Jeder Fünfte übernachtet nicht mehr im Hotel

Ferienwohnungen, Campingplätze und Airbnb-Unterkünfte boomen. Der Anteil der klassischen Hotels geht zurück – und jetzt kommt der Sommer.

Wird immer beliebter: Eine Familie beim Mittagessen auf dem Balkon einer Ferienwohnung im Reka-Dorf in Urnäsch AR.

Wird immer beliebter: Eine Familie beim Mittagessen auf dem Balkon einer Ferienwohnung im Reka-Dorf in Urnäsch AR. Bild: Keystone

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Den Schweizer Hotels läuft es eigentlich gut: In der gerade erst zu Ende gegangenen Wintersaison (bis April 2019) registrierten sie das beste Ergebnis seit über zehn Jahren. Und 2018 verbuchten sie dank einer Zunahme von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr sogar einen neuen Rekord mit insgesamt 39 Millionen Übernachtungen.

Doch längst haben die Hotels kein Monopol mehr, wenn es darum geht, Gästen ein Zimmer anzubieten. Alternative Angebote wachsen stärker, etwa die sogenannte Parahotellerie. Damit sind kommerziell genutzte Ferienwohnungen, Campingplätze und Kollektivunterkünfte wie Jugendherbergen oder Berghütten gemeint. Sie verzeichneten im vergangenen Jahr gut 16 Millionen Logiernächte – 4,2 Prozent mehr als noch 2017. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS).

Die Parahotellerie ist damit schon für 30 Prozent aller Übernachtungen in der Schweiz verantwortlich. Zählt man noch die drei Millionen Logiernächte auf Airbnb dazu, die nicht in der BFS-Statistik enthalten sind, sind es sogar fast 34 Prozent. Das heisst: Mehr als jede dritte Nacht wird nicht mehr im klassischen Hotel gebucht.

Dieser Anteil dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Denn der Online-Wohnungsvermittler Airbnb wächst in der Schweiz rasant. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der Unterkünfte verdoppelt und diejenige der Gäste fast verdreifacht. Mittlerweile gibt es gleich viele Airbnb-Angebote wie solche in der Parahotellerie und der Hotellerie zusammengezählt.

Vor allem ausländische Touristen buchen über die Plattform. 2018 machten sie vier Fünftel der Airbnb-Gäste aus. Bei der Parahotellerie ist es genau umgekehrt: Mehr als zwei Drittel der Übernachtungen werden von Einheimischen gebucht. Vor allem in Jugendherbergen und Berghütten (81 Prozent) und auf Campingplätzen (67 Prozent) sind Schweizerinnen und Schweizer deutlich in der Überzahl. Ausgeglichener ist die Verteilung bei den Ferienwohnungen.

Etwas haben Airbnb und Parahotellerie aber gemeinsam: Sie können Gäste deutlich länger halten als klassische Hotels.

In Ferienwohnungen beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 6,6 Nächte, in Airbnb-Unterkünften 3,4 Nächte. Hotels werden im Schnitt nur für zwei Nächte gebucht.

Auch deshalb machen Angebote abseits der klassischen Hotels inzwischen mehr als ein Drittel aller Übernachtungen in der Schweiz aus. Zählt man nur die Anzahl Gäste, ist ihr Anteil kleiner, aber immer noch beachtlich: 22,1 Prozent der Touristen checkten im vergangenen Jahr in einer Airbnb-Unterkunft, einer Ferienwohnung, einer Kollektivunterkunft oder auf einem Campingplatz ein. Mehr als jeder Fünfte hat also nicht im Hotel übernachtet.

Auch dieser Anteil wird zunehmen. Darauf deutet nicht nur das Wachstum von Airbnb hin, sondern auch die Prognose der IG Parahotellerie Schweiz. Der Verbund von Interhome, TCS Camping, Bed and Breakfast Switzerland, der Reisekasse Reka und der Schweizer Jugendherbergen präsentierte jüngst erneut ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr und geht davon aus, dass sich der Aufwärtstrend der letzten Jahre fortsetzen wird.

Jetzt steht die Sommersaison an, die Campingplätzen, Berghütten und Jugendherbergen traditionell am meisten Gäste beschert und auch Ferienwohnungen viel Umsatz bringt. «Aber nicht nur die Schulferienwochen im Sommer und Herbst sind schon sehr gut gebucht. Auch in der Nebensaison zeichnet sich ein erfreuliches Umsatzplus ab», wird Roger Seifritz, Geschäftsführer von Reka, in der Mitteilung des Verbundes zitiert.

Wachsende Konkurrenz ­erhalten die Schweizer Hotels künftig also nicht nur von neueren Angeboten wie Airbnb, sondern auch immer mehr von Alternativen aus der Parahotellerie, die es schon länger gibt. Im Vergleich zu Hotels haben diese oft einen entscheidenden Vorteil: Sie sind deutlich günstiger.

Erstellt: 17.06.2019, 20:10 Uhr

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