Pierin Vincenz: «Rücktritt ist kein Schuldeingeständnis»

Nachdem die Finma die Ermittlungen gegen ihn eingestellt hat, äussert sich Pierin Vincenz in einem Interview.

«Ich habe immer im Interesse von Raiffeisen gehandelt», sagt Pierin Vincenz.

«Ich habe immer im Interesse von Raiffeisen gehandelt», sagt Pierin Vincenz. Bild: Keystone

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Der ehemalige Raiffeisen-Chef und Ex-Helvetia-Präsident Pierin Vincenz sieht sich nicht als gestrauchelten Banker. Sein Rücktritt bei Helvetia sei kein Schuldeingeständnis, sagte er im Interview mit dem «SonntagsBlick».

«Ich habe immer im Interesse von Raiffeisen gehandelt», sagt er im Interview. Er habe unternehmerisch agiert. «Es ist möglich, dass da vielleicht einmal etwas im Grenzbereich war, das man im Nachhinein mit dem heutigen Verständnis von Corporate Governance, anders beurteilt. Das würde ich nicht ausschliessen», sagt er weiter.

Raiffeisen wäre nie so rasch gewachsen

Er habe aber ein gutes Gewissen. Umgekehrt wäre Raiffeisen ohne die «unkomplizierten Entscheidungswege» nie so schnell gewachsen, sagt er weiter. In den letzten 30 Jahren seien die Auflagen und Verfahren in der Finanzbranche viel komplizierter geworden. Er sehne sich nach unternehmerischer Freiheit, wie man sie im Banking früher noch hatte. Darum habe er mit seinem Rücktritt zugleich angekündigt, dass er nicht mehr im regulierten Finanzbereich tätig sein werde.

Wegen dieses Versprechens und des Rücktritts bei Helvetia hat die Finanzmarktaufsicht (Finma) das Verfahren gegen Vincenz in der vergangenen Woche eingestellt. Die Finma begründete, dass das Verfahren gegenstandslos geworden sei, nachdem Vincenz entschieden habe, von seinen Führungsfunktionen bei beaufsichtigten Instituten zurückzutreten und künftig auf solche zu verzichten.

«Das war der Entscheid meines Nachfolgers»

Ein Schuldeingeständnis sei dies nicht, sagte Vincenz im «SonntagsBlick». «Dass ich in Zukunft nicht mehr im regulierten Bereich tätig sein will, liegt daran, dass ich mich als unternehmerisch denkender Mensch zu stark eingeschränkt fühle», begründete er. Zudem hätte ihm ein Verfahren zu lange gedauert.

Weiter kontert er Vorwürfe, wonach er seine Frau bei Raiffeisen in die Geschäftsleitung befördert habe «Das war der Entscheid meines Nachfolgers und nicht von mir», sagte er. Er sei am 30. September 2015 zurückgetreten und die Beförderung hätte am 1. Oktober stattgefunden. «Rein formell war ich zwar bis Ende September Chef. Tatsächlich war ich aber die letzten Monate, also in der Übergangsphase, nicht mehr an den Geschäftsleitungssitzungen».

Vincenz (61) war von 1999 bis 2015 Chef von Raiffeisen. Danach übernahm er das Verwaltungsratspräsidium der Versicherung Helvetia. Das Verfahren der Finma bezog sich auf Interessenskonflikte während der Zeit bei Raiffeisen. (woz/sda)

Erstellt: 24.12.2017, 10:57 Uhr

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