Wer übernimmt das Zepter bei der UBS?

Seit acht Jahren stehen Sergio Ermotti und Axel Weber der UBS vor. Nun wird es Zeit für einen Wechsel.

Wer werden ihre Nachfolger sein? CEO Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Foto: Reuters

Wer werden ihre Nachfolger sein? CEO Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Foto: Reuters

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Unausweichlich, aber nicht unmittelbar bevorstehend: Das gilt für die Wechsel an der Spitze der UBS, sowohl für die Nachfolge von CEO Sergio Ermotti als auch von Verwaltungsratspräsident Axel Weber.

«Der CEO und ich sind im achten Jahr bei der Bank», sagte Weber am Montag dem Fernsehsender Bloomberg. «Es ist Zeit, darüber nachzudenken, was zu tun ist, und wie man die Bank an Nachfolger übergeben will.» Er spreche dabei bewusst im Plural, sagte Weber, betonte aber, dass nichts unmittelbar bevorstehe: «Die Diskussionen befinden sich in einer sehr frühen Phase.»

Auslöser für die Nachfolgediskussionen war der Abgang von Andrea Orcel, berichtet eine Person, die in regelmässigem Kontakt mit der UBS-Führung steht. Der Abgang des Chefs der UBS-Investmentbank habe dem Verwaltungsrat drastisch vor Augen geführt, wie dünn die Pipeline interner Nachfolger ist. Orcel galt lange als Kronfavorit, und er hatte die Ambition, einst die Nachfolge von Ermotti anzutreten. Doch im Herbst verliess der Investmentbankchef die UBS überraschend, um CEO der spanischen Grossbank Santander zu werden – ein Weckruf für Ermotti und den Nominationsausschuss des Verwaltungsrats.

Der UBS-Verwaltungsrat hat seine Aktivitäten erhöht, um einen Nachfolger für ihn zu finden: UBS-CEO Sergio Ermotti. Foto: Reuters

In der Neujahrswoche wurde in den Medien breit über die Nachfolge von Ermotti und von Weber spekuliert. Bloomberg berichtete, der UBS-Verwaltungsrat hätte die Aktivitäten erhöht, einen Nachfolger für Sergio Ermotti zu finden. Dabei sei das Gespräch mit potenziellen externen Kandidaten gesucht worden, namentlich mit Christian Meissner. Der Österreicher ist zehn Jahre jünger als Ermotti und hatte vor Weihnachten seinen Job als Chef der Investmentbank der Bank of America aufgegeben.

Personen, die Meissner persönlich kennen, sowie Stimmen von innerhalb der UBS bezweifeln im Gespräch mit der Zeitung «Finanz und Wirtschaft», dass der Investment Banker und M&A-Berater der passende Mann für den CEO-Posten der UBS wäre: Die Zukunft der UBS liegt in der Vermögensverwaltung. In diesem Bereich ist UBS die globale Marktführerin. Im Investmentbanking bietet sie zwar ebenfalls umfassende Dienstleistungen an, liegt in diesem Geschäft jedoch international meilenweit hinter den US- Grossbanken.

Gesucht: Investment Banker

Zwei Investment Banker von ausserhalb der UBS sehen in der Doppelführung, die die UBS nach dem Abgang von Orcel auch in der Investment Bank installiert hat, eine Schwachstelle. Sie vermuten, dass der angebliche Kontakt zu Meissner in diesem Zusammenhang gesehen werden muss: einen neuen starken Mann für die Investmentbank zu finden. Gespräche mit weiteren Personen deuten jedoch darauf hin, dass Meissner überhaupt nicht zu UBS stossen wird – weder als CEO noch als Kopf für die Investmentbank. Zu möglichen Kontakten mit Meissner wollte sich ein UBS-Sprecher nicht äussern.

Er will bis 2022 im Amt bleiben: UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Foto: Reuters

Einig sind sich die Gesprächspartner der «Finanz und Wirtschaft» jedoch darin, dass die Ablösung von CEO Ermotti – auch wenn sie nicht unmittelbar bevorsteht – vor dem Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Weber erfolgen dürfte. Weber hat die Ambition, bis 2022 im Amt zu bleiben. Und zweifellos will (und sollte) er bis dahin die Nachfolge der operativen Führungsspitze der UBS geregelt haben.

Ob das bestehende Personal der UBS dafür taugt, ist zweifelhaft: Die beiden Co-Präsidenten der Vermögensverwaltung, Tom Naratil und Martin Blessing, denen Ambitionen auf den Posten nachgesagt werden, sind fast so alt wie Ermotti. Der starken Frau der UBS, COO Sabine Keller-Busse, fehlt es an Fronterfahrung.

Es könnte sich als notwendig erweisen, die Investmentbank in neue Hände zu übergeben, und zwar an eine einzige Person, die die Kontrolle dieses Geschäfts sicherstellt. So würde Spielraum zur Besetzung des CEO-Postens geschaffen. Das würde es erlauben, statt eines Allrounders einen CEO zu bestimmen, der sich voll auf die Vermögensverwaltung konzentrieren kann. Sie bildet den Kern der UBS-Strategie, und in ihr liegt die Zukunft der Bank.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 10.01.2019, 15:41 Uhr

Das letzte Wort hat der Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat verfügt im schweizerischen Gesellschaftsrecht generell über eine sehr starke Stellung. Gemäss Reglement der UBS darf ein Mitglied dieses Gremiums bis zu zwölf Jahre nacheinander im Amt bleiben.

Unter besonderen Umständen kann der Verwaltungsrat diese Limite sogar erhöhen. So lange bleibt kein CEO auf seinem Posten. UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber will bis 2022 bleiben – zehn Jahre lang.

Der CEO macht Vorschläge

Für die UBS relevant sind neben den Bestimmungen des Schweizer Obligationenrechts zusätzlich die Regeln der Finma. 2017 setzte die Finanzmarktaufsichtsbehörde das «Rundschreiben Corporate Governance» in Kraft, das weitergehende Bestimmungen als das OR enthält. Ausserdem gelten für UBS die Regeln der New York Stock Exchange und allfällige Vorschriften von weiteren Börsenplätzen, an denen UBS-Aktien gehandelt werden.

Gemäss Organisationsreglement entscheidet der Verwaltungsrat unter der Leitung des Verwaltungsratspräsidenten nicht nur letztinstanzlich über die Strategie des Konzerns. Etliche Personalentscheide gehören auch in den Kompetenzbereich des VR. Er ernennt die Mitglieder der Konzernleitung und setzt sie ab. Es ist zwar an CEO Sergio Ermotti, personelle Vorschläge zu machen. Effektiv ernannt werden müssen aber alle Geschäftsleitungsmitglieder vom Verwaltungsrat.

Unabhängigkeit ist gefragt

Die Finma schreibt allen Banken vor, dass das Oberleitungsorgan mindestens zu einem Drittel aus unabhängigen Mitgliedern besteht. Wer eine qualifizierte Beteiligung hält, die Prüfgesellschaft vertritt oder geschäftliche Beziehungen zum Institut unterhält, ist abhängig. Ein Verwaltungsratsmitglied gilt hingegen als unabhängig, wenn es nicht in anderer Funktion beim Institut beschäftigt ist und dies auch nicht innerhalb der letzten zwei Jahre gewesen ist.

Es wäre zumindest theoretisch denkbar, dass Sergio Ermotti von der Konzernleitung in den Verwaltungsrat aufsteigt, wie das Urs Rohner von der Credit Suisse getan hat.

Die Nachfolgeplanung ist die nobelste Aufgabe des VR-Präsidenten und der Mitglieder des Governance and Nominating Committee. Der VR-Präsident und der Ausschuss sind verpflichtet, die Nachfolgeplanung für alle Konzernleitungsmitglieder und den CEO zu überwachen und umzusetzen. Ebenso müssen sie Vorschläge für die Ernennung neuer Manager zuhanden des Verwaltungsrats ausarbeiten.

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