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«Bei diesem Virus bleibt keine Zeit, über Preise zu verhandeln»

Für Roche-Chef Severin Schwan ist China ein wichtiger Markt der Zukunft. Der Konzern spendet Coronavirus-Tests und will so Wohlwollen aufbauen.

CEO Severin Schwan an der jährlichen Roche-Konferenz in Basel am 30. Januar. Foto: Arnd Wiegmann
CEO Severin Schwan an der jährlichen Roche-Konferenz in Basel am 30. Januar. Foto: Arnd Wiegmann

Herr Schwan, Umsatz und Gewinn von Roche steigen, doch Ihr Gehalt liegt mit 11,5 Millionen Franken leicht tiefer. Warum denn das?

Ich bin gut bezahlt. Der entscheidende Punkt der Vergütung ist doch, dass sie an den Erfolg geknüpft ist. Damit haben Sie die Gewissheit, dass die Aktionäre, Mitarbeiter und auch die Allgemeinheit profitieren. Denn mit dem Erfolg sind ja auch Investitionen, Arbeitsplätze und ein Steueraufkommen verbunden.

Also hängt Ihr Bonus nicht nur vom finanziellen Konzernerfolg ab?

Neben finanziellen Kennzahlen spielen auch die Entwicklung der Pipeline mit neuen Medikamenten eine Rolle. Und wir haben konkrete Ziele in Sachen Nachhaltigkeit.

Wenn Sie hier Erfolg hatten, warum sank dann Ihre Vergütung?

Der jährliche Bonus ist unverändert. Bezüglich der langfristigen Vergütungskomponenten gab es Verschiebungen zwischen Aktien und Optionen.

Die Angst vor dem Coronavirus dominiert die Schlagzeilen. Ist das für Roche eine Geschäftschance?

Wir sind die Ersten, die einen Test zur Identifizierung des Virus auf den Markt gebracht haben. In China haben wir zudem bereits Diagnosegeräte und die dafür benötigten Reagenzien gespendet. Ein Virus verbreitet sich exponentiell, da bleibt keine Zeit, über Preise zu verhandeln. Für die Geschäftszahlen von Roche ist der Virustest daher von untergeordneter Bedeutung. Aber wir bauen Goodwill bei Regierung und bei Kunden auf. Noch heute sprechen mich Kunden und Behörden in China darauf an, dass wir bereits in der Sars-Krise unsere Tests schnell und gratis bereitgestellt hatten.

Inwieweit leidet bei Roche das Geschäft durch die Einschränkungen, sich frei bewegen zu können?

Das ist schon ein Problem, denn in der Diagnostik müssen wir Geräte und Verbrauchsmaterialien den Kliniken liefern. Das ist nicht so einfach, wenn ganze Städte abgeriegelt sind. Wir stehen hierzu mit den Behörden in Kontakt und haben Wege gefunden, weiterhin die Spitäler versorgen zu können. Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist sehr gut.

Unabhängig vom Coronavirus – wie schätzen Sie das Chinageschäft für Roche ein?

China ist für die kommenden Jahrzehnte ein ganz wichtiger Markt für uns. Immer mehr Menschen bekommen Zugang auch zu innovativen Medikamenten. Und das Land hat sich zum Ziel gesetzt, im Bereich Life Science zum weltweiten Champion zu werden. Damit hat China ein Eigeninteresse an guten Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen: Der Patentschutz ist gut. Es werden Milliarden in die Grundlagenforschung investiert. China will die USA auch bei der Zulassungsgeschwindigkeit von neuen Medikamenten schlagen, was zusätzliche Forschung und Entwicklung ins Land bringt. Deswegen bin ich insgesamt sehr, sehr zuversichtlich, was China betrifft. Auch wenn das heisst, dass wir eines Tages sehr grosse chinesische Wettbewerber haben werden – so, wie sie heute aus den USA kommen.

«Für die Geschäftszahlen von Roche ist der Virustest von untergeordneter Bedeutung. Aber wir bauen Goodwill bei Regierung und bei Kunden auf.»

Noch aber sind die USA der grösste Markt. Riskieren Sie nicht Ärger, wenn Sie in China immer mehr patentgeschützte Mittel billiger verkaufen als dort?

Das haben wir doch heute schon mit Europa, wo das Preisniveau niedriger ist. Auf der anderen Seite profitieren die USA überproportional von den Investitionen und Steuerzahlungen unserer ganzen Branche. Auch die Patienten haben Vorteile, denn sie bekommen die Neuheiten meist früher als Patienten im Rest der Welt.

Wie gross ist die Gefahr, dass nach der Wahl die US-Medikamentenpreise dort unter Druck geraten durch Reformen?

Wir glauben, dass wir weniger exponiert sind, denn wir stellen vor allem innovative und zum Teil lebensrettende Medikamente her. Die Nachfrage nach ihnen bleibt stark, und ich glaube, dass sie in den USA immer den Weg zum Patienten finden werden.

Auch wenn eine Gesundheitsreform kommt?

Es besteht sicher Reformbedarf. Den sehe ich aber primär im US-Versicherungssystem. Dort gibt es das Problem, dass die Versicherten unglaublich hohe Zuzahlungen für Medikamente leisten müssen. Das führt dazu, dass ein Patient, der an einer schwerwiegenden Krankheit erkrankt, sich die Medikamente oft nicht leisten kann. Das Problem ist die Höhe der Zuzahlung, nicht des Preises des Medikaments. Wir arbeiten politisch darauf hin, dass diese Zuzahlungen wieder bezahlbarer werden.

Was machen Sie da konkret?

Ein Punkt ist das nicht funktionierende Rabattsystem. Roche hat im vergangenen Jahr über 5 Milliarden Dollar Rabatte in das System gegeben. Das Problem ist, dass diese Preisnachlässe nicht beim Patienten ankommen. Das hat die Schweiz besser gelöst, hier ist die Franchise nach oben gedeckelt.

Vergangenes Jahr haben Sie einige Firmen wie Spark gekauft. Was kommt 2020?

Unsere Politik in puncto Übernahmen bleibt unverändert. Wir sind nach wie vor an Technologien und Produkten interessiert, die unser Portfolio ergänzen. Wie viel wir dafür ausgeben wollen, dazu möchte ich keine Zahl nennen, es geht aber um Ergänzungskäufe, nicht um einen Megamerger.

Roche hat ein neues Mittel gegen die Muskelschwäche SMA in der Entwicklung. Werden Sie damit das teuerste Medikament der Welt, Zolgensma von Novartis, das 2 Millionen kostet, unterbieten?

Unser Mittel soll eine wichtige Option für die Patienten werden. Jede Therapie hat Vor- und Nachteile. Den Preis haben wir noch nicht festgelegt, aber wir haben auch in der Vergangenheit bereits Neuheiten günstiger auf den Markt gebracht im Vergleich zu den Kosten des jeweiligen Behandlungsstandards – selbst dann, wenn unser Mittel besser war. Ein Beispiel hierfür ist unser Blutermittel Hemlibra.

Am Ende noch eine ganz andere Frage: Sie sind Vizepräsident von Credit Suisse. Wie sehen Sie die aktuelle Krise dort?

Sie werden verstehen, dass ich dazu nichts sagen werde. Einzelne Verwaltungsräte sollten sich grundsätzlich nicht öffentlich äussern. So halten wir es bei Roche im Übrigen auch.

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