Nach Panne: Politik wird bei Swisscom vorstellig

Vier grosse Störungen innert zweier Jahre sind zu viel: Politiker wollen nun vom Telecomriesen wissen, wie er sicherstellt, dass Notfallnummern erreichbar bleiben.

Die Störung im Festnetz von Swisscom vom 17. Januar beeinträchtigte auch die Erreichbarkeit von Notrufzentralen. Foto: Jean-Christophe Bott, Keystone

Die Störung im Festnetz von Swisscom vom 17. Januar beeinträchtigte auch die Erreichbarkeit von Notrufzentralen. Foto: Jean-Christophe Bott, Keystone

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Nichts ging mehr: In mehreren Kantonen meldeten Blaulichtorganisationen vergangene Woche den Ausfall ihrer Notfalltelefone, knapp eineinhalb Stunden kämpfte die Swisscom mit der Panne. Die Ursache für den schweizweiten Ausfall des Swisscom-Festnetzes war zwar rasch gefunden. Eine abgestürzte Netzwerkkomponente legte die Telefonie lahm. Ein Neustart des Teils reichte, um den Unterbruchzu beheben. Doch damit ist die Sache für den grössten Schweizer Telecomanbieter nicht erledigt.

Denn nun wird die Politik bei der Swisscom vorstellig. Zumal auch Notrufnummern nicht mehr erreichbar waren. Und Gewerkschaften vermuten, dass mehr hinter der jüngsten Panne steckt als technische Probleme.

Verschiedene Parlamentarier, die in den Fernmeldekommissionen von Nationalrat und Ständerat sitzen, werden den Vorfall bei nächsten Treffen mit Vertretern der Swisscom ansprechen. Das haben sie gegenüber dieser Zeitung angekündigt. Vor allem wollen sie wissen, wie der staatsnahe Betrieb in Zukunft solche Pannen vermeidet und ob der Austausch mit den Bundesbehörden wirkungsvoll genug ist.

«Solche Störungen können fatal enden, vor allem wenn auch Notfallnummern betroffen sind.»Martin Candinas, Bünder CVP-Nationalrat

«Obwohl sich die Telefonie immer stärker vom Festnetz ins Mobilfunknetz verlagert, müssen wir uns in der Schweiz weiterhin auf ein zuverlässiges Festnetz verlassen können», sagt die SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Für sie besteht vor allem deswegen Handlungsbedarf, weil die Störung auch den telefonischen Kontakt zu den Blaulichtorganisationen beeinträchtigte.Das sieht auch ihr CVP-Ratskollege Martin Candinas so: «Solche Störungen können fatal enden, vor allem wenn auch Notfallnummern betroffen sind.»

Diese Dimension eines Netzausfalls ist neu. Und auch die Häufigkeit ist auffallend. Seit Anfang 2018 kam es zu vier grösseren Störungen im Festnetz der Swisscom. Das überrasche und sei «beunruhigend, da unsere Gesellschaft und Wirtschaft von einem funktionierenden Netz abhängig sind», sagt Thierry Burkart. Die Systeme würden komplexer und damit immer anfälliger, fügt der FDP-Ständerat mit Blick auf den technologischen Fortschritt hinzu. Die Swisscom hat das klassische analoge Festnetz abgeschaltet und übermittelt Telefongespräche nur noch übers Internet.

Gewerkschaft sieht Zusammenhang mit Abbau

Für den CVP-Ständerat Stefan Engler ist klar: «Politisch besteht ein Anspruch darauf, von der Swisscom zu erfahren, was der Grund für die Störung war und was die Folgen für das künftige Risikomanagement sind», sagt der Präsident der ständerätlichen Fernmeldekommission.Weiter solle die Swisscom darüber informieren, wie viel sie für die Erneuerung und den Unterhalt des bestehenden Netzes aufwendet.

Der Vorwurf, der Marktführer vernachlässige den Netzunterhalt, lässt sich nicht erhärten. Allein im Jahr 2018 investierte das Unternehmen in der Schweiz 1,6 Milliarden Franken in seine Infrastruktur. Das ist deutlich mehr als die Aufwendungen der Konkurrenten.

Allerdings baut die Swisscom im Rahmen eines laufenden Sparprogramms jährlich Jobs ab – 2018 waren es total 541 Vollzeitstellen. Auch im vergangenen Geschäftsjahr, über das die Firma erst im Februar informiert, dürftenweiter Jobs abgebaut worden sein.

Hier sehen Gewerkschaften einen indirekten Zusammenhang mit der Störungsanfälligkeit bei den Swisscom-Netzen. Der Druck auf die Mitarbeiter und die interne Unsicherheit seien hoch, heisst es bei Syndicom.

Bund macht Vorgaben

Dies könne sich in verschiedenen Formen äussern wie kurzfristigen Abgabeterminen, Stress, Überstunden oder weniger Zeit für ausreichende Planung. Es sei daher nicht auszuschliessen, dass die Kürzungen bei Kosten und Personal der Swisscom zu Engpässen oder Problemen führten.

Der Schweizer Marktführer weist einen solchen Zusammenhang von sich. Ursache der Störung sei die Technik gewesen. Die Swisscom habe Massnahmen umgesetzt, damit diese Panne so nicht mehr passieren könne. «Daher gibt es keinen Zusammenhang mit der Stellenentwicklung», sagt eine Firmensprecherin.

Was die Verfügbarkeit des Festnetzes angeht, so hat die Swisscom als Grundversorger klare Vorgaben der Eidgenossenschaft. Bei der Sprachtelefonie haben über ein Jahr betrachtet mindestens 99 Prozent aller Versuche, im Festnetz eine telefonische Verbindung aufzubauen, erfolgreich zu sein.

«Die Swisscom hat in den letzten zehn Jahren die Vorschriften betreffend die Dienstqualität stets vollumfänglich erfüllt», teilt das Bundesamt für Kommunikation dazu mit. Die Berichte sowie die Messwerte dazu behält der Bund aber unter Verschluss.

Erstellt: 24.01.2020, 21:06 Uhr

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