Entlassungswelle – über 1500 Jobs betroffen

Gleich zwei Unternehmen mit Schweizer Standort haben einen Abbau von rund 500 Stellen angekündigt. Beim Seco ist man dennoch optimistisch.

Standort in Horw: Eingang des Unternehmens Edwards Lifesciences.

Standort in Horw: Eingang des Unternehmens Edwards Lifesciences. Bild: Google Maps

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Die Welle der Massenentlassungen hat am Dienstag weitere 500 Angestellte erfasst. Mit dem Abbau bei Edward Lifesciences in Horw LU und der Rockwell Automation in Aarau wurde in den letzten zwei Monaten die Streichung von über 1500 Jobs bekannt.

Die global tätige Edwards Lifesciences begründet die Schliessung ihrer Produktion in Horw LU mit der Konzentration der Produktion im Ausland. Dadurch gehen bis Mitte 2018 250 Vollzeitstellen in der Herzklappenproduktion verloren, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Entlassungen per Januar 2018

Die Fabrik in der Luzerner Vorortgemeinde werde den Anforderungen einer modernen Medizinaltechanlage nicht länger gerecht. Die Mehrheit der Mitarbeitenden würden die Firma bereits Ende Januar 2018 verlassen.

Eine Hiobsbotschaft erhielten am Dienstag auch die Angestellten des US-Unternehmens Rockwell Automation, das in der Schweiz 500 Angestellte beschäftigt. Gemäss dem Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz plant das Automationsunternehmen ab Mitte 2018 rund 250 Arbeitsplätze abzubauen – in erster Linie in der Produktion in Aarau.

Aufgrund einer neuen Produktionsstrategie und als Sparmassnahme könnte ein Teil der Jobs nach Polen, respektive China verlagert werden.

Weitere Fabriken verschwinden

Dass sie per Ende Jahr ihren Job verlieren werden, haben anfangs Monat auch 100 Mitarbeitende der Glasfabrik AGC VIM in Moutier BE erfahren. Laut der Besitzerin, der japanischen Glasherstellerin AGC, war die Fabrik seit Jahren chronisch defizitär. Zudem leidet der Konzern unter dem Nachfragerückgang.

Wie der Kanton Jura am Dienstag bekannt gab, können die Jurassier, die von der Schliessung betroffen sind, auf die Unterstützung des Kantons Jura zählen. Drei Tage zuvor hatte bereits der Industrie- und Rüstungskonzern Ruag 39 Entlassungen bestätigt. Sie arbeiteten bisher an den Standorten Thun, Bern und Zürich. Ruag sprach von «diversen Einzelmassnahmen» und nicht von einer Massenentlassung.

Überraschend kam Ende August der geplante Radikalabbau von Nestlé im solothurnischen Egerkingen. Nestlé will die Produktion der Tochter Nestlé Skin Health schliessen und ins Ausland verlegen. 190 Mitarbeitern der einstigen Spirig-Fabrik droht die Kündigung.

Papier und Detailhandel

Ihren Job verlieren auch 200 Angestellte der Papierfabrik Utzenstorf BE. Sie stellt die Produktion Ende Jahr ein, wie Ende Juli bekannt wurde. Der starke Franken hatte der Fabrik stark zugesetzt.

Weitere Industriearbeitsplätze gehen beim Küchenbauer Bruno Piatti verloren. Seit August befindet sich die einstige AFP Küchen AG in Nachlassstundung. Die Jobs von 300 Mitarbeitenden sind gefährdet.

Massenentlassungen stehen nicht nur in der Industrie an, sondern wurden nach den Sommerferien auch im Detailhandel publik. Manor will am Hauptsitz in Basel bis zu 200 Stellen abbauen. Wegen Neustrukturierung fallen auch bei Globus 30 Stellen weg.

Seco bleibt optimistisch

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) könne zu den einzelnen Massenentlassungen der letzten Wochen nichts sagen, sagte Seco-Sprecher Fabian Maienfisch. Tatsächlich befinde sich aber die Schweizer Wirtschaft in einem Strukturwandel.

Das zeigt sich laut Maienfisch darin, dass es in verschiedenen Branchen zu Restrukturierungen kommt und Unternehmen, deren Produkte nicht mehr nachgefragt werden, sich dem Markt anpassen müssen.

Gemäss den Seco-Zahlen geht es dem grössten Teil der Schweizer Wirtschaft grundsätzlich gut. Sie entwickle sich stabil und die Exportindustrie scheine die Frankenaufwertung zu überwinden, sagte Maienfisch weiter. Die Arbeitslosenzahlen seien im Gegensatz zu den Vorjahren rückläufig und zwar nicht nur saisonbedingt - und das auch in der Industrie. (chi/sda)

Erstellt: 19.09.2017, 15:51 Uhr

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