Konjunktur in der Schweiz kühlt sich weiter ab

Die Ökonomen des Bundes senken ihre Prognose für das Schweizer Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr.

Bescheidene Lohnentwicklung: Das Seco glaubt, dass sich der private Konsum unterdurchschnittlich entwickle. (Archiv)

Bescheidene Lohnentwicklung: Das Seco glaubt, dass sich der private Konsum unterdurchschnittlich entwickle. (Archiv) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Die Schweizer Wirtschaft wird 2019 nicht mehr so rund laufen wie zuletzt. Die Ökonomen des Bundes stimmen in den Reigen der Experten ein, die ihre Prognosen für das laufende Jahr senken. Begründet wird dies mit einer angeschlagenen Weltwirtschaft.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) senkte am Donnerstag seine Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) auf nur noch 1,1 Prozent. Im Dezember hatte die Vorhersage noch auf plus 1,5 Prozent gelautet.

Grund dafür ist der Zustand der Weltwirtschaft. Diese verliert laut dem Seco stärker an Schwung als bisher angenommen. Das bremse den Schweizer Aussenhandel und die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die Schweizer Wirtschaft hat sich in der Tat bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 deutlich abgekühlt.

Zur Erinnerung: Nach einem Rückgang um 0,3 Prozent im dritten Quartal und einem kleinen Plus von 0,2 Prozent im letzten Jahresviertel ist die hiesige Wirtschaft nur knapp an einer (technischen) Rezession vorbei geschrammt.

Von einer technischen Rezession ist die Rede, wenn zwei Quartale in Folge negative Wachstumsraten aufweisen. Italien beispielsweise steckt in so einer und Deutschland, der wichtigste Aussenhandelspartner der Schweiz, wäre beinahe in einer gelandet.

In guter Gesellschaft

Im Zuge der verhaltenen Auftragsentwicklung bei gleichzeitig grosser Unsicherheit ist laut den Ökonomen des Bundes nun davon auszugehen, dass die Unternehmen in der Schweiz auch in den nächsten Quartalen nur zögerlich in ihre Produktionskapazitäten investieren werden.

Für die Bauinvestitionen rechnet das Seco ebenfalls mit einem geringen Wachstum: Die Leerstandsziffern dürften steigen, und die Immobilienpreise tendenziell zurückgehen. Auch vom Konsum seien keine Impulse zu erwarten: Dieser werde unterdurchschnittlich steigen, obschon die nachlassende Inflation die reale Kaufkraft der Haushalte stütze. Mit seiner Neubeurteilung ist das Seco nicht alleine. Vor gut zwei Wochen senkten etwa die UBS-Ökonomen ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,9 von 1,5 Prozent und die Ökonomen des Konjunkturforschungsbüros BAK rechnen noch mit 1,1 statt 1,2 Prozent. Und Beobachter sind sich einig, dass kommende Woche auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Wachstumsprojektionen ebenfalls senken wird.

Überall Risiken

Im Jahr 2020 sollte die Weltwirtschaft moderat an Schwung gewinnen. In diesem Schlepptau werde die hiesige Wirtschaft wieder um 1,7 Prozent wachsen. Auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich die aktuelle Abkühlung mit Verzögerung manifestieren: Das Seco rechnet für 2020 mit einem Anstieg der Arbeitslosen-Quote auf jahresdurchschnittliche 2,6 Prozent von sehr tiefen 2,4 Prozent im laufenden Jahr.

Das Seco hält damit an seinen Wachstumsprognosen vom Dezember fest, macht aber eine Bedingung: Der internationale Handelsdisput darf sich nicht weiter verschärfen. Sollte dieser eskalieren, würden die Weltkonjunktur und der Welthandel stärker ausgebremst als in der Prognose angenommen. Besonders Zölle «in beträchtlicher Höhe» auf deutsche Autos würden die Schweiz treffen.

Überhaupt überwiegen laut der Expertengruppe die Abwärtsrisiken für die Weltkonjunktur. Insbesondere sei offen, ob der Brexit Ende März 2019 vollzogen wird und wie sich das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich dann gestalten wird. Dazu komme die wirtschaftliche und finanzielle Situation Italiens, die nach dem Abgleiten des Landes in die Rezession wieder grössere Risiken berge. (fal/sda)

Erstellt: 14.03.2019, 11:56 Uhr

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