Wie Amazon mit Alexa doch noch Geld machen will

Bisher machen die smarten Lautsprecher nur Verluste. Doch der Tech-Riese hat Ideen, wie sie ein Erfolg werden könnten.

Stellt die neuen Geräte des Konzerns vor: Amazon-Manager David Limp. Foto: Getty Images

Stellt die neuen Geräte des Konzerns vor: Amazon-Manager David Limp. Foto: Getty Images

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Alexa kümmert sich künftig rührend um ihre Besitzer. Wer sich dann im Gespräch mit der smarten Assistentin von Amazon räuspert oder gar hustet, dem schlägt sie ein Rezept für eine Hühnersuppe vor – oder gleich Erkältungstropfen, «lieferbar in einer Stunde». Und bei Bestellung wünscht die stimmgewordene Präsenz des weltweit grössten Online-Händlers im eigenen Zuhause artig: «Gute Besserung.» So zumindest sieht es das neueste Patent der Amazon-Entwickler vor. Es zeigt, wie der Internetkonzern Alexa künftig zu einem lukrativen Geschäftsfeld machen will – vorausgesetzt, Facebook, Apple, Google & Co. klauen dem Platzhirsch nicht noch mehr Anteile. Und die Nutzer bleiben weiter so sorglos im Umgang mit High-Tech wie bisher.

Ein wenig Unbekümmertheit schadet nämlich nicht beim Einsatz von Alexa und ihren smarten, in der Regel mit weiblicher Stimme versehenen Kolleginnen der anderen Tech-Konzerne. Einmal in die Wohnung gestellt, hören sie in Dauerschleife auf jedes gesprochene Wort. Der neueste Echo-Dot-Lautsprecher von Amazon etwa, das Hardwarezuhause für die virtuelle Alexa, besitzt dafür gleich vier Fernfeldmikrofone und stellt so sicher, «dass Alexa Sie auch von der anderen Seite des Raums hört», wie es in der Amazon-Werbung heisst. Zwar lassen sich die Mikros abstellen, dann allerdings bleibt der Echo ein tumber Kasten ohne Funktion. Ob Homepod von Apple, Google-Home-Geräte oder Smart Speaker mit Cortana von Microsoft, sie alle arbeiten nach ähnlichem Prinzip. Lauschen gehört dazu.

Besonders News sind gefragt

Tätig werden die Geräte, so betonen es die Hersteller, bislang allerdings erst auf ein Codewort hin, «Hey Google» etwa, «Alexa» oder «Siri». Besonders beliebt sind die schlauen Lautsprecher, um Musik zu hören oder Informationen abzurufen.

Nutzung von Smart Speakers

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Amazon gilt als Pionier im Markt. Seit drei Jahren schon verkauft der Internetkonzern den Lautsprecher Amazon Echo, in dem über die Mikrofone Alexa dem Nutzer zuhört. Ein Jahr später kam das Google-Home-System mit dem Google Assistant auf den Markt. Beide führen heute das Segment an. Die chinesischen Unternehmen Alibaba und Xiaomi spielen vor allem in ihrem Heimatmarkt schon eine gewichtige Rolle. Ihre Lautsprecher gibt es erst seit vergangenem Jahr im Handel.

Beliebte Smart Speakers

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Das Wachstum ist wie so oft in jungen Märkten immens: Um 187 Prozent stieg die Nachfrage gemäss Zahlen des Marktforschungshauses Canalys im zweiten Quartal. Knapp 16 Millionen wurden weltweit verkauft. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden 33 Millionen Smartphones abgesetzt.

Dabei kommen Smart Speakers vor allem in den USA und Asien an. So sind gemäss Zahlen von Bloomberg im ersten Quartal in Südkorea pro Kopf 0,014 Geräte gekauft worden, in den USA 0,013, in Deutschland lediglich 0,004, in Frankreich 0,003. Das zeigt die Sensibilität der Europäer in Datenschutzfragen. In der Schweiz sind die Geräte nur als Parallelimporte zu haben. Weder Google noch Amazon liefern ihre Smart Speakers bislang offiziell.

Jetzt den Markt besetzen

Noch verdienen Amazon & Co. kein Geld mit ihren Geräten. Die Herstellungskosten für das kleinste Gerät des Internetwarenhändlers, den Echo Dot, sollen gemäss Abi Research bei knapp 35 Dollar liegen. Amazon verkauft den Mini-Lautsprecher aber regelmässig für weniger. Auch der Google Home Mini kostet in der Produktion 26 Dollar und ist oft darunter zu haben – manchmal gar als kostenlose Dreingabe. Den Unternehmen geht es jetzt darum, den Markt zu besetzen. Wer einmal auf Amazon oder Google eingeschworen ist, tut sich mit dem Wechsel schwer.

Während Amazon und Google den Markt dominieren, tun sich die Nachzügler schwer.

In einem zweiten Schritt werden die Daten der Nutzer zu Geld gemacht, über eine stärker personalisierte Werbung etwa oder individualisierte Angebote wie im Erkältungsbeispiel bei Amazon. Kein Wunder, drängen die Unternehmen in weitere Bereiche. So hat Amazon etwa kürzlich eine Mikrowelle vorgestellt, in der die Sprachassistentin Alexa integriert ist.

Während Amazon und Google den Markt dominieren, tun sich die Nachzügler schwer. Von Microsoft gibt es erst einen Smart Speaker mit der Assistentin Cortana in Kooperation mit Samsung-Tochter Harman Kardon. Apple hat den Homepod im Angebot, zielt hier jedoch im Premium-Segment ausschliesslich auf Apple-Kunden. Der jüngste Mitspieler: Facebook. Vor wenigen Tagen hat das soziale Netz ein Gerät namens Portal vorgestellt. Das Unternehmen stellt die Videotelefonie in den Fokus – und den Datenschutz. So lässt sich die Kamera verschliessen. Als smarte Assistentin kommt bei Facebook Alexa zum Einsatz. Kunden liefern ihre Daten also gleich an zwei Konzerne.

Künftig könnten Smart Speakers zum lukrativen Feld werden. In der besten Ausgangsposition befinden sich Amazon und Google-Mutter Alphabet. Tech-Anleger nehmen das Thema und die beiden Unternehmen auf ihre Beobachtungsliste.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 18.10.2018, 17:34 Uhr

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