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Jordans SNB wegen Corona unter Druck

Warum der Kampf gegen den starken Franken für die Nationalbank mit dem Virus-Ausbruch noch härter wird.

Geht es an den Börsenmärkten im gleichen Stil weiter, ist die maximale Ausschüttung der SNB von Direktor Thomas Jordan für das laufende Jahr gefährdet. Foto: Keystone
Geht es an den Börsenmärkten im gleichen Stil weiter, ist die maximale Ausschüttung der SNB von Direktor Thomas Jordan für das laufende Jahr gefährdet. Foto: Keystone

Einmal mehr ruht angesichts der neu aufgetretenen Sorgen um die Weltwirtschaft die Hoffnung auf den Notenbanken. Sie sollen mit Zinssenkungen oder Wertpapierkäufen die Lage retten. Das setzt die Schweizerische Nationalbank unter zusätzlichen Druck. Wenn sie mit eigenen Massnahmen nicht mitzieht, drohen Anlagen in Schweizer Franken attraktiver zu werden, was dem Franken weiteren Schub verleihen würde.

Schon in der vergangenen Woche ist der Europreis in Franken unter 1.06 gefallen und damit so tief wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ein tieferer Europreis steht für eine Aufwertung des Frankens. Damit liegt der Kurs auf einem Niveau, mit dem vor allem kleinere Exportunternehmen kaum mehr konkurrenzfähig sind.

Mit 3,5 Milliarden Franken interveniert

Dass es trotz der Panik an den Kapitalmärkten nicht zu einer stärkeren Aufwertung kam, liegt zum einen an Abwehrmassnahmen der Nationalbank. Aus der Veränderung der Giroeinlagen der Banken bei der SNB lässt sich schätzen, dass die Notenbank letzte Woche mit 3,5 Milliarden Franken an den Devisenmärkten interveniert hat.

Insgesamt haben die Giroeinlagen seit Mitte Januar sogar um mehr als 11 Milliarden Franken zugelegt. Kauft die Notenbank am Markt Euros, so schreibt sie den Banken die entsprechenden Giroguthaben gut.

Wäre ihr nicht ein Sonderfaktor zu Hilfe gekommen, hätte sie sogar noch mehr Geld aufwenden müssen. Denn der Euro erfuhr gegenüber dem Dollar eine Aufwertung. Der Grund dafür ist allerdings wenig beruhigend: Viele internationale Grossinvestoren haben sich im Vorfeld der Krise in der Gemeinschaftswährung verschuldet und diese gegen Währungen wie den Dollar verkauft, weil dort höhere Zinsen zu erwarten sind.

Diese Art der Geschäfte werden Carry-Trades genannt. Das hat den Euro einst geschwächt. Angesichts der Krise in der letzten Woche wollten Investoren nun ihre Euroschulden raschmöglichst begleichen, weshalb sie den Euro zurückkaufen mussten. Und das hat der Gemeinschaftswährung zu einem Zwischenhoch verholfen.

48,9 Milliarden Franken Gewinn

Wie die UBS in einer Einschätzung schreibt, ist diese Rückabwicklung mittlerweile so gut wie abgeschlossen. Die Folge: Der Euro droht wieder zur Schwäche zu neigen – was wiederum eine neue Runde bei der Frankenaufwertung befürchten lässt. Um das zu verhindern, müsste die Nationalbank noch umfangreicher als bisher intervenieren. Oder sie senkt die Zinsen tiefer in den negativen Bereich.

Erschwerend kommt hinzu, dass angesichts der aktuellen Panik andere Notenbanken ihre Zinsen senken oder auf andere Weise die Geldschleusen öffnen dürften, etwa durch Anleihenkäufe. Von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) werden bereits bis zu drei Zinssenkungen in diesem Jahr erwartet. So hatte Fed-Chef Jerome Powell am Freitag bekräftigt, wenn nötig alle Mittel der Notenbank einzusetzen, um die Wirtschaft zu stützen.

Auch Vertreter der Europäischen Zentralbank haben signalisiert, dass die EZB bei Bedarf stützend eingreifen würde. Analysten erwarten bis zu zwei Senkungen des Einlagesatzes für Banken tiefer in den negativen Bereich. Aktuell liegt dieser bei Minus 0,5 Prozent. Ein erster solcher Schritt könnte schon am Donnerstag in einer Woche erfolgen.

Die Aufwertung des Frankens und die fallenden Aktienmärkte haben aber nicht nur Folgen für die Schweizer Wirtschaft, sondern auch für den zu erwartenden Gewinn der Nationalbank. Am Montag hat sie einen Gewinn von 48,9 Milliarden Franken für 2019 bekannt gegeben und damit ihre Schätzung vom Januar bestätigt. Allein 32,9 Milliarden davon gingen auf Kursgewinne auf ihren Aktienanlagen zurück.

Die SNB hat bereits im Januar angekündigt, dass sie angesichts des hohen Gewinns des Vorjahres und hoher Reserven aus noch früheren Gewinnen die Ausschüttung an Bund und Kantone über die bisherige Maximalgrenze von 2 Milliarden Franken für das letzte und das laufende Jahr erhöhen werde. Nun ist klar, um wie viel: Es gibt maximal weitere 2 Milliarden dazu, unter der Bedingung, dass die sogenannte Ausschüttungsreserve (Reserven der Vorjahre plus verbleibender Gewinn nach den Ausschüttungen) mindestens 40 Milliarden umfasst.

Da in der Ausschüttungsreserve Ende Jahr 84 Milliarden Franken waren, ist die Bedingung für die Zusatzausschüttung für 2019 erfüllt. Geht es aber an den Börsen- und Devisenmärkten im gleichen Stil weiter wie in der letzten Woche, ist die neue maximale Ausschüttung von 4 Milliarden Franken für das laufende Jahr gefährdet. Wie es mit den Ausschüttungen in den späteren Jahren weitergeht, muss erst zwischen dem Finanzdepartement und der SNB neu ausgehandelt werden.

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