US-Notenbank interveniert erstmals seit Finanzkrise

Nach Jahren des Wachstums droht den USA ein Konjunktureinbruch. Investoren erwarten heute eine weitere Zinssenkung des Fed.

Zentralbankchef Jerome Powell hält sich bedeckt, wenn es um seine Pläne auf dem Finanzmarkt geht. (31. Juli 2019) Foto: Manuel Balce Ceneta/Keystone

Zentralbankchef Jerome Powell hält sich bedeckt, wenn es um seine Pläne auf dem Finanzmarkt geht. (31. Juli 2019) Foto: Manuel Balce Ceneta/Keystone

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Ein plötzlicher Liquiditätsengpass am amerikanischen Geldmarkt hat die US-Notenbank Fed auf den Plan gerufen. Erstmals seit der schweren Finanzkrise vor rund zehn Jahren musste die Zentralbank auf dem Interbankenmarkt intervenieren.

Am Dienstagabend hiesiger stellte sie den Geschäftsbanken über spezielle Wertpapiergeschäfte 53,2 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Zugleich kündigte sie an, am Mittwoch ein weiteres Geschäft dieser Art durchzuführen.

Grund für den Sondereinsatz der Notenbank ist ein Mangel an Liquidität auf dem amerikanischen Geldmarkt. Dort handeln die Banken mit nicht benötigten Finanzmitteln. Als mögliche Gründe für den Mangel vermuten Experten Steuerzahlungen der Unternehmen und Käufe neuer Staatsanleihen durch amerikanische Banken. Aufgrund der hohen Haushaltsdefizite der USA ist das Angebot an neuen US-Staatsanleihen derzeit hoch.

Der Zinssatz am amerikanischen Interbanken- oder Geldmarkt war am Dienstag in der Spitze auf zehn Prozent gestiegen. Das ist das Vierfache der Obergrenze von 2,25 Prozent, die die US-Notenbank mit ihrer Geldpolitik anstrebt. Die Leitzinsspanne der Fed von gegenwärtig 2,0 bis 2,25 Prozent gibt die Spanne vor, zu der die Banken am Geldmarkt überschüssige Liquidität handeln sollen. Nach dem Eingreifen der Notenbank ging der Geldmarktzins wieder zurück.

Handelskrieg mit China lastet auf der Konjunktur

Der Handelskrieg mit China belastet die US-Wirtschaft. Die Notenbank Fed versucht einen Konjunktureinbruch zu verhindern. Analysten zufolge will die US-Notenbank Fed mit einer weiteren Zinssenkung einen drohenden Konjunktureinbruch verhindern. Investoren erwarten mehrheitlich, dass die Zentralbanker bei ihrer Sitzung am (heutigen) Mittwoch eine Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte beschliessen werden. Ende Juli hatte das Fed den Leitzins bereits in gleichem Masse auf die Spanne von 2 bis 2,25 Prozent reduziert.

Die US-Wirtschaft wächst bereits seit zehn Jahren. Es ist der längste dokumentierte ununterbrochene Aufschwung, doch inzwischen mehren sich die Warnsignale. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist weiter niedrig, aber das Wachstum hat sich zuletzt abgeschwächt. Der von Präsident Donald Trump angezettelte Handelskrieg mit China lastet auf der Konjunktur. Unternehmen fahren Investitionen zurück, Investoren sind nervös. Daten vom Anleihenmarkt liessen eine Rezession befürchten, so der Tenor.

Wirtschaft hofft auf Hilfe

Politik und Finanzmärkte hoffen daher auf vorauseilende Hilfe der Notenbank. Eine weitere Zinssenkung würde der sich abkühlenden Wirtschaft neuen Schwung geben. Zudem wäre es ein deutliches Signal an skeptische Investoren, dass das Fed zu handeln bereit ist. Trotzdem dürfte sich die Reaktion der Märkte zunächst in Grenzen halten, weil eine Absenkung allgemein erwartet wird.

Zentralbankchef Jerome Powell hatte sich vor der Sitzung in seinen öffentlichen Äusserungen bedeckt gehalten: Er deutete keine konkreten Zinsschritte an, er sagte aber auch nichts, was die Erwartung der Märkte nach einer weiteren Zinssenkung erschüttert hätte. Powell erklärte, die Konjunktur sei weiter robust. Die Zentralbank sei aber entschlossen, dafür zu sorgen, dass der Motor weiter brumme.

«Wir prognostizieren und erwarten keine Rezession», sagte Powell Anfang September. Gleichzeitig räumte er ein, dass seit der letzten Fed-Sitzung im Juli viel passiert sei, was Auswirkungen auf die Konjunktur haben könnte, darunter die Ankündigung neuer Strafzölle zwischen den USA und China sowie Spannungen im Nahen Osten.

Trump fordert seit Monaten

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, weswegen Firmen leichter investieren können und viele Bürger weniger für den Schuldendienst ausgeben müssen - sie haben so mehr Einkommen zur Verfügung.

Für US-Präsident Donald Trump dürfte die erwartete Zinssenkung jedoch nicht genug sein. Er fordert das unabhängige Fed bereits seit Monaten auf, die Zinsen deutlich zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Er will gut ein Jahr vor der Präsidentenwahl keinen Konjunktureinbruch riskieren. (aru/sda)

Erstellt: 18.09.2019, 10:52 Uhr

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