Das Problem der Einsatzkräfte mit der Swisscom

Bei einem Netzausfall muss die Swisscom sicherstellen, dass Notrufe in den Einsatzzentralen ankommen. Doch dies war nun erneut nicht der Fall. Ist ein Anbieterwechsel möglich?

Sie sind auf ein funktionierendes Notrufnetz angewiesen: Rettungskräfte, hier in einer Einsatzzentrale im Kanton Genf. Foto: Martial Trezzini (Keystone)

Sie sind auf ein funktionierendes Notrufnetz angewiesen: Rettungskräfte, hier in einer Einsatzzentrale im Kanton Genf. Foto: Martial Trezzini (Keystone)

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Es ist eine Horrorvorstellung: Ein Notfall kann nicht gemeldet werden, weil die entsprechenden Notrufnummern nicht erreichbar sind. Genau dies ist am späten Dienstagabend schweizweit eingetreten – bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Während mehr als 90 Minuten bestand in den Netzen von Swisscom eine Störung, welche die Notfallnummern von Polizeien, Ambulanzen und Feuerwehren beeinträchtigte. Erst Ende Januar war es im Festnetz des Schweizer Marktführers zu einem ähnlichen Ausfall gekommen.

Die Ursache für die aktuelle Störung steht bereits fest: Es handelt sich um menschliches Versagen. Wie die Swisscom mitteilt, haben falsch ausgeführte Wartungsarbeiten die Infrastruktur lahmgelegt. Dabei kam es zu einem «mehrfachen menschlichen Fehlverhalten», wie das Unternehmen einräumt. 

Da selbst die Swisscom keinen Zugang zu ihren eigenen Netzen mehr hatte, konnten die Spezialisten die Panne nicht über eine Fernsteuerung beheben. Das Unternehmen musste die laufende Revision erst abbrechen, um die Infrastruktur wieder zum Laufen zu bringen.

Der gehäufte Ausfall von Notfallnummern führt zu Kritik von betroffenen Einsatzkräften. «Eine solche Störung des Kommunikationsnetzes ist für Blaulichtorganisationen problematisch», heisst es bei der Kantonspolizei Bern. Denn in einem Ernstfall könne es um Leben und Tod gehen.

Gerade bei einer nationalen Beeinträchtigung sei es im Interesse aller Blaulichtorganisationen, «dass Notrufe auch im Störungsfall zugestellt werden können – wie dies in der Grundversorgungslizenz des Bundesamts für Kommunikation festgehalten ist», heisst es von der Kantonspolizei Bern.

Auf diese Auflage in der Grundversorgung verweist auf Anfrage auch das Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Man werde nun das Gespräch mit der Swisscom suchen und «mit ihr den Ausfall des Telefonie- und Datennetzes aufarbeiten», sagte ein Behördensprecher.

Einsatzkräften sind die Hände gebunden

Doch im Gegensatz zu privaten Kunden von Swisscom können die Einsatzkräfte nicht einfach den Anbieter wechseln, wenn sie mit den Dienstleistungen unzufrieden sind. «Ein anderer Betreiber kommt schon aus gesetzlichen Gründen nicht infrage», sagt eine Sprecherin von Schutz & Rettung der Stadt Zürich. Denn Notrufe sind gemäss dem Fernmeldegesetz Sache des Grundversorgers. Und der heisst seit 1998: Swisscom.

Der blaue Riese stellt die Grundversorgung noch bis Ende 2022 sicher. Für die fünfjährige Periode danach schreibt die Eidgenössische Kommunikationskommission als Regulierungsbehörde die entsprechende Konzession wieder aus. Auch andere Anbieter wie Sunrise, UPC und Salt können sich dafür bewerben. Für den Zeitraum von 2018 bis 2022 haben die Swisscom-Konkurrenten das allerdings nicht getan.

Einfluss nehmen könnte der Gesetzgeber. Das Parlament könnte den Blaulichtorganisationen das Recht einräumen, unter gewissen Umständen den Anbieter zu wechseln. Doch auch Führungskräfte der Telecombranche denken über Lösungen nach. Fredy Künzler, Chef des Winterthurer Glasfaseranbieters Init7, schlägt vor: Die Erreichbarkeit der Notrufnummern soll über die Netze von mehreren Anbietern erfolgen.

Die Swisscom hat angekündigt, die Pannenserie zusammen mit den Blaulichtorganisationen genauer anzuschauen. Es sollen andere Erreichbarkeiten geprüft werden, etwa über die Mobilfunknetze. 

Ähnlicher Fall in Österreich

In Österreich kam es im vergangenen Herbst zu einem ähnlichen Vorfall. Der betroffene Anbieter A1 Telekom Austria organisierte daraufhin einen runden Tisch mit den Blaulichtorganisationen. Ein Ergebnis davon ist, dass der österreichische Marktführer in Zukunft bei Netzausfällen die entsprechenden Einsatzorganisationen und Bundesländer aktiv informiert.

Erstellt: 12.02.2020, 20:34 Uhr

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