Chaos-Brexit könnte Wirtschaft härter als Finanzkrise treffen

Ein ungeordneter Austritt könnte in Grossbritannien nach Angaben der Bank of England die heftigste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg auslösen.

Das Vereinigte Königreich will zum 29. März die EU verlassen: Am 24. Juni 2016 haben 51,9 Prozent der Briten für den Austritt gestimmt.

Das Vereinigte Königreich will zum 29. März die EU verlassen: Am 24. Juni 2016 haben 51,9 Prozent der Briten für den Austritt gestimmt. Bild: Matt Dunham/Keystone

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Die Bank of England (BoE) befürchtet bei einem ungeordneten Brexit, dass die britische Wirtschaft ohne eine Einigung mit der EU innerhalb eines Jahres um acht Prozent schrumpfen dürfte.

Dies schreibt die Notenbank in ihrem Bericht zum Brexit. Zum Vergleich: In der Finanzkrise waren es 6,25 Prozent. Der Konjunktureinbruch wäre demnach unter anderem die Folge der zu befürchtenden Auswirkungen von Verzögerungen und Staus an den Zollstellen und einem Vertrauensverlust an den Märkten. Das Vereinigte Königreich will zum 29. März die EU verlassen.

Die Arbeitslosigkeit wird angesichts der Wachstumseinbussen nach Einschätzung der BoE merklich zunehmen. Auch an den Finanzmärkten erwartet die Notenbank heftige Reaktionen. So dürfte das britische Pfund um 25 Prozent zum US-Dollar nachgeben. Der deutliche Rückgang des Pfundes dürfte die Inflationsrate auf 6,5 Prozent steigen lassen. Die Notenbank wäre dann zu deutlichen Leitzinsanhebungen gezwungen. In der Spitze könnte der Leitzins bis auf 5,5 Prozent steigen.

Nicht wahrscheinlichste Variante

Die Notenbank sieht dieses Chaos-Szenario jedoch nicht als wahrscheinlichste Variante an. Dennoch hält sie es für «plausibel» und hat die Banken des Landes aufgefordert, auch entsprechende Vorkehrungen dafür zu treffen. «Das britische Bankensystem ist stark genug, um Haushalten und der Wirtschaft weiter dienen zu können – selbst wenn es zu einem ungeordneten Brexit kommen sollte», betonte die BoE.

Die britische Regierung hat mit der EU ein Scheidungsabkommen ausgehandelt. Sollte der auch im Regierungslager umstrittene Plan im Parlament durchgehen, wäre er die Grundlage für einen geordneten Brexit Ende März 2019. Dann würde sich eine Übergangsphase anschliessen, in der Grossbritannien vorerst in der Zollunion verbleiben soll, bis die endgültigen Beziehungen zwischen beiden Seiten geklärt sind.

Premierministerin Theresa May und ihre Kabinettsmitglieder werben derzeit verzweifelt um Unterstützung für ihr Brexit-Abkommen. Am 11. Dezember soll das Parlament in London über den Deal abstimmen. Bislang scheint es aber mehr als fraglich, ob die Regierung eine Mehrheit für das Abkommen bekommen kann. (nag/sda)

Erstellt: 28.11.2018, 18:45 Uhr

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