Jungs lieben den Störenfried im Unterricht

Donald Trumps archaischer Führungsstil elektrisiert viele Manager. Das kennen wir doch von der Schule.

Daumen hoch! Donald Trump kommt erschreckend gut an. Auch am diesjährigen WEF in Davos. Foto: Jonathan Ernst (Reuters)

Daumen hoch! Donald Trump kommt erschreckend gut an. Auch am diesjährigen WEF in Davos. Foto: Jonathan Ernst (Reuters)

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Es überrascht nicht, dass Donald Trump dem ganzen Nachhaltigkeitsmotto, unter dem das WEF dieses Jahr stand, die kalte Schulter zeigte und zum 50. Jubiläum des Forums eine Laudatio auf sich selber hielt. Der US-­Präsident hat ja schon manchen Anlass gecrasht.

Irritierend ist vielmehr, wie wenig Kritik sein uninspirierter Auftritt, der in keiner Relation zum Aufwand stand, hierzulande auslöste. Laut meinem Kollegen, der aus Davos berichtete, war ein grosser Teil der WEF-Teilnehmer insgeheim sogar froh, dass Trump sich ums Thema Klima foutierte, weil sie dieses langsam sowieso satt und Greta Thunberg nie ernst genommen hätten. Ich fürchte, er liegt richtig und psychologisiere hier noch etwas weiter. Bei Männern in Machtpositionen kommen Mr. President’s krude Auftritte deutlich besser an als bei ihren weiblichen Pendants. Das entnehme ich jedenfalls meinen Gesprächen mit Wirtschaftsleuten.

Selbst wenn sie politisch einem anderen Lager angehören, sind die Manager irgendwie elektrisiert von Trumps Habitus. Der Mann mit den vielen Helikoptern im ­Gepäck weckt vermutlich Bilder eines vergangenen Führungsstils, der sich für moderne Chefs nicht mehr ziemt. In der Arbeitswelt 4.0 müssen sie Teamplayer und Befähiger sein, sozial kompetent, inkludierend, achtsam, inspirierend. Zuweilen hadern sie damit, denn es macht ihr Leben als Führungskraft nicht einfacher.

Aber das kennen wir ja aus der Schulstunde: Der Bub, der den Unterricht stört und die Lehrerin provoziert, hat die Aufmerksamkeit der anderen Jungs auch auf sicher.

Trump hält so herrlich unverdrossen an der archaischen Welt der Hackordnung fest, in welcher der Stärkere bestimmt. In dieser Welt gehört selbstverständlich auch eine junge Umweltaktivistin aus Schweden auf ihren Platz verwiesen. Wäre ja noch schöner, wenn man sich von einer wie ihr die Agenda ­diktieren lassen würde.

Diese Chuzpe, mit der Trump sein Ding durchzieht, scheint Männer deutlich mehr in den Bann zu ziehen als Frauen. Die wenden sich von ungehobelten Typen oder Szenen einfach befremdet ab. Siehe auch die Affäre Khan/Thiam: Zwei Manager lieferten sich einen Fight, der fast in einer körperlichen Auseinandersetzung endete und eine Verfolgungsjagd inkludierte. Ich stelle fest, dass dieser Gladiatorenkampf das männliche Geschlecht deutlich mehr beschäftigt als uns Frauen.

Aber das kennen wir ja aus der Schulstunde: Der Bub, der den Unterricht stört und die Lehrerin provoziert, hat die Aufmerksamkeit der anderen Jungs auch auf sicher. Die Mädchen schauen kurz gelangweilt hin und lesen dann weiter.



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Erstellt: 26.01.2020, 19:25 Uhr

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