Professional Finanz GmbH, welche laut Handelsregistereintrag Versicherungs- und Bankprodukte vermittelte. Sie ist inzwischen liquidiert.

In Konsumentenschutzkreisen ist F.s neue Firma bekannt. Der «Beobachter» berichtete von einem Dutzend Fällen. Auf unbezahlte Rechnungen liess DSZ Mahnungen folgen, samt Gebühr von 60 Franken. Dann wurde mit Betreibung gedroht. Auch das SRF-Konsumentenschutzmagazin «Espresso» weiss von einem Fall, in dem die Firma eine demente Frau im Altersheim anrief und ihr ein Abo verkaufte.

«Alles rechtens»

Auf Anfrage wollte der Geschäftsführer F. keine Stellung nehmen zu den negativen Berichten, da er im Moment keine Zeit habe. Stattdessen fragte er, woher der «Landbote» seine Nummer habe.

In der Vergangenheit stellte sich die Firma auf den Standpunkt, dass ihre Geschäfte rechtens ablaufen, zuletzt diese Woche im «Blick». Dem widersprechen Kunden: Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco bestätigt, dass gegen die Firma mehrere Beschwerden eingegangen sind.

Wer zahlt, erhält «Keine Werbung»-Kleber

Was das 98 Franken teure Abo rechtfertigt, ist fraglich. Die Firma DSZ beantragt für ihre Kunden einen Sterneintrag im Telefonverzeichnis und blockiert Werbeanrufe beim Telefonanbieter, was Swisscom und UPC kostenlos anbieten. Ausserdem verspricht sie auf der Webseite telefonische Rechtsberatung, wenn man das Gefühl hat, «bei einem Anruf über den Tisch gezogen» zu werden. Zu guter Letzt erhalten Kunden einen «Keine Werbung»-Kleber.

Angebot, Auftritt und Vorgehen der Firma erinnern an «Werbesperre.ch»: Deren Betreiber, ein 33-jähriger Italiener, erhielt im Oktober 2019 wegen unlauterem Wettbewerb eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Das Bezirksgericht Zofingen AG liess die Bankguthaben der Firma von rund 200 000 Franken einziehen. Die «Werbesperre»-Agenten liessen die Angerufenen im Glauben, mit einer mündlichen Zusage am Telefon würden sie nur eine Offerte oder Informationsmaterial der Firma erhalten.

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