Preisaufschläge fürs Internet – so wehren Sie sich

Die Swisscom bietet ihren Kunden ein «neues Surferlebnis». Der Internetzugang wird automatisch schneller – für fünf Franken mehr im Monat.

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Swisscom-Kunden ärgern sich über einen Preisaufschlag, den sie ab Dezember für ein schnelleres Internet bezahlen sollen. Mit einem Schreiben kündigte das Unternehmen an, die Surfgeschwindigkeit ab Dezember zu erhöhen.

«Im Oktober und November geniessen Sie das neue Surferlebnis ohne Aufpreis. Ab 1. Dezember 2018 zahlen Sie nur 5 Franken pro Monat zusätzlich für die erhöhte Aboleistung», schreibt die Swisscom an ihre Kunden.

Wer das Angebot für 60 Franken mehr im Jahr nicht will, muss der Vertragsanpassung bis zum 25. November telefonisch widersprechen oder auf der Website ein Formular ausfüllen.

5 Mbit/s reichen für Netflix

Betroffen sind die Abos InOne Home Internet S und Vivo XS. «Wir sind überzeugt, dass die Leistungssteigerung die geringe Erhöhung des Preises aufwiegt», sagte ein Swisscom-Sprecher der «Aargauer Zeitung». Swisscom habe damit auch die Abstände zu den übrigen Paketen verringern wollen. Bei diesen seien trotz besseren Leistungen keine Preiserhöhungen vorgesehen.

Inwiefern 50 statt 40 Mbit/s ein «neues Surferlebnis» sein sollen, wie es im Brief heisst, sei dahingestellt, schreibt «Watson». Für Kunden, die sich bewusst für ein relativ langsames und «günstiges» Abo entschieden hätten, reichten 40 Mbit/s vollkommen aus. So empfiehlt etwa Netflix eine Mindestgeschwindigkeit von 5 Mbit/s, um Serien in Full-HD streamen zu können.

Sunrise und UPC mit demselben Vorgehen

Dieselbe Marketingschiene wie die Swisscom sind dieses Jahr bereits zwei andere Anbieter gefahren. Im Juli kündigte UPC an, das Internetabo Connect von 40 auf 100 Mbit/s zu erhöhen – ebenfalls für fünf Franken mehr im Monat (landbote.ch berichtete). Mit der höheren Leistung wolle man auf die gestiegenen Bedürfnisse der Kunden reagieren, begründete die UPC das Vorgehen. Die Frist, gegen die ebenfalls automatische Vertragsanpassung einzusprechen, ist am 27. August abgelaufen.

Wie die Swisscom hat auch Sunrise die Surfgeschwindigkeit von 40 auf 50 Mbit/s erhöht. Auch diese Anpassung erfolgte automatisch, die ersten zwei Monate ab Juni waren ebenso kostenlos. Und auch Sunrise ist davon überzeugt, im Interesse der Kunden zu handeln. Das Unternehmen habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden solche Upgrades begrüssten, sagte eine Sunrise-Sprecherin dem «Beobachter».

Einseitige Vertragsänderungen

Ist das Vorgehen der Internetanbieter rechtens? «Aus Stillschweigen kann keine Zustimmung abgeleitet werden», schrieb der «Beobachter». Zwar dürften einseitige Vertragsänderungen vorgenommen werden, jedoch nur, wenn den Kunden ein ausserordentliches Kündigungsrecht oder ein Ersatzangebot gewährt werde. Zahle man die erste Rechnung, sei das Stillschweigen allerdings gebrochen. Das Unternehmen dürfe dann von einer Zustimmung zu den neuen Bedingungen ausgehen.

Was können Kunden tun, wenn sie mit der Änderung nicht einverstanden sind? Wer von den Widerspruchmöglichkeiten der Anbieter nicht Gebrauch machen will und dennoch auf den bisherigen Konditionen besteht, kann es mit einem Brief versuchen. Die Stiftung für Konsumentenschutz hat auf Twitter ein Musterschreiben veröffentlicht.

(oli)

Erstellt: 29.08.2018, 11:02 Uhr

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