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Blockchain soll Echtheit von Shirts des FC St. Gallen garantieren

Der FC St. Gallen nutzt die Blockchain-Technologie, um Fans spezielle und limitierte Artikel zu verkaufen. Clubs aus ganz Europa zeigen Interesse.

Sein Shirt ist sicher echt: Ermedin Demirovic (links), beim Fussball Super-League Spiel zwischen St. Gallen und Servette. Foto: Keystone
Sein Shirt ist sicher echt: Ermedin Demirovic (links), beim Fussball Super-League Spiel zwischen St. Gallen und Servette. Foto: Keystone

Seit Jahren wird der Blockchain-Technologie grosses Potenzial vorausgesagt. Doch bisher blieb sie in der Nische, im Alltag begegneten ihr Menschen so gut wie nie. Ein Schweizer Fussballclub könnte das nun ändern.

Der FC St. Gallen setzt neuerdings auf Blockchain-Technologie, um die Einzigartigkeit von limitierten oder speziellen Fanartikeln zu garantieren. Das kündigt Sandro Dal Farra, Leiter des Digitalbereichs beim FC St. Gallen,an. Die Blockchain ist eine Art dezentrale Datenbank, die neben Kryptowährungen vielerlei Handelsgeschäfte ermöglicht. Dabei sollen die Geschäfte ohne Vermittler wie beispielsweise Banken sicher abgewickelt werden können.

Handy liesst Chip

Das Projekt des FC St. Gallen ist schon weit fortgeschritten: Im Frühling kommen die ersten limitierten Trikots in den Verkauf. Die Shirts sind mit einem NFC-Chip (Near Field Communication) versehen und tragen den Namen eines Spielers, der in der Vergangenheit wesentlich zum Erfolg des Vereins beigetragen hat und deshalb einen Legendenstatus geniesst. Mit heutigen Smartphones können Fans den Chip lesen und auf Informationen in der unveränderbaren Blockchain zugreifen, welche die Echtheit garantiert, wie David Geisser von der Firma CollectID in Goldach erläutert.

Diese Firma stellt die technische Schnittstelle zwischen Blockchain und Fanartikeln sicher. CollectID steht auch mit grossen europäischen Fussballclubs in Kontakt, die das Projekt mit Interesse verfolgen würden. In den anderen europäischen Ligen gibt es noch nichts Vergleichbares, soviel Geisser weiss.

Ärger mit Jubiläumstrikots

Die neue Technologie soll auch Unmut unter Fans vermeiden, wie ihn der FC St. Gallen vor einem Jahr erlebt hat, als er zum 140-jährigen Bestehen Jubiläumstrikots verkaufte. Damals war eigentlich vorgesehen, die Zahl dieser Leibchen auf 500 Stück zu limitieren. Doch die Nachfrage war derart gross, dass der Fussballverein 900 weitere Stücke herstellen liess. Dies sehr zum Ärger mancher Fans. «Schämt euch! Leute standen Stunden an im Glauben, etwas Limitiertes zu erwerben, und in den nächsten Tagen kann jeder das online bestellen», kommentierte damals ein Anhänger des FC St. Gallen als Reaktion auf der Facebook-Seite seines Lieblingsvereins. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich beliebige Fanartikel einer unveränderbaren Serie zuordnen.

Denkbar wäre beispielsweise auch, dass Fans auf diese Weise an wichtigen Spielen getragene Shirts erhalten. Oder dass nach dem Scan des Trikots auf dem Handy exklusive digitale Inhalte wie zum Beispiel Interviews oder Videos freigeschaltet werden.

Die Echtheitsgarantie des FC St. Gallen ist eines von mehreren Projekten, das mit der CollectID-App auf der Plattform der Blockchain Trust Solutions AG mit Sitz in Herisau läuft. Das Unternehmen ist für die Blockchain verantwortlich. Mit an Bord ist die Stromproduzentin Axpo, deren besonders sicheres Netz Blunet genutzt wird. Auch das Rechenzentrum steht in Kavernen der Axpo beim Limmern-Stausee. «Unser Netz läuft auch bei Stromausfällen oder bei Pannen in anderen Telekommunikationsnetzwerken», sagt Toni Caradonna von Blockchain Trust Solutions.

Hype und Ernüchterung

Auf den ersten Hype um die Blockchain-Technologie machte sich in den vergangenen Monaten Ernüchterung breit. Die Blockchain-Branche hat es bis heute nicht geschafft, Projekte umzusetzen, die auf breite Akzeptanz gestossen sind. An der Plattform der Blockchain Trust Solutions AG ist interessant, dass hier nun mehrere Vorhaben über Gedankenspielerei hinausgehen und kommerziell umgesetzt werden. Bereits gestartet ist beispielsweise «Hofa». Bei diesem Projekt einer Londoner Galerie können Interessierte ab 300 Pfund in Kunst investieren. Sie kaufen einen Anteil an mehreren Bildern junger Künstler, wie Caradonna erläutert. Wenn die Preise eines dieser Künstler später einmal durch die Decke schiessen, könnte sich das Investment auszahlen.

Container mit Servern für die Blockchain, die sich in der Kaverne der Axpo beim Limmern-Stausee befinden. Foto: PD
Container mit Servern für die Blockchain, die sich in der Kaverne der Axpo beim Limmern-Stausee befinden. Foto: PD

Bei einem weiteren Projekt geht es um Mondholz – das ist Holz, das zu bestimmten Zeiten geschlagen und über die Blockchain entsprechend zertifiziert wird. In eine völlig andere Richtung geht die Berner Comfone AG, die weltweit Roaming-Lösungen anbietet. Deren Geschäftsführer Daniel Heutschi sieht durchaus Möglichkeiten, Verträge mit ausländischen Operatoren über die Blockchain abzuwickeln. Noch offen ist allerdings die Akzeptanz bei den Kunden. «Das werden wir jetzt testen», sagt Heutschi.

Im Gegensatz zu anderen bekannten Blockchains wie Ethereum oder Bitcoin arbeitet die Blockchain Trust Solutions AG nicht mit einem weltumspannenden Netz von unbekannten Leuten, die Rechenleistung zur Verfügung stellen. Stattdessen sind ausschliesslich Schweizer Firmen und Institutionen wie die Axpo, die Fachhochschule St. Gallen und andere mehr beteiligt. Derzeit machen 21 Betriebe mit. Das Ziel ist, die Zahl auf 60 bis 100 zu erhöhen. Dieses Konzept nennt sich Proof-of-Authority. Die klassischen Ethereum und Bitcoin funktionieren hingegen nach dem Proof-of-Work-Prinzip. Während letztere für ihren grossen Stromverbrauch bekannt sind, kommen Nutzer beim erwähnten Schweizer Anbieter mit einer jährlichen Stromrechnung von 45 Franken weg, wie Toni Caradonna sagt.

Schwachstelle?

Der Zuger Blockchain-Experte André Wolke meldet aber bezüglich Sicherheit Bedenken an: «Ein weltumspannendes Netz mit einer Vielzahl an Teilnehmern wie bei Ethereum oder Bitcoin ist das Sicherste, was es gibt», sagt er. Bei einem Netz mit einer kleinen Zahl an identifizierbaren Teilnehmern bestehe demgegenüber das Risiko, dass diese gezielt angegangen und beispielsweise mit Geld beeinflusst werden könnten. Darauf erwidert Caradonna, dass Manipulationen eine Datenspur hinterlassen und die verantwortlichen Institutionen ausfindig gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden könnten.

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