Sika übernimmt Mörtelhersteller für 2,5 Milliarden Franken

Saint-Gobains Übernahmeversuch blieb erfolglos. Nun tätigt der Baarer Konzern selber eine Milliardenakquisition in Frankreich.

Das Mörtelgeschäft wird sich mehr als verdoppeln: Sika-Produktion in Düdinen FR. (Archiv)

Das Mörtelgeschäft wird sich mehr als verdoppeln: Sika-Produktion in Düdinen FR. (Archiv)

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Der Bauchemikalienhersteller Sika wildert im Revier seines französischen Grossaktionärs Saint-Gobain. Für 2,5 Milliarden Franken schnappen sich die Innerschweizer den Mörtelproduzenten Parex. Damit wächst das sehr profitable Mörtelgeschäft bei Sika um mehr als das Doppelte. Das ist der grösste Deal in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Bis vor wenigen Monaten noch steckte Sika in einem Abwehrkampf gegen den Verkauf an Saint-Gobain. Im Mai beendeten die involvierten Parteien ihren langjährigen Streit um die Kontrolle des Unternehmens. Seither ist die französische Konkurrentin, die ebenfalls im Mörtelgeschäft tätig ist, mit 10 Prozent an Sika beteiligt.

Und diese Saint-Gobain ist die Weltmarktführerin für Mörtelprodukte. 2017 setzten die Franzosen mit Fertigmörtel, Produkten für die Fliesenverlegung und Bodenbelägen rund 2,3 Milliarden Euro um. Mit dem Kauf von Parex holt Sika nun kräftig auf: Sika wächst in diesem Bereich auf rund 2,3 Milliarden Franken. Insgesamt erreicht die Sika-Gruppe mit dieser Akquisition einen Umsatz von rund 8,3 Milliarden Franken.

Sika selbst forciert den Aufbau des Geschäftsbereiches Mörtel erst seit rund acht Jahren gezielt. Dieser gehört nach eigenen Angaben zu den fünf Kerntechnologien des Konzerns. Nach Abschluss der Parex-Transaktion wird Sika mit Mörtel bereits 27 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaften.

Appetit vorerst gestillt

Den Aktionär und Konkurrenten Saint Gobain habe man erst am Vorabend informiert, sagte Konzernchef Paul Schuler am Dienstag vor den Medien. In Paris habe man die Neuigkeit «gelassen» aufgenommen - wohl auch im Wissen, dass man selber aus kartellrechtlichen Überlegungen wohl kaum zum Zuge gekommen wäre. «Sie wissen jetzt, dass ihre Konkurrenz stärker wird», stellte Schuler fest.

Noch befindet sich Parex im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft CVC Capital Partners. Die Übernahme erfolget gestaffelt. Geben der französische Betriebsrat und die Aufsichtsbehörden grünes Licht, dürfte die Transaktion im zweiten oder dritten Quartal 2019 abgeschlossen sein.

Sika finanziert die Übernahme mit einem Überbrückungskredit von UBS und Citibank. Für die Aktionäre soll die Transaktion ab dem ersten Jahr wertsteigernd sein. Üblicherweise kauft Sika über das Jahr hinweg mehrere, kleinere Mitbewerber. 2018 etwa waren es deren vier. Darum gilt es den Happen Parex jetzt aber erst einmal zu verdauen. «Jetzt gibt es wohl eine Pause bei den grossen Deals», erklärte Konzernchef Schuler. Er erteilte auch den Spekulationen, Sika könnte sich bald auch das Bauchemiegeschäft des Mitbewerbers BASF einverleiben, eine Absage. Dieses steht seit letztem Oktober zum Verkauf.

Umsatz erstmals über 7 Milliarden

Gleichzeitig machte Sika erste Angaben zum Geschäftsjahr 2018. Der Umsatz in Lokalwährungen stieg um 13,7 Prozent auf 7,09 Milliarden Franken, womit die Erwartungen der Analysten erfüllt wurden. Gerade die gezielte Ausrichtung auf Grossstädte zur Nutzung der Urbanisierung hat sich laut Sika bezahlt gemacht.

Für das Gesamtjahr 2018 stellt der Konzern einen operativen Gewinn Ebit von 940 bis 960 Millionen Franken in Aussicht. Für das gerade angelaufene Jahr 2019 rechnet Sika mit einem Umsatzplus von 6 bis 8 Prozent sowie einer überdurchschnittlichen Gewinnsteigerung.

Wenngleich die Akquisition von Experten mehrheitlich gelobt wurde, schickte die Börse die Sika-Papiere bis 13 Uhr um rund 3 Prozent nach unten. Als Hauptgrund galten die neusten Aussagen zur Profitabilität im letzten Jahr, die deutlich unter den Erwartungen lagen. Vor allem anziehende Rohmaterialkosten, der starke Schweizer Franken sowie verschiedene Einmalkosten, wie etwa für die Beilegung des Übernahmestreites, hatten die Rechnung stärker belastet. (sep/sda)

Erstellt: 08.01.2019, 08:21 Uhr

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