Karimowas Millionen: Jetzt macht der Ex-Mann Ansprüche geltend

800 Millionen der usbekischen Präsidententochter wurden in der Schweiz eingefroren. Jetzt will Mansur Maqsudi seinen Teil.

Hatte in der Schweiz Schmuck im Wert von 38 Millionen Franken gekauft: Gulnara Karimowa, Tochter des ehemaligen Präsidenten Usbekistans. Foto: Getty Images

Hatte in der Schweiz Schmuck im Wert von 38 Millionen Franken gekauft: Gulnara Karimowa, Tochter des ehemaligen Präsidenten Usbekistans. Foto: Getty Images

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«Meine Familie wird nicht erlauben, dass dieser Diebstahl unter den Teppich gekehrt wird», sagt Mansur Maqsudi. «Auf jene, die damit zu tun hatten, werden schwere Zeiten zukommen.» Maqsudi ist Unternehmer in den USA und war zehn Jahre lang mit der usbekischen Präsidententochter Gulnara Karimowa verheiratet. Als die Ehe in Brüche ging, wurden ihm und seinem Bruder Farid sämtliche Vermögenswerte in Usbekistan weggenommen. Ihre Beteiligung am Joint Venture «Coca-Cola Bottlers Uzbekistan» ging über eine Zwischenfirma an die Schweizer Firma Zeromax.

Zeromax habe aber niemand anders als Gulnara Karimowa gehört, sagen die Maqsudis. Sie wollen als Schadenersatz 100 Millionen Franken aus jenem Vermögen Karimowas, das die Schweizer Bundesanwaltschaft einfrieren liess. «Schweizer Komplizen haben Karimowa geholfen, das Geld zu waschen. Schweizer Banken haben es versteckt», sagt Farid Maqsudi. «Die Schweizer Regierung soll nun das Richtige tun.»

Enteignung in Usbekistan

Seit vier Jahren sind rund 800 Millionen Franken in der Schweiz eingefroren. Warum kommt die Forderung der Maqsudis erst jetzt? «Meine Kinder wurden in Usbekistan als Geiseln gehalten», antwortet Mansur Maqsudi. «Ich kann erst handeln, seit sie in Sicherheit sind.»

Maqsudi stammt aus Afghanistan und kam als Kind in die USA. 1991 heiratete er die damals 19-jährige Karimowa. Sie bekamen einen Sohn und eine Tochter. Die Familie lebte abwechselnd in New Jersey und Usbekistan, wo Maqsudi mit seinem Bruder die Abfüllanlagen für Coca-Cola betrieb. Nach zehn Jahren endete die Ehe mit gegenseitigen Vorwürfen von Betrug, Schmuggel und Erpressung. Die «Washington Post» schrieb von einer «Battle Royal». Niemand wisse, «wer auf der richtigen Seite des Gesetzes stand», sagt Maqsudi heute.

Karimowa verliess die USA und nahm die Kinder ohne Einwilligung Maqsudis mit. Ein US-Gericht gab ihm zwar das Sorgerecht, aber das konnte er nie durchsetzen. In Usbekistan rächte sich der Karimow-Klan: Die Coca-Cola-Abfüllung wurde den Maqsudis weggenommen, drei Verwandte wurden verhaftet, über 20 weitere nach Afghanistan ausgeschafft.

Um weder die Verhafteten noch seine Kinder zu gefährden, mied Mansur Maqsudi die Öffentlichkeit. Das Gespräch mit dieser Zeitung ist sein erstes Interview seit langem. Es wurde via Skype geführt. Die Kinder befinden sich mittlerweile in London. Nun gehe es um die Wiedergutmachung für den wirtschaftlichen Schaden, sagen die Maqsudis. Dass die Schweiz Karimowas Vermögen an Usbekistan überweisen wolle, sei «Grund zu grosser Sorge».

Gegen Karimowa und drei Mitarbeiter wird in der Schweiz seit 2014 wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt. Doch die Tochter des 2016 verstorbenen Diktators Islam Karimow ist für die Schweizer Justiz unerreichbar. Sie soll in Usbekistan wegen Steuerhinterziehung und Betrugs zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden sein.

Video: Karimowa versuchte sich auch schon als Popsängerin

Das historische Zentrum Bucharas musste für diesen Dreh tagelang gesperrt werden: Die Präsidententochter inszeniert sich auf menschenleeren Plätzen. Video: YouTube / RealGoogoosha

Nun steht die Bundesanwaltschaft vor dem Problem, was mit dem beschlagnahmten Vermögen geschehen soll. Die Begehrlichkeiten sind gross. Der usbekische Staat unter dem neuen Präsidenten, Schawkat Mirsijojew, behauptet, dass Karimowa die Millionen als Schmiergeld kassiert und damit den Staat geschädigt habe. Deshalb stehe das Geld dem Staat zu. Der Schweizer Bundesrat sieht das offenbar ebenso und traf am 9. Mai 2018 den vorläufigen Entscheid, das Vermögen an Usbekistan zu übergeben. Kurz danach jubelte eine usbekische Nachrichtenagentur über «eine baldige Lösung positiver Art».

Diese Lösung wollen jedoch die Gläubiger der bankrotten Zuger Firma Zeromax verhindern. Die Firma kontrollierte den Rohstoffhandel für Usbekistan, hatte brasilianische Fussballer unter Vertrag und beauftragte deutsche Firmen mit dem Bau eines Prunkpalastes in Taschkent. 2010 ging Zeromax in Konkurs und hinterliess über 5 Milliarden Franken Schulden.

Offiziell hatte Gulnara Karimowa in der Firma keine Funktion. Bei Durchsuchungen ihrer Villa und Safes in Genf fand die Bundeskriminalpolizei jedoch Schmuck im Wert von 38 Millionen Franken. Die Rechnungen waren auf Zeromax ausgestellt. Zeromax-Gläubiger sehen darin den Beweis, dass die Firma Karimowa gehörte. Die Bundesanwaltschaft schloss die Gläubiger jedoch vom Verfahren aus.

Zweifel an Reformen

Nun meldet mit den Brüdern Maqsudi eine weitere Partei Forderungen an. Die Brüder wollen nach Bern kommen und Dokumente als Beweisvorlegen, dass Zeromax Karimowa gehörte: «Wir verlangen von der Bundesanwaltschaft eine Prüfung.» Die Bundesanwaltschaft will sich dazu nicht äussern.

Mansur Maqsudi erinnert daran, dass der neue usbekische Präsident zuvor das brutale Regime von Islam Karimow als Regierungschef mitgetragen hat. Jetzt wolle Mirsijojew kleine Veränderungen als Reformen verkaufen. «Aber was ist das für ein Reformer, der Eigentumsrechte ignoriert und nichts tut, um den Rechtsstaat zu schützen?»

Die Schweiz solle Karimowas Millionen besser behalten, fügt Farid Maqsudi hinzu: «Wenn der Bundesrat das Geld sofort und ohne Bedingungen zurückgibt, senkt er damit die Chancen auf Reformen.» Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hält eine Entscheidung über die Verwendung der 800 Millionen aber ohnehin für «verfrüht»: Die Rückführung der usbekischen Vermögenswerte sei erst dann möglich, «wenn in der Schweiz alle juristischen Verfahren abgeschlossen sind».

Erstellt: 16.01.2019, 10:25 Uhr

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