Grosskonzerne fürchten sich vor Trumps Zollpolitik

Der Handelsstreit ist für die Unternehmen ein Drahtseilakt. Sie wollen Konfrontationen mit Trump vermeiden, aber zugleich so viel Einfluss wie möglich ausüben.

Konzerne wollen ihre Lobbyarbeit gegen Trumps Zollpolitik erhöhen. Bild: Reuters/Leah Millis

Konzerne wollen ihre Lobbyarbeit gegen Trumps Zollpolitik erhöhen. Bild: Reuters/Leah Millis

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Aus Sorge um ihr Geschäft drängen in den USA Grosskonzerne wie Amazon die Regierung verstärkt zu einem Einlenken im Handelsstreit. Der weltgrösste Onlinehändler erwägt branchenweite Werbekampagnen und eine umfangreichere Lobbyarbeit, um die Pläne für weitere Sonderzölle zu vereiteln, wie aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete.

Der Aluminium-Produzent Alcoa will in Gesprächen mit der Regierung und Kongress-Mitgliedern eine Abschaffung der seit Juni geltenden Zölle für die Branche oder zumindest Ausnahmen erreichen. Toyota versucht mit Demonstrationen von Mitarbeitern in Washington den Druck gegen die von Präsident Donald Trump angedrohten Zölle auf Importe von Autos und Zulieferer-Teilen zu erhöhen.

Sorge ums Weihnachtsgeschäft

Für die Unternehmen ist es ein Drahtseilakt. Sie versuchen dabei, jede Konfrontation mit Trump zu vermeiden, aber zugleich so viel Einfluss wie möglich auszuüben. Amazon ist den Insidern zufolge vor allem wegen der Trump-Pläne für neue Sonderzölle auf chinesische Produkte besorgt. Dies könne zum einen über höhere Preise das Weihnachtsgeschäft empfindlich treffen.

Aber auch das Cloud-Computing zur Auslagerung von IT-Diensten ins Internet, bei dem Amazon Weltmarktführer ist, könne unter höheren Importkosten für Komponenten für die riesigen Datenzentren leiden. Amazon wollte sich nicht dazu äussern.

Ausnahmen gefordert

Alcoa bekommt die Folgen der US-Zollpolitik bereits direkt zu spüren. Wegen der Abgaben strich das US-Unternehmen kürzlich seine Jahresprognose zusammen. Die monatlichen Mehrkosten wegen der Zölle auf Aluminiumimporte dürften sich künftig auf bis zu 14 Millionen Dollar belaufen – vor allem wegen Zöllen auf Einfuhren aus Kanada, dem grössten Lieferanten des Konzern.

Alcoa-Chef Roy Harvey berichtete daraufhin von «aktiven Gesprächen» mit der Trump-Regierung, dem Handelsministerium und Mitgliedern des Kongresses über die Abschaffung der Zölle oder eine Ausnahme für kanadisches Aluminium.

Trump verhängte Zölle von 25 Prozent auf Stahlimporte und zehn Prozent auf Aluminium aus Ländern wie Kanada, Mexiko und der Europäische Union, die im Juni in Kraft traten. Trump will damit die US-Industrie schützen, hat aber einen umfassenden Handelskonflikt mit der EU und der Wirtschaftsgrossmacht China angezettelt.

Toyota fliegt Arbeiter nach Washington

Wegen Vergeltungsmassnahmen droht Trump der EU auch mit Zöllen auf Auto-Importe. Auch Toyota macht dagegen mobil. Die US-Tochter des japanischen Volkswagen-Rivalen flog in der vergangenen Woche Arbeiter nach Washington, um dort gegen angedrohte Zölle auf die Einfuhr von Fahrzeugen und Komponenten zu demonstrieren. Der Chef der Sparte spricht schon seit Wochen mit Mitgliedern des Kongresses über mögliche Folgen der Zölle.

Auch General Motors befürchtet geschäftliche Einbussen wegen Trumps protektionistischer Handelspolitik. Der grösste US-Autobauer warnte kürzlich die US-Regierung deswegen vor einem Aufkündigen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta mit Mexiko und Kanada und vor Auto-Zöllen. Die Tarife würden zu einer «reduzierten Präsenz im In- und Ausland» führen.

Unterstützung erhofft sich der Konzern Insidern zufolge von einem früheren Regierungsinsider und Trump-Berater. Der Anfang des Monats als stellvertretender Direktor des nationalen Wirtschaftsrats zurückgetretene Everett Eissenstat solle künftig die Öffentlichkeitsarbeit von GM leiten.


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(oli/sda)

Erstellt: 22.07.2018, 13:04 Uhr

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