Messeveranstalter MCH soll schrumpfen –Grossaktionär wehrt sich

Die MCH Group prüft den Verkauf eines Geschäftsbereichs. Ein Aktionär will die Pläne stoppen.

Die wohl bekannteste Messe, die Mustermesse Basel (Muba), fand dieses Jahr zum 103. und letzten Mal statt.

Die wohl bekannteste Messe, die Mustermesse Basel (Muba), fand dieses Jahr zum 103. und letzten Mal statt. Bild: OBS/MUBA / MCH GROUP/PHOTO SARA BARTH/Keystone

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Die MCH Group will sich neu aufstellen. Das Ziel ist, einen Teil des Geschäfts – namentlich die Live Marketing Solutions – zu verkaufen. Dies teilte das Unternehmen heute mit. «Wir haben mit unseren Eigenmessen und unseren Live Marketing Solutions zwei Geschäftsfelder mit grossen Entwicklungsmöglichkeiten, müssen uns aber aufgrund der beschränkten Investitionsmittel auf eines von ihnen konzentrieren», lässt sich Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer in einer Mitteilung zitieren. Man prüfe deshalb alle Optionen, bis hin zum Verkauf für die Division. Die MCH Group soll also weiter schrumpfen.

Das Geschäftsmodell der MCH Group ist in den letzten Jahren unter Druck gekommen. Grosse Messen wurden immer wieder redimensioniert, die Digitalisierung macht dem Messegeschäft zu schaffen. Publikumsmessen wie die Mustermesse Basel (Muba) verschwanden gar ganz: die diesjährige 103. Ausgabe in diesem Jahr war auch gleich die letzte Austragung. Nun will sich die MCH Group vermehrt auf die Eigenmessen wie die Uhrenmesse Baselworld konzentrieren, wie es weiter heisst.

Zudem soll die Auslastung der eigenen Infrastruktur, also der Hallen in Basel und Zürich verbessert werden. Und: «Mittelfristig soll diesbezüglich die geeignetste Eigentümer- und Betriebsstruktur gefunden werden», wie die MCH Group schreibt.

Die neue Strategie hat der neue Chef Bernd Stadlwieser mitgeprägt. Er hat erst in diesem Jahr als Chef der MCH Group übernommen. Er folgte auf René Kamm, der nach Jahren an der Spitze des Unternehmens über die Millionenverluste der vergangenen Jahren stolperte.

Kritik von Aktionär

Der mögliche Verkauf kommt bei einem Grossaktionär nicht gut an. Erhard Lee ist für seinen Anlagefonds AMG Substanzwert Schweiz, seine Kunden und auch privat mit deutlich über 10 Prozent an der MCH Group beteiligt. Wie viele Stimmrechtsanteile er genau hält, will er nicht bekannt geben. Trotzdem ist er der zweitgrösste Aktionär hinter der Stadt Basel. Er kritisiert die Neuausrichtung scharf.

«Wir haben dies im Vorfeld klar geäussert, es darf nicht nur darum gehen, die Immobilien zu bewirtschaften. Und danach sieht die neue Strategie aus.» Das sei ein rein politischer Entscheid, damit die Messegebäude in den Städten ausgelastet bleiben. «Man macht sich mehr Gedanken über die Immobilien als über die Arbeitsplätze bei Live Market Solutions», sagt Lee.

Bereits im vergangenen November äusserte sich Erhard Lee kritisch zum politischen Einfluss auf die MCH Group. «Unser Wunschszenario wäre es, wenn der Einfluss der Politik im Verwaltungsrat weniger wird», sagte er damals gegenüber der Zeitung «bz». Es gehe ihm aber nicht darum, dass sich der Staat komplett zurückzieht. Diese Kritik bekräftigt er nun.

Ein Problem sei auch, dass die Synergien zwischen dem Dienstleistungsgeschäft – der Live Market Solutions – und dem Messebetrieb nie ausgebaut wurden, so Lee. Nicht einmal die drei Firmen in der Live-Marketing-Solutions-Division würden wirklich zusammenarbeiten, obwohl sie im gleichen Segment tätig sind.

Er drängt nun darauf, dass der angedachte Verkauf an der Generalversammlung traktandiert wird. Dort steht Lee aber einer Übermacht gegenüber: Basel, Baselland und Zürich halten 49 Prozent aller Aktien und können das Geschäft locker durchwinken.

«Es geht aber darum, dass man diesen Fehlentscheid nochmal diskutiert.» Denn die Investitionen, die man in diesem Gebiet in den letzten Jahren getätigt hat, seien das Geld sicher wert. «Sie jetzt in einem Notverkauf zu verscherbeln, kann nicht die Lösung sein», sagt Lee.

Lee sieht für die Zukunft vor, dass die MCH Group international stark im Live-Marketing unterwegs ist, gepaart mit den eigenen Messen. Die Immobilien allerdings sollen an die Städte zurückgeführt werden.

Basel könnte Einfluss ausbauen

Die Ansage zur Neuausrichtung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Im Juni hatte die Regierung des Kantons Baselland bekannt gegeben, dass man den eigenen 7,8 Prozent-Anteil an der MCH Group verkaufen wolle. Basel-Stadt hat ein Vorkaufsrecht auf die Aktien.

Heisst: die Stadt könnte ihren Einfluss auf das Unternehmen auf über 40 Prozent der Stimmrechtsanteile ausweiten. Neben den beiden Basel halten auch die Stadt Zürich und der Kanton Zürich Aktien an der Firma, zusammen 7,7 Prozent. Im elfköpfigen Verwaltungsrat sitzen heute sechs Vertreter der Städte. Drei aus Basel-Stadt, je einer aus Baselland, Kanton Zürich und der Stadt Zürich. Die politischen Vertreter sind also in der Überzahl.

Erstellt: 19.09.2019, 07:59 Uhr

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