Boeing-Chef gibt Software-Probleme zu

Der Konzernchef von Boeing redet Klartext: Dennis Muilenburg stützt die Theorie, dass die MCAS-Software die Maschine in Äthiopien zum Absturz gebracht haben könnte.

Das Software-Update werde sicherstellen, dass solche Unfälle «nie wieder passieren»: Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg. (Archivbild)

Das Software-Update werde sicherstellen, dass solche Unfälle «nie wieder passieren»: Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg. (Archivbild) Bild: Tim Vizer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach zwei Abstürzen von Boeings Flugzeugtyp 737 Max 8 in weniger als einem halben Jahr hat Konzernchef Dennis Muilenburg so deutlich wie noch nie Probleme mit der Steuerungssoftware MCAS eingeräumt. Er gelobt eine umgehende Behebung der Fehler.

Es scheine nach dem vorläufigen Ermittlungsbericht zum Absturz in Äthiopien, als ob das Programm durch falsche Sensordaten unnötigerweise eingeschaltet worden sei, teilte Muilenburg am Donnerstag mit. Damit wird die Theorie, dass ein Softwarefehler die Maschine Richtung Boden lenkte, von oberster Konzernstelle gestützt.

Neues Problem gefunden

Das dringend erwartete MCAS-Update werde sicherstellen, dass Unfälle wie in Äthiopien und Indonesien «nie wieder passieren», versicherte Boeing-Chef Muilenburg. Bisher hatte der Flugzeughersteller stets bestritten, dass die MCAS-Software ein Sicherheitsrisiko darstellt. Kurz vor Muilenburgs Stellungnahme hatte der Konzern aber bereits versprochen, dass Piloten künftig immer die Möglichkeit haben werden, die Automatik auszuschalten und zur manuellen Kontrolle zu wechseln.

Gleichzeitig teilte Boeing mit, bei der Analyse der Abstürze ein weiteres Problem mit einer anderen Software gefunden zu haben. Dieses sei bei der Überarbeitung des umstrittenen Steuerungsprogramms MCAS festgestellt worden, stünde aber nicht in direktem Zusammenhang damit, teilte Boeing in der Nacht auf Freitag mit. Zuvor hatte die «Washington Post» berichtet, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet habe. Solange es nicht gelöst sei, werde das Startverbot für Boeings Unglücksflieger der 737-Max-Serie nicht aufgehoben.

Fatale Folgen

Das eigens für die spritsparende Max-Neuauflage von Boeings 737-Serie entwickelte MCAS-Programm soll eigentlich dafür sorgen, in bestimmten Flugsituationen wie einem zu steilen Aufstieg des Jets automatisch den Flugwinkel zu korrigieren. Doch die bisherigen Unfallberichte deuten darauf hin, dass das System bei den Abstürzen durch falsche Sensordaten fälschlicherweise aktiviert wurde – mit fatalen Folgen.

Beim Crash der Lion-Air-Maschine in Indonesien Ende Oktober soll der Bordcomputer die Nase der Boeing 737 Max 8 wegen der MCAS-Fehlfunktion automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew gegenzusteuern versuchte. Ein ähnliches Szenario gilt inzwischen auch beim Ethiopian-Airlines-Absturz am 10. März als wahrscheinlich. Insgesamt starben bei den Unglücken 346 Menschen. (chk/sda)

Erstellt: 05.04.2019, 04:13 Uhr

Artikel zum Thema

Update der Boeing-737-Max-Software dauert noch Wochen

Die unter Druck geratene US-Luftfahrtbehörde will die Software «rigoros» überprüfen, bevor sie zur Installation freigegeben wird. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare