Kaufinteressent zieht sich mitten in der Nacht zurück

Eine österreichische Firma wolle den Glühbirnenhersteller Osram kaufen, hiess es gestern Abend. Vier Stunden später war alles wieder vorbei.

Chaos um Leuchtmittelhersteller Osram: Interessent für eine Übernahme zog sich innert kürzester Zeit wieder zurück. Bild: Reuters/Michaela Rehle

Chaos um Leuchtmittelhersteller Osram: Interessent für eine Übernahme zog sich innert kürzester Zeit wieder zurück. Bild: Reuters/Michaela Rehle

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Es ist ein absurder Vorgang. Gestern nach Börsenschluss hat der Leuchtmittelhersteller Osram verkündet, dass ein österreichischer Halbleiterhersteller die Traditionsmarke aufkaufen will. Doch es kam anders.

Mit Glühbirnen wurde die Firma Osram zu den Anfängen des elektrischen Lichts gross. Die orangen Verpackungen mit dem Glühbirnenlogo sind weithin bekannt. Doch die Firma geriet in eine schwierige Situation. Gerade das Geschäft mit der Beleuchtung von Autos kriselte in den vergangenen Jahren.

Anfang Juli kam dann Hoffnung auf. Zwei amerikanische Finanzinvestoren wollen die Firma übernehmen und von der Börse nehmen. Der Vorstand der deutschen Osram unterstützte diesen Vorschlag. Alles war klar, die Übernahme aufgegleist.

10 Tage später hiess es: Es gibt noch einen zusätzlichen Interessenten. Und zwar die AMS, die an der Schweizer Börse gelistet ist. Nachbörslich stieg die Aktie an. Denn Osram liess verlauten, dass AMS 3.50 Euro mehr pro Aktie bieten will. Die Amerikaner bieten 35 Euro. Kein Wunder also, gab es Hoffnung darauf, dass die Aktien nun plötzlich mehr Geld wert sein könnten.

Osram selbst hatte das Interesse von AMS gestern Abend kundgetan. Und den Avancen gleich eine Absage erteilt. Die Finanzierung sei nicht gesichert bei den Österreichern. «Der Vorstand erachtet auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen die Transaktionswahrscheinlichkeit als sehr gering», heisst es in einer Mitteilung.

AMS war durch das Vorpreschen von Osram offensichtlich aufgescheucht worden. Knapp nach Mitternacht kam die Bestätigung: Ja, wir haben mit Osram gesprochen. Aber nein, kaufen wollen wir nun doch nicht. Zu wenig gut sei die Aussicht bei Osram, so die Begründung. Das sehen auch Analysten so und rechnen mit einem schlechten Geschäftsjahr 2018/19 bei Osram.

Handys statt Lampen

Doch warum interessierte sich überhaupt ein Halbleiterhersteller für Osram? Die ehemaligen Glühbirnenhersteller haben sich weg vom einstigen Kerngeschäft entfernt. Osram beliefert heute zum Beispiel Handyhersteller mit Sensoren zum Scannen von Gesichtern und Augen. Eine mögliche Ergänzung zum Geschäft von AMS also. Zum Vergleich: AMS machte 2018 weniger als die Hälfte des Umsatzes von Osram.

Osram wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet und entwickelte sich in der Folge zu einem der weltweit grössten Glühbirnenhersteller. Die Komponenten dazu trägt die Firma auch gleich im Namen: Osram setzt sich aus Osmium und Wolfram zusammen. Zwei Stoffe, die es brauchte, um Glühbirnen herzustellen. Während gut 35 Jahren gehörte Osram dann zum Industriekonzern Siemens. Dieser veräusserte die Münchner im Jahr 2013.

Mittlerweile setzt Osram nicht mehr auf Glühbirnen. Das Geschäft, heute freilich mit LED-Technologie, wurde inklusive der rund 8000 Mitarbeiter in diesem Segment verkauft und firmiert heute unter dem Namen Ledvance. Das Glühlampenlogo verschwand. Heute hat das Unternehmen noch rund 26'000 Mitarbeiter.

Die nachbörsliche Euphorie nach der Ankündigung von Osram ist mittlerweile schon wieder verflogen. Zu Beginn gab es gleich ein sattes Minus von über 5 Prozent.

Erstellt: 16.07.2019, 16:43 Uhr

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