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SEF im Zeichen von Frankenstärke und Einwanderungspolitik

1350 Firmenchefs und Politiker sowie Wissenschaftlerinnen sind in Interlaken am Swiss Economic Forum (SEF) zusammengekommen. Die Referate und Podiumsdiskussionen stehen unter dem Motto "Vereinfachen, Meistern von Komplexität".

Ausverkauftes Swiss Economic Forum, am Donnerstag, 4. Juni 2015, in Interlaken.
Ausverkauftes Swiss Economic Forum, am Donnerstag, 4. Juni 2015, in Interlaken.
Keystone

Für viele Firmen wurde dies nach dem Frankenschock umso wichtiger. Der Präsident des Schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie-Verbandes (Swissmem), Hans Hess, erinnerte daran, dass infolge der Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Januar die Margen vieler Swissmem-Firmen um bis zu 15 Prozentpunkte eingebrochen seien. Fast ein Drittel rechne für 2015 mit einem operativen Verlust. UBS-Chef Sergio Ermotti bezeichnete den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Euro-Franken-Kurs freizugeben, hingegen als richtig. Er kritisierte dafür die verschärften Auflagen in der Bankenbranche. Alleine im letzten Jahr habe die Umsetzung aller neuen Regulierungen die UBS fast eine Milliarde Franken gekostet. Während strenge Regulierungen Vertrauen schafften, sei Überregulierung schädlich, warnte Ermotti. Höhere Eigenmittelanforderungen verteuerten letztlich die Kredite für die Wirtschaft. Gegen Schwarzpeterspiel Alles andere als einfach ist die Situation für die Schweiz im Verhältnis zur EU: Bei den Verhandlungen nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sei die Ausgangslage "sehr schwierig", sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in ihrer Eröffnungsrede. Die Personenfreizügigkeit werde von den EU-Staaten fast unisono als unantastbar bezeichnet. Es sei aber keine Option, gar keine Verhandlungen zu beginnen. Die Schweiz habe immer wieder gezeigt, dass sie in entscheidenden Momenten pragmatisch vorgehe, sagte Sommaruga. Vereinfachungen könnten aber auch gefährlich sein. Wer nur zwischen richtig oder falsch unterscheide oder zwischen gut und böse, ohne Grautöne, der mache es sich allzu leicht und werde zum Spielball von Populisten. So warnte Sommaruga die Wirtschaft vor einem Schwarzpeterspiel. Es sei "wenig sinnvoll" zu sagen, nur die Hälfte der Zuwanderer komme wegen einer Arbeitsstelle. Die Schweizer Wirtschaft könne nicht einfach "Fachkräfte holen, aber dann sagen, die Familie lässt du zuhause". Überraschungsgast Chodorkowski Überraschend kam auch der ehemalige russische Unternehmer Michail Chodorkowski nach Interlaken BE. Er riet auf dem SEF-Podium den Verantwortungsträgern der Schweizer Wirtschaft, längerfristig zu denken. "Mein Leben hat mich dazu gebracht." 10 Jahre seien gar nicht eine so lange Zeit, sagte er in Anspielung auf seine umstrittene Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung und Betrugs. Chodorkowski, der nach seiner Freilassung Ende 2013 ins Exil in die Schweiz gekommen ist, sagte über den russischen Präsidenten Vladimir Putin, dieser kenne nur Freund oder Feind. Falls es einmal aber wieder möglich sein sollte und es wirtschaftlich vorwärts gehe, könne er sich vorstellen, wieder unternehmerisch tätig zu werden. "Dann bin ich mit euch." Das SEF als mittlerweile bedeutendste Konferenz der Schweizer Wirtschaft dauert bis Freitagabend. Am zweiten Tag gehört die Bühne Roche-Chef Severin Schwan, Ratan Tata vom indischen Mischkonzern Tata sowie den Geschäftsleitern kleinerer Schweizer Unternehmen. Zudem wird der Jungunternehmerpreis "Swiss Economic Award" verliehen. Besonders wichtig ist vielen SEF-Teilnehmenden die Gelegenheit zu persönlichen Kontakten am Rande der Vorträge und Diskussionsrunden. Das SEF ist erneut ausverkauft, die Nachfrage für eine Teilnahme ist laut den Organisatoren sei rekordhoch gewesen.

(SDA)

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