Der UPC-Deal ist tot, lang lebe der UPC-Deal

Liberty Global hat ausser Sunrise keinen Interessenten für seine Tochter UPC gefunden. Also unternimmt der Telecomkonzern einen neuen Anlauf fürs umstrittene Geschäft.

Um sich attraktiver für die Sunrise-Aktionäre zu machen, verbesserte der Kabelnetzbetreiber UPC seine Angebote.

Um sich attraktiver für die Sunrise-Aktionäre zu machen, verbesserte der Kabelnetzbetreiber UPC seine Angebote. Bild: Keystone

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Sunrise begräbt die Übernahme des grössten Schweizer Kabelnetzbetreibers UPC endgültig – jedenfalls in ihrer ursprünglich angedachten Form. Möglich machen dies Zusatzartikel im Kaufvertrag mit der UPC-Muttergesellschaft Liberty Global.

Die Klauseln sehen vor, dass Sunrise oder Liberty Global das bis Februar 2020 gültige Abkommen frühestens nach dem 11. November einseitig kündigen können. Sunrise machte am Dienstag von diesem Recht Gebrauch, wie heute bekannt wurde.

Für das Abenteuer zahlt der zweitgrösste Telecomanbieter der Schweiz teures Lehrgeld: Das Unternehmen muss bis zu 125 Millionen Franken aufwerfen. Geld, das von den Kunden und Aktionären stammt. 50 Millionen Franken fallen als Strafgebühr an, damit Sunrise den Kaufvertrag vorzeitig verlassen kann. Weitere 70 bis 75 Millionen Franken sind für Zusatzkosten fällig, etwa für die Beratung durch Wirtschaftsanwälte.

Konsumenten profitieren

Für die Millionen Kunden von Sunrise und UPC ändert die neue Ausgangslage vorläufig nichts. Beide Unternehmen haben angekündigt, bei einem Scheitern des Deals allein weiterzumachen. Das Hickhack um die Übernahme von UPC brachte für die Konsumenten durchaus Vorteile.

Um sich attraktiver für die Sunrise-Aktionäre zu machen, verbesserte der Kabelnetzbetreiber seine Angebote. Zu erwähnen sind die neue Fernsehplattform UPC TV und die schweizweite Maximalgeschwindigkeit im Internet von 1 Gigabit pro Sekunde.

Sunrise ist im Mobilfunk gut aufgestellt. Beim Aufbau des ultraschnellen Mobilfunknetzes 5G und der Lancierung neuer 5G-Produkte treibt das Unternehmen Marktführer Swisscom und den kleinsten Schweizer Anbieter Salt vor sich her.

Die Kunden von Sunrise und UPC dürften aber bald vernehmen, dass die Managements ihrer Anbieter erneut über einen Zusammenschluss sprechen. Liberty Global hofft weiterhin auf ein neues Geschäft für seine Tochtergesellschaft UPC. Liberty-Global-Chef Mike Fries kündigte in der Nacht auf heute an, deswegen Kontakt mit dem Sunrise-Verwaltungsrat sowie dem grössten Sunrise-Aktionär Freenet aufnehmen zu wollen.

Das kann nur eines bedeuten: Liberty Global hat für UPC ausser Sunrise keinen weiteren Interessenten gefunden, auch nicht im Ausland.

Die Signale der Umworbenen sind indes widersprüchlich. Sunrise-Chef Olaf Swantee erteilte dem Vorhaben von Liberty Global keine definitive Absage, erklärte heute einzig: Sunrise konzentriere sich jetzt auf den Alleingang. Seine im Oktober gemachte Aussage, der Deal sei «tot», beziehe sich auf den anfänglichen Finanzierungsvorschlag.

Freenet hingegen teilte gegenüber landbote.ch mit, es gebe keinen Bedarf für weitere Gespräche.

Klar ist deshalb, dass Liberty Global massive Zugeständnisse machen muss. Ein neues Finanzierungsmodell könnte so aussehen: Die UPC-Besitzerin senkt den Verkaufspreis für den Kabelnetzanbieter von den ursprünglichen 6,3 Milliarden Franken auf etwa 4,5 Milliarden.

Gleichzeitig zahlt Sunrise Liberty Global in Aktien anstatt wie anfänglich vorgesehen vollständig in Bargeld aus. Um die Milliardensumme zu stemmen, wäre eine Kapitalerhöhung nötig. Ein Teil der neu geschaffenen Sunrise-Titel ginge an den Verkäufer. Damit würde Liberty Global ein bedeutender Aktionär und könnte von einer Wertsteigerung des fusionierten Unternehmens profitieren.

Ein solches Szenario machte zuletzt bei bedeutenden Aktionären die Runde, die während der Übernahmeschlacht namentlich nicht in Erscheinung getreten waren. Diese Kreise befürworteten zwar die industrielle Logik hinter einer Fusion von Sunrise mit UPC, fanden den Kaufpreis aber überrissen.

Liberty-Global-Chef Fries wird nicht nur mit einem besseren Angebot locken müssen, sondern auch die Lehren ziehen aus den Fehlern der Sunrise-Spitze um Konzernchef Swantee und Verwaltungsratspräsident Peter Kurer. Monatelang hatten beide für den Deal getrommelt und gebetsmühlenartig den strategischen Sinn dahinter betont.

Wie gross der Widerstand von bedeutenden Aktionären wirklich ist, hatten Swantee und Kurer entweder ausgeblendet oder wollten diesen Umstand nicht wahrhaben. Der Sunrise-Präsident hatte sogar zwei kritische Mitglieder des Aufsichtsgremiums aus Sitzungen ausschliessen lassen.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Mike Fries wird deshalb viel Fingerspitzengefühl und gute Argumente brauchen, um nötigenfalls eine Stimmenmehrheit gegen Freenet für eine neue UPC-Übernahme durch Sunrise zu organisieren. Unter Zugzwang steht nun Liberty Global und nicht Sunrise, was die Verhandlungsposition des Schweizer Anbieters und nicht zuletzt von Freenet stärkt.

Denn der Telecomkonzern aus London will seine Tochterfirma UPC loswerden – buchstäblich um jeden Preis.

Erstellt: 13.11.2019, 13:05 Uhr

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