Hauptsache billig: Wish verkauft gefährliche Produkte

Während der Onlinehändler bei jungen Schweizern immer beliebter wird, warnen Tester nun vor krebserregenden Stoffen und der Gefahr von Stromschlägen.

Der von Wish vertriebene Kopfhörer enthält Stoffe, die Grenzwerte überschreiten. Bild: wish.com

Der von Wish vertriebene Kopfhörer enthält Stoffe, die Grenzwerte überschreiten. Bild: wish.com

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Der Preisnachlass für den Bluetooth-Kopfhörer (im Bild) klingt fast zu gut, um wahr zu sein: 16 statt 296 Franken kostet das Gerät. Mit solchen Angeboten ist der Onlinehändler Wish in der Schweiz auf der Überholspur. Elektroartikel, Mode, Schmuck und anderes zu Schleuderpreisen kommen besonders bei jungen Konsumenten gut an.

Das US-Unternehmen, das vor allem Billigware aus China von Drittanbietern verkauft, hat seinen Umsatz in der Schweiz seit 2016 mehr als verdreifacht. Laut der jüngsten Erhebung des auf E-Commerce spezialisierten Beratungsunternehmens Carpathia gehört Wish zu den zehn grössten Onlinehändlern in der Schweiz.

Doch nun wird Kritik am Unternehmen laut. Die Produkte verletzen teilweise Sicherheitsstandards. Das zeigt ein Test des Schweizerischen Konsumentenforums bei einem unabhängigen Labor. Der erwähnte Kopfhörer ist laut dem Testurteil «nicht verkehrsfähig». Der Grund: Er hat die Grenzwerte bei verschiedenen gesundheitsgefährdenden Substanzen überschritten. Eine gilt als krebserregend.

Kunden seien zufrieden

Laut Dominique Roten vom Konsumentenforum fehlen bei Wish die Sicherheitskontrollen. «Der Kopfhörer dürfte in der Schweiz so nicht verkauft werden.» Doch im Shop ist das vermeintliche Schnäppchen weiterhin erhältlich, obwohl das Konsumentenforum das Unternehmen über die Mängel informiert hat. «Das Produkt erhält durchgehend hohe Zufriedenheitswerte von unseren Käufern», schreibt Wish im Onlineshop.

Stichproben des deutschen Fernsehmagazins «Wiso» brachten ebenfalls schwerwiegende Mängel zum Vorschein. Einen beim Billighändler gekauften Projektor stuften Experten als «potenziell lebensgefährlich» ein. Beim Berühren des Netzteils drohe ein Stromschlag. Beim Konsumentenforum ist Wish regelmässig ein Thema. «Fast die Hälfte der Beanstandungen betreffend Onlinehändlern kommen von Wish-Kunden», sagt Roten. Im laufenden Jahr waren es bisher 135 Beschwerden von unzufriedenen Käufern. Die deutsche Verbraucherzentrale warnt vor schlecht verarbeiteten Produkten und ungerechtfertigten Mahnschreiben.

Immer wieder tauchen offensichtliche Fälschungen auf

Dem Erfolg der Onlineplattform in der Schweiz tut dies keinen Abbruch. Die extrem tiefen Preise sind offenbar zu verlockend. Laut Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels, sind die Erwartungen der Kunden nicht allzu hoch. «Wenn etwas schnell kaputtgeht, nimmt man das angesichts des tiefen Preises wohl hin.» Doch die steigenden Umsätze zeigen auch, dass viele Kunden mehr als einmal einkaufen. «Wish gewinnt das Vertrauen der jungen Käufer», sagt Kessler. «Wären die stets unzufrieden mit der Ware, würden sie nicht immer wieder bestellen.» Carpathia-Chef Thomas Lang erwartet, dass Wish den Umsatz in der Schweiz weiter steigern wird. «Es spricht sich herum, wie günstig man bei Wish einkaufen kann.» Der Anbieter habe sich vom Geheimtipp zu einer bei jungen Schweizern verbreiteten Einkaufsplattform entwickelt.

Wenig Freude am Erfolg haben Markenhersteller. Immer wieder tauchen bei Wish Fälschungen auf. Einige davon sind offensichtlich. Etwa eine Patek Philippe für 14 Franken oder eine Audemars Piguet für 33 Franken. Die Originale dieser Marke kosten meist deutlich über 10'000 Franken.

Der Verband der Schweizer Uhrenindustrie geht gegen solche Angebote vor. «Allein in diesem Jahr mussten wir bei Wish mehrere Dutzend Fälschungen von Uhren beanstanden», sagt Yves Bugmann, Leiter des Rechtsdienstes. Der Onlinehändler entferne die Fälschungen nur auf Intervention. Laut Bugmann sind solche Uhren nicht nur qualitativ mangelhaft. «Die Fälscher sind nicht an Gesundheitsstandards interessiert. Die Verwendung von minderwertigem Stahl kann beispielsweise allergische Reaktionen auslösen.»

Wish bietet Tausenden von Anbietern aus Fernost einen Verkaufskanal. Die Händler können sich selber auf der Plattform registrieren. Das erschwert die Kontrolle. Die asiatischen Anbieter profitieren dabei von günstigen Posttarifen in die Schweiz, weil China beim Weltpostverein als Entwicklungsland gilt. Die Angebote von Wish sind deshalb meist versandkostenfrei.

Die Schweizer Onlinehändler ärgert das. Sie spüren die Billigkonkurrenz zunehmend. Dabei sind die Gewinnmargen bei Elektrowaren bereits tief. Der Bundesrat hat nun angekündigt, strengere Kontrollen für Pakete aus dem Ausland einzuführen. Mithilfe von Röntgengeräten sollen falsch deklarierte Sendungen internationaler Händler gestoppt werden. Der Aufwand dafür ist allerdings enorm. Im vergangenen Jahr kamen 23 Millionen Kleinpakete aus Asien in die Schweiz – der Grossteil davon aus China.

Erstellt: 15.09.2019, 10:10 Uhr

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